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Telekommunikation Vodafone startet mit Unitymedia den Angriff auf die Telekom

Der Vodafone-Konzern schließt am Donnerstag die 18,4 Milliarden Euro schwere Übernahme ab. Für die Deutsche Telekom birgt das eine große Gefahr.
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„Willkommen im Giga-Team.“ Quelle: Reuters
Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter

„Willkommen im Giga-Team.“

(Foto: Reuters)

Düsseldorf Als Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter in Köln auf die Bühne tritt, ist die Stimmung angespannt. Vor ihm haben sich die Mitarbeiter von Unitymedia in der Firmenzentrale versammelt. Sie sind Angestellte eines Unternehmens, das Vodafone zusammen mit den Kabelnetzen der Unitymedia-Muttergesellschaft Liberty Global in Tschechien, Ungarn und Rumänien für 18,4 Milliarden Euro übernommen hat.

Die Marke Unitymedia wird verschwinden, die Zukunft für die Mitarbeiter ist ungewiss.

Doch Ametsreiter gibt sich zuversichtlich. „Willkommen im GigaTeam“, heißt es auf der Folie, die Ametsreiter auf die Leinwand projizieren lässt. Der Kauf von Unitymedia sei gut für Deutschland. Erstmals könne Vodafone eine eigene Infrastruktur in der ganzen Republik anbieten. Jetzt stehe dem Plan, die Deutsche Telekom offen herauszufordern, nichts mehr im Wege, betont Ametsreiter, wie Teilnehmer dem Handelsblatt berichten.

Im Interview mit dem Podcast „Handelsblatt Disrupt“ legt Ametsreiter nach: „Wir haben ein deutlich besseres Netz.“ Die Kabelinfrastruktur von Vodafone sei dem Angebot der Telekom klar überlegen. Nach Handelsblatt-Informationen plant Vodafone für den 1. September eine Marketingoffensive, mit der die Firma vor allem Telekom-Kunden zum Wechseln bewegen will.

Der Markt

Der deutsche Breitbandmarkt steht vor einen grundlegenden Wandel. Die EU hat den Weg für die Fusion von Vodafone mit Unitymedia frei gemacht, und das mit geringen Auflagen. Vodafone muss zwar dem Wettbewerber Telefónica Zugang zu seinem Kabelnetz eröffnen – allerdings nur mit einem gebremsten Zugang.

Während Vodafone seinen Kunden bis zu ein Gigabit pro Sekunde bieten will, bekommt Telefónica maximal 0,3 Gigabit pro Sekunde. Vodafone hat dadurch nahezu ein Monopol auf die wirklich schnellen Internetzugänge im Kabelnetz. Das ist vor allem für die Deutsche Telekom eine Gefahr. Sie ist bislang der dominante Spieler auf dem deutschen Breitbandmarkt. Diese Stellung wackelt jedoch.

Bis zum Jahr 2022 will Vodafone Breitbandanschlüsse mit einem Gigabit pro Sekunde für 25 Millionen Haushalte anbieten. Damit würde Vodafone rund zwei Drittel der deutschen Bevölkerung erreichen. Außerdem schreiben die Regeln der Bundesnetzagentur der Telekom vor, dass sie ihr Netz auch für Wettbewerber öffnen muss.

So kann Vodafone an den Orten, an denen das Unternehmen keine eigene Infrastruktur hat, auf einen regulierten Zugang zum Netz der Telekom zugreifen. Ein Vodafone-Sprecher sagt klar: „Wir erreichen zwei Drittel der Haushalte, den Rest füllen wir über das Netz der Deutschen Telekom auf – und erreichen damit nahezu 100 Prozent Abdeckung.“

Die Technologie

Die Dominanz von Vodafone im Kabelmarkt hat eine besondere Bedeutung. Das hängt mit der Technologie zusammen. Langfristig setzen zwar alle Anbieter auf Glasfaser als einzig zukunftssichere Internet-Technologie. Aber bis ein Netz auf Basis von Glasfaser flächendeckend in Deutschland ausgerollt ist, könnten noch Jahrzehnte vergehen.

Bis dahin hat Vodafone einen großen Vorteil: Das Kabelnetz ist deutlich schneller als das DSL der Telekom.Schon heute bietet Vodafone auf Basis von TV-Kabeln Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde an. Das ist deutlich mehr, als die Telekom ihren Kunden bieten kann.

Seit dem Jahr 1999 hat die Telekom in Deutschland DSL auf Basis der Telefonleitung ausgerollt. In der besten Ausbaustufe, dem sogenannten Supervectoring, kommt die Telekom auf Geschwindigkeiten von bis zu 0,25 Gigabit pro Sekunde. Gerade in ländlichen Regionen kann die Leistung jedoch teilweise auch deutlich darunterliegen.

Ein Grund für die unterschiedliche Geschwindigkeit liegt in der Physik. Eine Telefonleitung ist ein dünner Draht aus Kupfer – etwa so dick wie ein Faden. Das TV-Kabel basiert zwar auch auf Kupfer, ist aber deutlich dicker – etwa wie ein kleiner Finger. Dadurch kann man Daten mit einer deutlich höheren Geschwindigkeit übertragen.

