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Tracing-App Nach einem Monat Corona-Warn-App fällt die Zwischenbilanz durchwachsen aus

Die Zahl der Downloads steigt nach dem ersten Boom deutlich langsamer. Das Beispiel Düsseldorf zeigt, warum das ein Problem in der Praxis sein kann.
16.07.2020 - 09:09 Uhr Kommentieren
Zwei Wochen nach dem Start der App hatten sich in Düsseldorf fünf Personen an das örtliche Gesundheitsamt gewandt, weil ihnen auf ihrer App der Warnhinweis „Erhöhtes Risiko“ angezeigt wurde. Alle wurden getestet, alle erhielten ein negatives Ergebnis. Quelle: imago images/MiS
Corona-Warn-App

Zwei Wochen nach dem Start der App hatten sich in Düsseldorf fünf Personen an das örtliche Gesundheitsamt gewandt, weil ihnen auf ihrer App der Warnhinweis „Erhöhtes Risiko“ angezeigt wurde. Alle wurden getestet, alle erhielten ein negatives Ergebnis.

(Foto: imago images/MiS)

Düsseldorf, Berlin Die Corona-Pandemie bestimmt das Leben in vielen Teilen Deutschlands. Immer wieder werden neue Infektionsherde aufgedeckt – wie etwa beim Schlachtbetrieb Tönnies, in Autowerken, Alten- oder Flüchtlingsheimen. Diese lokal begrenzten Ausbrüche sind zwar immer noch eine Herausforderung, machen es allerdings den Gesundheitsämtern etwas leichter, die Kontakte von Infizierten nachzuverfolgen.

Anders sieht es an Orten mit höheren Infektionszahlen, aber keinem klaren Hotspot aus. Die Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, war so ein Fall. Über eine längere Zeit führte das Robert Koch-Institut (RKI) die Stadt unter den deutschlandweit am stärksten betroffenen Orten auf, gemessen an der relativen Zahl der Neuinfektionen.

Von den Infektionen waren in der NRW-Landeshauptstadt ein Krankenhaus, mehrere Schulen, Kitas, Flüchtlingsunterkünfte und Altenheime betroffen. Das machte die Kontaktverfolgung besonders schwierig. „Die hohen Zahlen können nicht auf eine genaue Ursache zurückgeführt werden. Es gibt keine Hotspots, und die Zahl der Neuinfektionen verteilt sich stadtweit“, sagte ein Sprecher der Stadt.

Genau das ist eine Situation, in der die deutsche Corona-Warn-App ihre Stärke ausspielen könnte. Sie funktioniert, solange sie auf möglichst vielen Smartphones installiert und aktiviert ist. Eine Warnung wird direkt übermittelt, sollte eine Person einem nachweislich infizierten Menschen zu nah gekommen sein, der ebenfalls die App installiert hat. Am 16. Juni wurde sie auf einer großen Veranstaltung mit vier Ministern, dem Chef des RKI sowie den Vorständen der Firmen SAP und Telekom präsentiert, die die App entwickelt hatten.

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    Geringer Effekt in Düsseldorf

    Die Hoffnungen auf einen Erfolg der App sind hoch. Das Beispiel Düsseldorf zeigt jedoch, wie groß die Hürden in der Praxis sein können. Zwei Wochen nach dem Start der App teilte die NRW-Landeshauptstadt mit, dass sich fünf Personen an das örtliche Gesundheitsamt gewandt hatten, weil ihnen auf ihrer App der Warnhinweis „Erhöhtes Risiko“ angezeigt wurde. Alle fünf Personen wurden getestet. Alle erhielten jedoch ein negatives Ergebnis.

    Seitdem wurden täglich neue Infektionen mit dem Virus gemeldet. Bis Donnerstag stieg die Gesamtzahl der Menschen, die sich mit einem Verweis auf eine Warnung in der App an das Gesundheitsamt wandten, lediglich auf acht Personen an, wie die Stadt mitteilte.

    Dass sich bislang nur wenige Bürger mit einem Warnhinweis an das Gesundheitsamt gewendet haben, könnte mit einem praktischen Grund zusammenhängen: Zwar ist die App nach Angaben des RKI innerhalb der ersten vier Tage nach dem Start rund zehn Millionen Mal heruntergeladen worden, seitdem steigen die Downloadzahlen jedoch deutlich langsamer und stehen derzeit bei rund 16 Millionen (siehe Grafik).

    Grafik

    Gemessen an den 83 Millionen Bürgern in Deutschland ist diese Zahl jedoch klein. Und sie lässt auch keinen Rückschluss darauf zu, auf wie vielen Geräten die App reibungslos läuft. Schließlich könnte sie auch von einer Person auf einem Gerät mehrmals heruntergeladen werden, das Gerät könnte ausgeschaltet sein oder schlicht nicht mitgenommen werden – der wirkliche Nutzen ist schwer zu ermitteln.

