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Telekomunternehmen Vodafone greift Telekom mit Werbeoffensive an

Nach der Übernahme von Unitymedia forciert Vodafone den Angriff auf die Telekom: Mit einer Marketingkampagne will das Unternehmen auf Kundenjagd gehen.
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Der Telekommunikationsunternehmen hat die Erlaubnis, Unitymedia zu übernehmen. Quelle: dpa
Vodafone

Der Telekommunikationsunternehmen hat die Erlaubnis, Unitymedia zu übernehmen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Vodafone bereitet für den 1. September eine breit angelegte Marketingkampagne in Deutschland vor, um der Deutschen Telekom Kunden abzujagen. Eine entsprechende Ankündigung hat Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter vor seinen Mitarbeitern gemacht, wie das Handelsblatt erfuhr. Nachdem die EU-Kommission die Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia genehmigt hat, will Vodafone jetzt die Leistung beider Firmen bündeln, um in Deutschland mit einer Offensive neue Kunden zu gewinnen.

Für 18,4 Milliarden Euro hatte Vodafone die Kabelnetze der Unitymedia-Muttergesellschaft Liberty Global in Deutschland, Tschechien, Ungarn und Rumänien übernommen. Zum 1. August soll der Kaufvertrag unterschrieben werden, das sogenannte Closing. Unitymedia hat bereits seine Kunden informiert, dass ihre Daten an Vodafone weitergegeben werden.

Vodafone kontrolliert einen großen Teil der TV-Kabel in Deutschland, über die der Konzern deutlich höhere Internetgeschwindigkeiten anbieten kann als die Telekom mit DSL. Dank der Übernahme von Unitymedia wird Vodafone erstmals über eine eigene Infrastruktur in jedem Bundesland Breitbandinternet anbieten können. Bislang fehlte Vodafone ein eigenes Netz in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen. Genau dort war Unitymedia aktiv.

Um die Strategie auch mit guten Angeboten zu unterlegen, muss Vodafone massiv in den Netzausbau investieren. Vor zwei Wochen hatte jedoch die Ratingagentur S&P Global Rating die Bonitätsnote „BBB+“ auf ihre Beobachtungsliste für eine mögliche Abstufung gesetzt. Die Analysten machen sich Sorgen, dass die finanzielle Belastung durch die Übernahme der Netze von Liberty Global die Finanzlage des Konzerns belasten könnte.

Nach Abschluss der Übernahme wird Vodafone laut Berechnungen der Finanzagentur Bloomberg eine Nettoverschuldung in Höhe des 2,9-fachen operativen Gewinns (Ebitda) haben. Der Konzern würde also über fast drei Jahre seinen kompletten operativen Gewinn aufwenden müssen, um alle Schulden zurückzuzahlen. Zum Vergleich: Die Deutsche Telekom war zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres mit dem 2,4-Fachen ihres Ebitda verschuldet. Ein Wert unterhalb von 2,5 gilt bei Großkonzernen als solide.

Möglicher Börsengang?

Um den Sorgen entgegenzutreten, kündigte Vodafone-Chef Nick Read am Freitag eine neue Strategie an. Die Mobilfunkmasten des Konzerns werden in eine eigene Gesellschaft ausgelagert. Im nächsten Schritt könnte die Organisation an die Börse gebracht werden und damit Vodafone frisches Kapital einbringen.

Mit 61.700 Funktürmen in zehn europäischen Ländern wie Deutschland und Spanien wäre das neue Unternehmen der größte Betreiber von Mobilfunkmasten in Europa. Bei einem Umsatz von 1,6 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von 900 Millionen Euro könnte die Funkturm-Firma nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters auf eine branchenübliche Bewertung von bis zu 15 Milliarden Euro kommen. Die Organisation soll bis Mai 2020 starten.

An der Börse wurde die Ankündigung begrüßt. Die Papiere von Vodafone legten um bis zu zehn Prozent zu. Noch ist unklar, wer sich für eine Beteiligung an der neuen Vodafone-Tochter interessieren könnte. Der Chef von Cellnex, einem spanischen Handy-Masten-Betreiber, Tobias Martinez, zeigte am Freitag wenig Interesse.

„Ich glaube, das ist nicht die Art von Projekten, die wir uns anschauen“, wurde Martinez von Reuters zitiert.
Die Abspaltung des Geschäfts mit Mobilfunkmasten ist für einige Telekommunikationsfirmen ein etablierter Weg, um sich frisches Kapital zu sichern. Betreiber wie Altice Europe, Telefónica und Telecom Italia haben diese Strategie bereits verfolgt.

Deutsche Telekom hat bei 5G die Nase vorn

Die Deutsche Telekom hat ihre 29.000 Masten in der Bundesrepublik in die Deutsche Funkturm ausgelagert. Die Firma kooperiert unter anderem mit dem direkten Telekom-Konkurrenten Telefónica Deutschland. Die langfristige Strategie für die Gesellschaft ist aber noch nicht klar. Es hatte immer wieder Spekulationen um einen möglichen Börsengang der Deutschen Funkturm gegeben, die die Telekom bislang stets dementiert hatte.

Die Auslagerung der Masten von Vodafone könnte dem Konzern das nötige Geld verschaffen, um auch den Netzausbau in Deutschland voranzutreiben. Vodafone hat zwar als erster Netzbetreiber in der Bundesrepublik vor zwei Wochen den Echtzeitmobilfunk 5G für Endkunden freigeschaltet. Der PR-Coup für den Konzern sichert Vodafone aber noch lange nicht die Führung bei der Zukunftstechnologie.

Die Deutsche Telekom ist für den Ausbau von 5G besser aufgestellt. Der Dax-Konzern hat bereits mehr als 80 Prozent seiner Mobilfunkmasten mit Glasfaser angeschlossen – in vielen Fällen eine Voraussetzung, damit die Standorte auf 5G mit voller Leistung aufgerüstet werden. Vodafone hat 2018 bekanntgegeben, bislang mehr als 20 Prozent seiner Antennen mit Glasfaser versorgt zu haben. Seitdem hat der Konzern keine neuen Zahlen mehr kommuniziert.

Mehr: Selbst wenn die Telekom-Tochter alle Hindernisse ausräumen kann, ist der Deal mit dem Justizministerium riskant. Denn T-Mobile muss dabei helfen, einen neuen Konkurrenten aufzubauen.

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