Der Telekom ist es zwar gelungen, die Leistung von DSL dank Vectoring schrittweise auf bis zu 0,25 Gigabit zu steigern. Doch bislang ist nicht absehbar, dass ein weiterer technologischer Sprung die Kapazität der Telefonleitungen weiter steigern könnte.

Beim TV-Kabel sieht es anders aus. Derzeit rollt Vodafone bereits Anschlüsse mit einem Gigabit pro Sekunde aus. Doch Telekommunikationsfirmen testen schon Erweiterungsstufen für das Kabelnetz, mit denen sich die Geschwindigkeiten weiter steigern lassen könnten.

Die Ironie der Geschichte: Einst gehörte dem ehemaligen Staatskonzern Telekom sowohl das Telefon- als auch das TV-Netz. Die Regulierer schrieben dem einstigen Monopolisten vor, sich von einem Netz zu trennen. Die Telekom entschied sich für den Verkauf des TV-Kabels. Heute bereuen einige Manager in Bonn die Entscheidung und sagen, sie hätten damals wohl besser das Telefonnetz abgestoßen.

Die Netzengpässe

Vodafone-Deutschlandchef Ametsreiter kann vor diesem Hintergrund selbstbewusst die Leistung des Kabelnetzes gegenüber DSL anpreisen. Allerdings birgt die Kabeltechnologie ein Problem: Je mehr Kunden die Infrastruktur nutzen, desto langsamer wird der Anschluss. Shared Medium ist der Fachbegriff dafür. Mehrere Nutzer teilen sich also eine Leitung. Immer wieder beklagen sich Kunden im Kabelnetz, dass abends, wenn etwa auch die Nachbarn den „Tatort“ im Internetstream anschauen, die Verbindung stocken kann.

Doch für das Problem gibt es eine Lösung: Vodafone kann sein Netz in kleinere Segmente aufteilen. Im Kern der Infrastruktur nutzt ohnehin jeder Netzbetreiber Glasfaser. Dort besteht das Problem der geteilten Leitungen nicht. Je weiter Vodafone sein Glasfasernetz nun an die Haushalte der Kunden heranführt, desto geringer werden die Probleme bei einer gleichzeitigen Nutzung des Netzes.

Diese Herausforderung scheint allerdings ein größeres Problem für Vodafone zu sein. Jedes Jahr veröffentlicht das Magazin „Connect“ einen Festnetztest. Die Überprüfung gilt als eine Benchmark für die Branche. In diesem Jahr schloss Vodafone jedoch als schlechtester Anbieter im Test ab. In vielen Fällen sei die Leistung der Anschlüsse deutlich schlechter, als es den Kunden versprochen wurde, monierten die Tester.

Damit kritisierten sie genau das Problem der geteilten Infrastruktur im Kabelnetz. Einem Nutzer bringt es wenig, wenn sein Anschluss zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens ein Gigabit pro Sekunde schafft, jedoch ausgerechnet schlappmacht, wenn im Haushalt zur Abendzeit Fernsehen per Internet geschaut werden soll.

Besonders bitter für Vodafone ist, dass der Konzern bereits das zweite Jahr in Folge als Schlusslicht beim „Connect“-Test abgeschnitten hat. Beim letzten Mal hatte Vodafone-Deutschlandchef Ametsreiter dazu im Interview mit dem Handelsblatt gesagt: „Zu der Zeit des Tests wurde ein Update unserer Modems durchgeführt.“

Er fügte an: „Das müssen wir das nächste Mal besser machen.“ Immerhin bot der Test auch einen positiven Aspekt für Vodafone: Der übernommene Kabelnetzbetreiber Unitymedia schloss als bester Anbieter ab.Vodafone ist das Problem bekannt. Deshalb hat die Firma ein üppiges Investitionsprogramm angekündigt. Innerhalb der nächsten Jahre will der Netzbetreiber rund zwölf Milliarden Euro in die Aufrüstung des Kabelnetzes in Deutschland investieren.

Die Beschäftigten

Bei den Angestellten von Unitymedia ist die Verunsicherung groß, was mit ihnen im Zuge der Übernahme durch Vodafone passieren wird. Daran konnte auch die Veranstaltung mit Ametsreiter nicht viel ändern. Die fast 3000 Beschäftigten von Unitymedia wissen, dass Vodafone eigentlich alle Voraussetzungen mitbringt, um das Kabelnetz des Konzerns allein zu managen.

Der Netzbetreiber braucht die Infrastruktur und die Kunden von Unitymedia – jedoch nicht unbedingt dessen Angestellte. Unter ihnen gibt es zwar auch ehemalige Beschäftigte der Telekom, die ein Rückkehrrecht zu dem Dax-Konzern besitzen. Viele Angestellte machen sich jedoch Sorgen, dass sie keinen Platz mehr im fusionierten Unternehmen haben werden.

Der Unitymedia-Betriebsratsvorsitzende Stefan Kerpers sagte: „Vorsichtig geschätzt rechnen wir gegen Ende September mit ersten konkreteren Planungen zur Integration.“ Das Wachstum von Unitymedia beruhe auf der Leistung der Mitarbeiter. „Vodafone wäre gut beraten, wenn sie dieses Know-how weiterhin nutzt“, betonte Kerpers.

Mehr: Netzexperte Bernd Sörries zeigt die Stärken von Vodafone auf, warnt aber vor überzogenen Erwartungen.

Warum Deutschland beim Netzausbau den Anschluss verliert

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