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Telekommunikation Vodafone will Telefónica für Kabel-Allianz gegen die Telekom gewinnen

Vodafone will Unitymedia übernehmen. Damit die EU-Kommission den Deal genehmigt, will der Netzbetreiber künftig Telefónica Zugang zum Kabelnetz geben.
Update: 07.05.2019 - 14:32 Uhr 1 Kommentar
Vodafone will den Kabelnetzbetreiber Unitymedia übernehmen. Quelle: dpa
Kabel-Fusion

Vodafone will den Kabelnetzbetreiber Unitymedia übernehmen.

(Foto: dpa)

London Für Vodafone geht es in die heiße Phase. Für 18,4 Milliarden Euro will der Netzbetreiber den Kauf der Kabelnetze von Unitymedia in Deutschland und Osteuropa über die Bühne bringen. Doch die Zustimmung der Wettbewerbsbehörden in Brüssel steht noch aus.

Um harten Auflagen zu entgehen, bietet Vodafone nun einen Kompromiss an. Künftig soll der Netzbetreiber Telefónica, der in Deutschland besonders mit seiner Marke O2 bekannt ist, das vereinigte Kabelnetz in Deutschland mitbenutzen dürfen – sofern Brüssel die Übernahme genehmigt.

Mit dem Angebot versucht Vodafone zwei Ziele gleichzeitig zu verfolgen: Auf der einen Seite ist der Kauf der Kabelnetze von Unitymedia in Deutschland eine historische Chance. Unitymedia besitzt ein Quasi-Monopol auf die Kabelnetze in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg. Vodafone wiederum gehört fast das gesamte Netz im Rest Deutschlands. Kann die Firma ihre Kabel-Infrastruktur vereinigen, hätte sie beinahe ein bundesweites Angebot.

In Brüssel gibt es Sorgen, dass der Vodafone-Deal dem Unternehmen eine zu große Marktmacht verschaffen könne. Schließlich geht es um 14 Millionen angeschlossene Haushalte mit fast 30 Millionen Menschen. Diese Sorge will Vodafone mit der Kooperation entkräften.

Konkrete Einwände hat die Kommission vor allem noch wegen der starken Position, die Vodafone durch eine Übernahme gegenüber Inhaltelieferanten wie TV-Sendern bekommen würde. Die Frist für das Verfahren läuft noch bis Anfang Juli.

Der Unitymedia-Chef in Deutschland, Winfried Rapp, gab sich gelassen: "Wir gehen von einer positiven Entscheidung der EU-Kommission aus." Trotz der ungewissen Zukunft, gebe es in seiner Belegschaft eine große Zuversicht. "Wir haben derzeit 2800 Mitarbeiter. Die Fluktuationsrate hat sich nicht verändert", sagte Rapp. Allerdings räumte er auch ein: "Wir wissen nicht, wie viele Mitarbeiter in das vereinigte Unternehmen übernommen werden."

Telefónica soll künftig einige Angebote auf Basis des dann vereinigten Kabelnetzes von Vodafone machen dürfen – allerdings nicht mit der vollen Leistung von bis zu einem Gigabit pro Sekunde, sondern lediglich gedrosselt auf 300 Megabit pro Sekunde.

Mit dem Angebot will Vodafone aber nicht nur Brüssel beschwichtigen. Der Konzern fordert auch direkt die Deutsche Telekom heraus. „Mit der Übernahme von Unitymedia werden wir zum ersten, bundesweiten Infrastruktur-Wettbewerber der Telekom“, sagte Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter. „Darüber hinaus öffnen wir unser Kabelnetz für einen weiteren, starken, bundesweiten Wettbewerber – die Telefónica Deutschland.“

Telefónica erhalte zwar nicht die volle Bandbreite. Aber auch die reduzierte Geschwindigkeit liege noch oberhalb der Spitzengeschwindigkeit, die die Telekom ihren Kunden auf Basis des Kupfernetzes anbieten kann.

Der Verlierer dieses Deals könnte damit vor allem die Deutsche Telekom sein, argumentiert Ulrich Rathe vom Analysehaus Jefferies. Als ehemaliger Monopolist gehört ihr das Telefonkabel-Netz auf Kupferbasis in ganz Deutschland. Sie muss Wettbewerbers zu teilweise regulierten Preisen Zugang zu ihrer Infrastruktur geben.

Zwar wehrt sie sich gegen die Regulierung. Allerdings verdient die Telekom auch gut an den Einnahmen aus der Vermietung ihrer Netze. Vodafone und Telefónica greifen bislang beide auf das Kupfer-Netz der Telekom zurück. Diese Mieteinnahmen könnten künftig zurückgehen, wenn Vodafone und Telefónica gemeinsam ein deutschlandweites Kabelnetz nutzen können.

Einst gehörten der Telekom beide Netze – sowohl das TV-Kabelnetz als auch das Telefonnetz. Doch vor zwei Jahrzehnten musste sie sich von einem der Netze trennen. Sie entschied sich für das TV-Kabelnetz. Über Jahre war das Netz in den Händen von Regionalgesellschaften. Vodafone könnte mit dem Unitymedia-Deal allerdings ein Quasi-Monopol wieder aufbauen. In Bonn wächst dagegen Eindruck, dass vor rund 20 Jahren das falsche Netz verkauft worden sein könnte.

Neben der Telekom könnte noch ein zweites Unternehmen unter dem Abkommen leiden: United Internet (Marke 1&1) hatte sich seit Monaten in Brüssel dafür eingesetzt, dass die EU-Kommission die Übernahme von Unitymedia an die Auflage knüpft, dass Vodafone das Kabelnetz künftig für alle Drittanbieter öffnen muss. Doch das exklusive Angebot an Telefónica könnte die Chance einschränken, dass auch United Internet Zugang zu einem vereinigten Kabelnetz bekommen könnte.

United-Internet-Chef Ralph Dommermuth krisierte: "Ohne den fairen Zugang aller Wettbewerber zum fusionierten Kabelnetz ändert sich nichts an der grundlegenden Problematik der geplanten Übernahme." Künftig müsse Vodafone einen diskriminierungsfreien Zugang zum Kabelnetz einräumen. Der Betreiber dürfe sich nicht nur Telefónica gegenüber öffnen. Mit dieser Forderung werde sich sein Unternehmen auch bei der EU-Kommission in Brüssel einbringen, kündigte Dommermuth an.

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