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Timotheus Höttges Telekom-Chef beaufsichtigt künftig Daimler

Auf Paul Achleitner folgt Tim Höttges im Aufsichtsrat von Daimler. Doch seine Berufung missfällt einigen Investoren. Sie werfen dem Telekom-Chef Ämterhäufung vor.
08.07.2020 - 17:33 Uhr Kommentieren
Aktionäre haben Sorge, dass der Telekom-Chef zu viele Aufgaben gleichzeitig übernimmt. Quelle: BrauerPhotos / J.Reetz
Timotheus Höttges

Aktionäre haben Sorge, dass der Telekom-Chef zu viele Aufgaben gleichzeitig übernimmt.

(Foto: BrauerPhotos / J.Reetz)

München, Düsseldorf Zehn Jahre sind genug: Der Banker Paul Achleitner schied am Mittwoch auf eigenen Wunsch aus dem Aufsichtsrat des Autobauers Daimler aus. Mit dem Abgang des Österreichers, der Chefkontrolleur bei der Deutschen Bank ist, wird auch die Bindung des Frankfurter Geldhauses zu Daimler weiter gelockert.

Über viele Jahre war die Deutsche Bank größter Aktionäre von Daimler. Doch das ist Geschichte. Dafür könnte bei Daimler künftig eine andere Dax-Connection vertieft werden. Schließlich ist der Nachrücker Achleitners in den Aufsichtsrat des Mercedes-Herstellers niemand Geringerer als der amtierende Konzernchef der Deutschen Telekom.

„Mein Name ist Tim Höttges. 1962 wurde ich in Solingen geboren. Ich bin verheiratet. Meine Frau ist niedergelassene Ärztin in Bonn, wir haben zwei erwachsene Söhne und einen Dackel“ – mit diesen Worten stellte sich der Betriebswirt zur Wahl.

Höttges weiß um seine Qualitäten. Sein wichtigstes Thema bei der Telekom sei die Vernetzung und Digitalisierung. „Wie vernetzen wir alles mit allem? Wie schaffen wir ein digitales und zugleich nachhaltiges Geschäftsmodell?“ Das seien Fragen, die auch bei Daimler eine immer wichtigere Rolle einnehmen würden.

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    Höttges erklärt sich daher „gerne“ bereit, auch bei den Stuttgartern seine Expertise einzubringen. Konkret will der 57-Jährige die Transformation des Industriekolosses mit 300.000 Beschäftigten zu einem digitalen Mobilitätskonzern begleiten. „Ich verspreche Ihnen, dass ich das mit großer Leidenschaft und großem Einsatz tun werde“, warb Höttges.

    Doch daran, dass er für Daimler tatsächlich einsatzfähig ist, haben einige Investoren Zweifel. Der Vermögensverwalter DWS begrüßte zwar prinzipiell, dass der Autobauer einen „so erfahrenen und kompetenten“ Kandidaten wie Höttges zur Wahl stelle.

    Zugleich erwartet die Tochter der Deutschen Bank aber von einem Aufsichtsrat, dass dieser ausreichend „zeitliche und gedankliche Freiheit“ mitbringt. Auf Höttges treffe das nicht zu, da er neben seinem operativen Vorstandsjob auch schon im Aufsichtsrat der Henkel AG und des FC Bayern München sitzt. Die DWS lehnt Höttges daher als Daimler-Kontrollrat ab.

    Aufstieg nach Rekordjahr

    Auch Union Investment stimmte wegen „Ämterhäufung“ gegen die Wahl. Höttges sei mit seinen Ämtern bei Telekom, Henkel und FC Bayern schon mehr als ausgelastet, erklärte Portfoliomanager Janne Werning. Die Experten von Deka Investment orten ebenfalls Overboarding bei Höttges. „Hier liegen zu viele Mandate bei bestehender exekutiver Funktion vor“, konstatiert Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit bei der Deka.

    Trotz der deutlichen Kritik dürfte Höttges in den Daimler-Kontrollrat einziehen. Der Stimmenanteil seiner Gegner ist zu gering, um seine Wahl ernsthaft zu gefährden. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe lag allerdings noch kein endgültiges Abstimmungsergebnis vor.

    Für Höttges ist der Job als Daimler-Aufseher ein weiterer Aufstieg. 2019 war ein Rekordjahr für die Telekom. Mit rund 81 Milliarden Euro schaffte der Konzern so viel Umsatz wie nie zuvor. Gleichzeitig konnte Höttges zum April die Fusion der US-Tochter T-Mobile US mit dem Rivalen Sprint vollziehen.

    Zwei Jahrzehnte Telekom

    Mit dem Zusammenschluss ist ein neuer Spieler auf dem US-Mobilfunkmarkt entstanden, der die etablierten Anbieter AT&T und Verizon herausfordert. Derzeit ist die vereinigte Firma mehr als 130 Milliarden Dollar wert. Zum Vergleich: Die Konzernmutter Deutsche Telekom wird an der Börse mit umgerechnet rund 80 Milliarden Dollar bewertet.

    Höttges hat einen großen Teil seiner Karriere bei dem Dax-Konzern verbracht: Zwei Jahrzehnte ist er bereits bei der Telekom. Vor seinem Aufstieg zum Vorstandsvorsitzenden Anfang 2014 leitete er das Finanzressort. Innerhalb des Konzerns genießt er großes Ansehen. „Tim treibt uns an“, sagte ein ranghoher Manager.

    Bei all seinen Erfolgen drohe er jedoch die Bodenhaftung zu verlieren. „Er hat so viel erreicht, dass er droht, sich selbst zu überschätzen“, sagte die Telekom-Führungskraft. Gleichzeitig habe Höttges es versäumt, einen Nachfolger aufzubauen. „Das ist nicht gut für den Konzern“, sagte der Manager.

    Zwischenzeitig galt der scheidende Deutschlandchef Dirk Wössner als möglicher Kandidat für den Vorstandsposten. Doch zwischen ihm und Höttges gab es Konflikte, unter anderem weil unter Wössner die Telekom in Deutschland bei Kernthemen wie dem Breitbandausbau und dem Mobilfunkausbau schwächelte. Wössner unterlag – und kündigte seinen Rückzug zum Jahresende an.

    Höttges gelang es gegen interne Widerstände, den amtierenden Europachef Srini Gopalan zum Posten als neuer Deutschlandchef zu verhelfen. Er tritt sein Amt zum November an. Einen klaren Kandidaten für die Nachfolge von Höttges gibt es bislang noch nicht im Telekom-Vorstand. Der Vertrag des CEO läuft noch bis Anfang 2024.

    Mehr: Die Huawei-Connection: Wie die Telekom immer abhängiger von China wurde.

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