Telekommunikation: Vodafone und Hutchison legen ihre Mobilfunk-Sparten in Großbritannien zusammen
Die neue Vodafone-Chefin steht unter Handlungsdruck. Großaktionäre fordern Ergebnisverbesserungen.
Foto: via REUTERSLondon. Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone und CK Hutchison (Three) aus Hongkong haben sich nach monatelangen Verhandlungen darauf geeinigt, ihre Mobilfunksparten in Großbritannien zu fusionieren. Vodafone wird mit 51 Prozent die Mehrheit an dem Joint Venture halten.
Vodafone/Three werden mit knapp 28 Millionen Kunden zum Marktführer in Großbritannien und konkurrieren demnächst mit British Telecom (BT) mit der Marke EE und Virgin Media O2, einer gemeinsamen Tochter des US-Konzerns Liberty und der spanischen Telefónica. Geleitet werden soll das neue Unternehmen von Ahmed Essam, bislang Chef von Vodafone UK. Die Börse reagierte mit einem Kursanstieg von 3,5 Prozent für Vodafone auf die Nachricht.
Der britische Konzern behält sich das Recht vor, nach drei Jahren das Gemeinschaftsunternehmen ganz zu übernehmen, sollte der Wert des Joint Ventures 16,5 Milliarden Pfund (19,3 Milliarden Euro zum heutigen Wechselkurs) erreichen. Derzeit wird der Unternehmenswert auf etwa 15 Milliarden Pfund geschätzt.
Mit dieser Option wollen die beiden Firmen Sicherheitsbedenken in Großbritannien ausräumen. Vor allem konservative Parlamentarier kritisieren eine zu große Nähe von Hutchison zu China. Der frühere Vorsitzende der Konservativen Partei, Ian Duncan Smith, hat die Behörden deshalb aufgefordert, jede Transaktion zu blockieren. Er befürchtet, dass durch die Fusion sensible Informationen über die britische Infrastruktur in die Hände Pekings gelangen könnten.
Vodafone hat eine Reihe von sicherheitsrelevanten Regierungsverträgen. Durch den 2012 verabschiedeten „National Security and Investment Act“ hätte die Regierung in London eine Handhabe, den Deal zu blockieren.
Kartellwächter werden Fusion prüfen
Durch den Zusammenschluss verringert sich die Zahl der Anbieter auf dem britischen Markt von vier auf drei, was nach Meinung von Marktanalysten zu einer intensiven Prüfung durch die britischen Kartellwächter führen dürfte. „Die Competition and Market Authority (CMA) wird die Fusion genau unter die Lupe nehmen“, hatte Professorin Suzanne Rab, Wettbewerbsexpertin an der Oxford University, bereits vor Bekanntgabe des Vorhabens vermutet.
Die neue Vodafone-Chefin Margherita Della Valle bezeichnete den Zusammenschluss als „großartig für die Kunden, großartig für das Land und großartig für den Wettbewerber“. Die Italienerin hatte die Konzernführung erst Ende April übernommen und steht vonseiten der Anteilseigner unter enormem Druck, das magere Ergebnis im Mobilfunkgeschäft zu verbessern.
Die beiden Unternehmen wollen in den kommenden zehn Jahren rund elf Milliarden Pfund (12,9 Milliarden Euro) in den Aufbau des Mobilfunknetzes der fünften Generation (5G) investieren. Für Vodafone sei die Transaktion ein „entscheidender Schritt“ auf dem Heimatmarkt und ein „Vertrauensbeweis“ für Großbritannien, so Della Valle.
Vodafone und Hutchisons britische Tochter Three sind die zwei kleinsten Anbieter auf dem britischen Markt und hatten in der Vergangenheit Mühe, die hohen Investitionskosten zu schultern und gleichzeitig die Gewinnmargen im harten Preiskampf stabil zu halten.
„Three und Vodafone haben derzeit nicht die notwendige Größe, um ihre Kapitalkosten zu verdienen“, schreibt Canning Fok, Co-Geschäftsführer von CK Hutchison, in den Fusionsunterlagen an die Börse in London. Es sei seit Langem eine Herausforderung für Three, zu investieren und wettbewerbsfähig zu sein.
Die Unternehmen Vodafone und CH Hutchison (Three) wollen ihre Mobilfunk-Sparte in Großbrtiannien zusammenlegen.
Foto: BloombergBezahlt werden soll das Investitionsprogramm unter anderem mit neuen Schulden von sechs Milliarden Pfund. Vodafone wird dafür Kredite in Höhe von 4,3 Milliarden Pfund aufnehmen, Three UK übernimmt den Rest von 1,7 Milliarden Pfund. Die Fusion soll nach den Plänen der beiden Unternehmen zu jährlichen Einsparungen von 700 Millionen Pfund innerhalb von fünf Jahren führen.
Gewerkschaften fürchten massiven Stellenabbau
Ob der Zusammenschluss zustande kommt, entscheiden in den kommenden Monaten die Kartellwächter der CMA. Nach Einschätzung von Rab werden sie dabei die Vorteile eines größeren Netzwerks, geringerer Kosten und von mehr Effizienz gegen mögliche Einschränkungen im Wettbewerb abwägen müssen.
„Dass die Zahl von vier auf drei sinkt, ist allein noch kein Grund, die Fusion abzulehnen“, sagte die Oxford-Professorin. Auch in den Niederlanden habe sich eine ähnliche Konsolidierung vollzogen.
Hinzu kommt der Widerstand der britischen Gewerkschaft Unite, die nach der Fusion einen Arbeitsplatzabbau befürchtet. Vodafone hatte erst vergangenen Monat den Abbau von weltweit 11.000 Jobs angekündigt.
2016 hatten die Kartellwächter der EU noch einen Zusammenschluss von Three mit der Telefónica-Tochter O2 aus Wettbewerbsgründen abgelehnt. Damals war Großbritannien noch Mitglied der Europäischen Union.