    Gesundheitsminister Jens Spahn sagte bei der Vorstellung der App: „Jeder Download hilft.“ Je mehr Menschen die App installierten, desto besser könnte letztlich der Nutzen sein. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch auch, dass eine geringe Nutzerzahl dazu führt, dass die App nur selten eine Warnung losschicken kann – selbst wenn sie an einem Ort im Einsatz ist, an dem es viele Infektionen gibt.

    Millionen Geräte bleiben außen vor

    Gleichzeitig unterstützt die App nur moderne Smartphones. Wer ein älteres Gerät besitzt, kann die Anwendung möglicherweise nicht installieren. Damit werden Millionen von Handys ausgeschlossen. Der Grund dafür liegt in erster Linie bei den beiden dominanten Anbietern der Smartphone-Betriebssysteme: Google und Apple. Sie stellen eine Schnittstelle bereit, um die Übertragungstechnik Bluetooth Low Energie (BLE) zu verwenden, über die das Programm den Abstand zu anderen Geräten misst und damit das Risiko einer Infektion ermittelt.

    Aus der IT-Szene kam der Vorwurf gegen die Konzerne, sie hätten absichtlich ältere Geräte von der Schnittstelle ausgeschlossen, um Kunden zum Kauf neuer Geräte zu drängen. Der Darstellung hatten Google und Apple widersprochen.

    Wer die App auf einem iPhone nutzen möchte, braucht mindestens die Betriebssystemversion iOS 13.5. Die Software lässt sich maximal auf dem im Jahr 2015 veröffentlichten iPhone 6s installieren. Google setzt Geräte mit dem Betriebssystem Android 6 Marshmallow voraus, das ebenfalls im Jahr 2015 vorgestellt wurde.

    Zudem klagen einige Nutzer über unterschiedliche Fehlermeldungen, die ihnen die App ausweist. Die Firmen SAP und Telekom haben eine ausführliche Liste mit Erläuterungen angelegt, wie sich einige der Fehler beheben lassen. Zudem wird eine Telefon-Hotline betrieben, die bei Problemen helfen soll. Bei manchen Fehlern, insbesondere auf iPhones, verweisen die Dax-Konzerne jedoch auf Apple. Erst ein Update des Betriebssystems werde manche der Fehler beheben. Ein Datum für ein Update teilte Apple bislang nicht mit.

    Kritik und Lob aus der Politik

    Bundespolitiker äußern sich unterschiedlich zur Corona-Warn-App. Der Vorsitzende des Digitalausschusses, Manuel Höferlin (FDP), sagt, dass es eine ganze Reihe von älteren Apple-Geräten gebe, bei denen der Bluetooth Low Energy Standard bereits verbaut sei und die nur ein iOS-Sonderupdate benötigten, um die Corona-App nutzen zu können. Und bei den neueren Huawei-Modellen wäre ein Update der App-Software erforderlich.

    „Beides ist kein Hexenwerk“, so Höferlin. Er verstehe deshalb nicht, wieso die Bundesregierung die Sache nicht mit „viel mehr Nachdruck“ verfolge. „Immerhin hat sie mit dem Planungschaos im Vorfeld erst dafür gesorgt, dass die App nicht nur reichlich spät, sondern auch mit einem massiven Vertrauensverlust fertig wurde“, kritisiert der FDP-Politiker.

    Der SPD-Digitalpolitiker Jens Zimmermann zog hingegen eine positive Zwischenbilanz der Corona-Warn-App. Die Anwendung sei ein „großer Erfolg“, sagte der Bundestagsabgeordnete. Die Downloads in Deutschland seien doppelt so hoch wie in allen anderen europäischen Ländern zusammen. „Das spiegelt das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger eindeutig wider.“

    Dass die App bisher nur selten Warnungen angezeigt habe, führt Zimmermann auf die „aktuell erfreulich niedrigen Infektionszahlen“ zurück. „Wichtig ist, dass wir die App als ein wichtiges Instrument jetzt zur Verfügung haben, sollte es zu einer zweiten Welle oder lokalen Ausbrüchen kommen“, fügte der SPD-Politiker hinzu. „Die überschaubaren Fehlermeldungen können jetzt kontinuierlich behoben werden.“

    In Düsseldorf ist die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Tagen wieder zurückgegangen. Die Beteiligung der Corona-Warn-App an diesem Erfolg dürfte jedoch begrenzt gewesen sein. In Zukunft sollen die Fähigkeiten der App erweitert werden. Die Bundesregierung kündigte eine Version in türkischer Sprache an, die in den nächsten Tagen starten soll. Zudem kündigte die EU-Kommission an, ihre Anstrengungen zu verstärken, dass die mehr als ein Dutzend Apps zur Verfolgung von Corona-Infektionsketten in den EU-Staaten untereinander kompatibel werden.

    Mehr: Die Corona-Warn-App steht zum Download bereit. Wie sicher ist das Programm? Auf welchen Smartphones läuft es? Und welche Wirkung hat es? Die Fakten im Überblick.

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