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Tracking-App Telekom und SAP bauen Corona-App

Nach langem Streit beauftragt die Bundesregierung die beiden Dax-Konzerne Telekom und SAP. Sie sollen die App zur Verfolgung der Pandemie entwickeln.
28.04.2020 Update: 28.04.2020 - 18:25 Uhr Kommentieren
In der Schweiz ist die Corona-App DP-3T im Einsatz, auf der auch die deutsche Corona-Warn-App beruht. Quelle: dpa
Corona-App

In der Schweiz ist die Corona-App DP-3T im Einsatz, auf der auch die deutsche Corona-Warn-App beruht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, Berlin Eine Smartphone-App soll helfen, Infektionen mit dem Coronavirus nachzuvollziehen. Mehrere Anläufe zur eine Entwicklung einer transparenten und gleichzeitig sicheren Lösung für Deutschland scheiterten. Am Dienstag gab die Bundesregierung bekannt, dass die beiden Dax-Konzerne SAP und Deutsche Telekom beauftragt worden seien, eine App „zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen“. Die Fraunhofer-Gesellschaft und das Helmholtz-Zentrum CISPA sollen die Entwickler beraten.

Die Konzerne haben sich die Aufgaben aufgeteilt, erklärte ein SAP-Sprecher. Die Deutsche Telekom ist für Netzwerk- und Mobilfunktechnologie sowie den sicheren Betrieb der Anwendung verantwortlich, SAP für die technische Plattform und die Software. Ihnen steht die Fraunhofer-Gesellschaft beratend zur Seite, die in den vergangenen Wochen erforscht hat, wie sich mit der Funktechnologie Bluetooth die Annäherung von Personen messen lässt.

Ein Telekom-Sprecher sagte: „Die beiden Unternehmen formen ein Team und arbeiten jetzt mit Hochdruck an einer Open-Source-Lösung.“ Die Offenlegung des Quellcodes ermöglicht IT-Spezialisten, die Technologie auf ihre Funktionsweise zu überprüfen – eine Forderung, die beispielsweise der Chaos Computer Club (CCC) für Apps zur Bekämpfung der Coronakrise aufgestellt hat.

Zudem soll bei der App keine Positionserkennung mittels GPS zum Einsatz kommen, sondern ausschließlich die Bluetooth-Funktechnik. Dadurch lässt sich die Entfernung zwischen zwei Smartphones ermitteln, nicht aber der genaue Standort. Alle Daten sollen anonymisiert werden und keinen Rückschluss auf einzelne Personen zulassen. Ein anonymer ID-Schlüssel soll dazu dienen, im Falle einer bestätigten Infektion andere Nutzer zu warnen, dass sie sich potenziell angesteckt haben könnten.

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Standort erkennen

    Ein Telekom-Sprecher bestätigte eine entsprechende Anfrage der Bundesregierung. Zu Details wollte er keine Angaben machen. Laut Handelsblatt-Informationen soll die Großkundentochter T-Systems eine Serverarchitektur aufbauen, um die Daten über Infektionsketten zu sammeln und auswerten zu können.

    Eine Expertengruppe um das CISPA arbeitet mit anderen internationalen IT-Sicherheits- und Datenschutzforschern seit Wochen an einem Ansatz mit dem Namen DP-3T. Einen Prototyp der App wurde am 17. April veröffentlicht.

    Der Prototyp soll die Grundlage für das Programm von SAP und Telekom sein. „Die Softwarearchitektur DP-3T ist Basis für die App“, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums dem Handelsblatt.

    Das Programm verfolgt einen dezentralen Ansatz. Der Abgleich der ID-Schlüssel erfolgt also auf dem Smartphone der Nutzer und nicht auf einem zentralen Server. Dieses Konzept gilt unter Datenschützern als Lösung, mit einer geringen Gefahr von Überwachung und Missbrauch. Die Bundesregierung hatte zunächst einen zentralen Ansatz verfolgt, aber nach Kritik von Datenschützern und dem CISPA am Wochenende eingelenkt.

    Hinter dem zentralen Ansatz stand unter anderem die Initiative Pepp-PT, die von Telekom-Konkurrent Vodafone unterstützt worden war. Seit der Abkehr der Bundesregierung ist es still um die Initiative geworden. „Pepp-PT ist tot“, sagte ein Beteiligter.

