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Telekommunikationskonzern Elliott setzt Stephenson unter Druck – doch der AT&T-CEO verteidigt seine Strategie

Der Manager weist die Kritik des Hedgefonds auf einer Goldman-Sachs-Konferenz zurück. Die mögliche Fusion von T-Mobile US und Sprint sieht er gelassen.
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AT&T-CEO Randall Stephenson verteidigt beharrlich seine Strategie Quelle: Reuters
Randall Stephenson

Der AT&T-CEO steht unter Druck.

(Foto: Reuters)

New York Der Raum im New Yorker Conrad Hotel ist bis zur letzten Reihe gefüllt. Analysten, Investoren und Journalisten sind gekommen, um den Worten von AT&T-CEO Randall Stephenson zu lauschen, der als erster Vorstandsvorsitzender die Communacopia-Konferenz von Goldman Sachs einläutet. Für Stephenson ist es der erste öffentliche Auftritt seit sich Paul Singers Hedgefonds Elliott vor wenigen Tagen bei AT&T eingekauft und in einem offenen Brief direkt Forderungen an den Konzern gestellt hat.

Eigentlich ist die Goldman-Sachs-Konferenz für den 59-Jährigen Routine. Der seit 2007 amtierende CEO spricht bereits zum elften Mal hier. Aber diesmal steht er so stark unter Druck wie noch nie.

Denn Elliott kritisiert die milliardenschweren Zukäufe des Satellitenanbieters DirecTV und des Medienkonzerns Time Warner. Singer findet, Stephenson solle sich lieber auf sein Kerngeschäft der Telefonie konzentrieren. Zumal die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US mit ihrer geplanten Fusion mit Sprint gerade an einem neuen, schlagkräftigen Mobilfunk-Anbieter arbeitet, der AT&T bei der 5G-Technologie gefährlich werden könnte.

Der hochgewachsene Manager redet nicht lange um das akute Thema herum, sondern spricht das Elliott-Schreiben direkt an: „Einige Punkte machen viel Sinn. Andere weniger“, meint der Telekom-Veteran. „Aber das sind smarte Jungs, nicht wahr?“, sagt er und grinst etwas verkrampft. Dann legt Stephenson los mit einer langen Verteidigung seiner Strategie.

Zurückgelehnt auf seinem Bühnenstuhl, die Beine locker überkreuzt, gibt sich der CEO betont selbstbewusst. Es sei richtig, als Anbieter von Vertriebskanälen dank Time Warner weitere Inhalte anzubieten. „Hätten Sie mich das vor fünf Jahren – in der alten Welt – gefragt, hätte ich meine Zweifel gehabt“, erklärt er. Aber in der heutigen Welt mache es sehr viel Sinn, die Inhalte von CNN, HBO oder Warner Bros über alle Kanäle zu vertreiben. „Ich glaube an den alten Satz: ‚Content is king‘ (Anm. der Redaktion: Inhalt ist König). Aber ich glaube auch: Vertrieb ist wichtig“, stellt er klar.

Auch die Wahl von John Stankey zum neuen Chief Operating Officer (COO) verteidigt Stephenson. Stankey gilt als sein enger Vertrauter und hat sich damit auch als potenzieller Nachfolger positioniert. Bei Investoren ist er allerdings umstritten. „John hat die Silos bei Time Warner Media aufgebrochen und er hat Ahnung von Telekommunikation“, lobt Stephenson seinen Kollegen. Dadurch habe er für den Posten des COO „ganz oben auf der Kandidatenliste“ gestanden.

„Check that Box!“ – „Haken Sie das ab!“ – ruft er den Analysten im Saal immer wieder zu, wenn er auflistet, was AT&T schon alles erreicht hat: ob es die Fortschritte bei der 5G-Technologie sind, seine Pläne für den eigenen Streaming-Dienst HBO Max oder die Tatsache, dass AT&T wegen seiner 170 Millionen Kundenbeziehungen heute der größte Vertriebler von HBO ist.

Aktienkurs legt wieder etwas zu

Mehr als ein Jahr ist es nun her, dass der AT&T-Chef das Okay für die Übernahme von Time Warner für 85 Milliarden Dollar bekommen hat. Die Übernahme war nicht nur extrem teuer. Die Ergebnisse lassen immer noch auf sich warten. Der Aktienkurs hat zwar zuletzt wieder zugelegt, liegt jedoch noch immer weit entfernt von den euphorischen Höhen nach der ersten Ankündigung.

Was das Mobilfunkgeschäft und die geplante Fusion von T-Mobile US und Sprint angeht, gibt sich Stephenson gelassen. Noch sei die Lage zu unklar, da die Generalstaatsanwälte von 17 Bundesstaaten gegen den Zusammenschluss klagen: „So etwas haben wir noch nicht gesehen“, erklärt er, „Wir wissen nicht, was passiert“.

Aber auch wenn der Deal durchgehe und wenn T-Mobile und Sprint Lizenzen an Dish abgeben, damit ein neuer Mobilfunk-Anbieter entsteht, gibt sich Stephenson gelassen: „Wir sind Premium-Premium“, sag er. T-Mobile US werde zwei bis drei Jahre für die Integration brauchen, schätzt er. Der gleiche Zeitrahmen gelte für den Aufbau einer neuen Marke von Dish.

Einige Investoren auf der Konferenz in New York sehen die Lage nicht ganz so gelassen. „AT&T wird sich warm anziehen müssen, wenn T-Mobile und Sprint zusammen in den 5G-Markt eintreten“, sagt ein Investor. Dennoch glaubt er, dass die Kritik von Elliott an Stephenson nicht völlig gerechtfertigt ist und dass die Kombination von Inhalten und Netzen durchaus Sinn machen kann.

Eine Investorin sieht das größte Problem darin, dass der langjährige AT&T-Chef nicht verstehe, „was die Millennials wollen“. Zu sehr versuche AT&T auch mit Time Warner alte Inhalte mit Werbung über verschiedene Kanäle zu platzieren. „Wir sind die Generation Netflix. Wir wollen die Inhalte ohne Werbung als abrufbare Liste. Wenn er das nicht versteht, lebt er noch in der alten Welt.“

Mehr: Mit seiner Kritik an der Strategie des AT&T-Konglomerats hat der aktivistische Hedgefonds-Investor Elliott nur den schnellen Gewinn im Blick, meint Handelsblatt-Korrespondentin Katharina Kort.

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