    Google und Apple wollen Schnittstelle liefern

    Die dominanten Hersteller der Smartphone-Betriebssysteme, Google und Apple, hatten angekündigt, im Mai eine Schnittstelle für die Entwicklung von Corona-Apps aufzusetzen. Sie hatten sich dabei stets gegen eine zentrale Lösung und für einen Schlüsselabgleich auf den Smartphones ausgesprochen. Die ID-Schlüssel sollen im Konzept von Google und Apple alle 10 bis 20 Minuten wechseln, um eine Nachverfolgung einzelner Nutzer unmöglich zu machen.

    Warum die Bundesregierung die Telekom und SAP mit der Entwicklung einer App beauftragt hat, obwohl bereits zahlreiche Forschungseinrichtungen daran arbeiten, erklärte sie nicht. In Industriekreisen geht man davon aus, dass die Gruppe mit Entwicklung und Betrieb im großen Maßstab überfordert gewesen sein könnte – nach Plänen der Politik sollen Millionen von Smartphone-Nutzern die Anwendung nutzen.

    Für SAP ist es nicht die erste Kooperation mit der Bundesregierung in der Coronakrise: Der Softwarehersteller hat mit dem Auswärtigen Amt ein Meldeportal entwickelt, über das sich im Ausland gestrandete Deutsche melden konnten. Das alte System war für die Masse an Anfragen – insgesamt mehrere zehntausend – nicht ausgelegt. Die Softwareentwickler programmierten die Lösung innerhalb weniger Tage.

    SPD zitiert Staatsministerin Bär vor Digitalausschuss

    Nach der jüngsten Entscheidung der Bundesregierung fordert die SPD mehr Informationen. Die Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) müsse in der Sondersitzung des Ausschusses Digitale Agenda am morgigen Mittwoch „dringend Aufklärung“ betreiben, sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, dem Handelsblatt. Das Gesundheitsministerium und das Kanzleramt hätten „ein veritables App-Durcheinander angerichtet“. „Ich erwarte klare Aussagen zur Aufstellung des Gesamtprojektes und einen validen Zeitplan.“

    Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken warnte vor weiteren Verzögerungen bei der App-Entwicklung. „Jetzt kommt es darauf an, die App nicht nur schnell, sondern in ebenso großer Transparenz und Offenheit und vor allem unter Beteiligung von potenziellen Nutzern zu entwickeln und dabei auch soziologische und psychosozialen Belange mit einzubeziehen“, sagte Esken dem Handelsblatt. „Bei der Frage des Erfolgs einer solchen App kommt es ganz entscheidend auf das Vertrauen der Nutzerinnen und Nutzer an, aber eben auch darauf, dass sie im Falle einer Push-Nachricht über den möglichen Kontakt mit einer infizierten Person nicht mit der Situation alleine gelassen werden.“

    Von Seiten der Opposition kam Kritik an dem neuen Vorstoß zur Entwicklung der Corona-App. Der FDP-Politiker Manuel Höferlin kritisierte, dass die Bundesregierung „wieder einmal unsere innovative und agile Start-up-Szene außen vorlässt und nur auf die großen Unternehmen setzt“. „Diese müssen bei der Entwicklung unter Umständen von vorne anfangen, während einige Start-ups bereits seit Wochen mit Hochdruck an einer fertigen Lösung arbeiten“, sagte der Vorsitzende des Digitalausschusses im Bundestag dem Handelsblatt.

    Höferlin mahnte, die Bundesregierung solle jetzt nicht in das „typisch deutsche Muster“ verfallen, das Rad neu erfinden zu wollen. „Sonst kommt der Impfstoff tatsächlich noch vor der App“, warnte der FDP-Politiker. „Es geht jetzt vor allem darum, dass wir die verlorene Zeit aufholen und schnell zu einer praktikablen Lösung kommen, die alle Voraussetzungen erfüllt.“

    Der Grünen-Wirtschaftspolitiker Dieter Janecek warf der Bundesregierung „mangelnde Koordination und Kommunikation“ vor. „Die Frage der Softwarearchitektur ist immer noch nicht geklärt, und nun kommen mit Telekom und SAP noch neue Partner für die Entwicklung ins Spiel“, sagte der Bundestagsabgeordnete dem Handelsblatt. Janecek fordert von der Bundesregierung, jetzt eine „Technologie-Task-Force“ einzusetzen und endlich das Tempo bei der App-Entwicklung zu erhöhen. „Unsere Gesundheitsämter brauchen die App und zwar schnell“, sagte der Grünen-Politiker.

    Mehr: Die Bundesregierung will nun doch keine zentrale Datenspeicherung bei der Corona-Warn-App. Die Landkreise fordern jedoch mehr: Sie wollen Namen und Ortsdaten aus der App ziehen.

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