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Twitter und Facebook Studie: Das sind Deutschlands größte Verbreiter von Verschwörungstheorien

Trotz Maßnahmen gegen Fake News verbreiten einige Accounts auf Twitter und Facebook immer wieder Verschwörungstheorien. Ein Start-up stellt deren Strategien infrage.
20.05.2020 - 07:00 Uhr Kommentieren
Das Netzwerk für Kurznachrichten hat in der Coronakrise erneut Probleme mit Falschinformationen auf der Plattform. Quelle: AP
Twitter

Das Netzwerk für Kurznachrichten hat in der Coronakrise erneut Probleme mit Falschinformationen auf der Plattform.

(Foto: AP)

Düsseldorf Verschwörungstheorien und Falschinformationen sind in der Coronakrise ein massives Problem im Netz. Während die Nutzerzahlen in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen steigen, haben es die Betreiber mit alten Problemen zu tun: Das Start-up NewsGuard hat sich die Verbreiter der Falschnachrichten genauer angesehen und kommt zu dem Ergebnis: Für die massive Verbreitung von Falschnachrichten sind immer wieder die gleichen Nutzerkonten verantwortlich – auch im Fall des neuartigen Coronavirus.

Die sozialen Netzwerke haben Fake News rund um Covid-19 den Kampf angesagt. Denn in der Coronakrise sind viele Falschinformationen gesundheitsgefährdend. Ob Facebook, Google, Twitter: Die großen Netzwerke arbeiten sogar zusammen, um Fehlinformationen einzudämmen.

NewsGuard stellt die Ernsthaftigkeit dieser Bemühungen allerdings infrage. In einer Analyse, die dem Handelsblatt vorab vorlag, zeigt es vier Twitter-Konten auf, die in Deutschland immer wieder Falschnachrichten stark verbreiten und damit ein großes Publikum erreichen können.

Den deutschsprachigen Twitter-Konten „KenFM.de“ (nach dem dahinterstehenden Verschwörungspropagandisten Ken Jebsen), „RT Deutsch“ (ehemals Russia Today), dem „Compact“-Magazin und „RalfTHeuer“ folgen jeweils mehr als 20.000 Nutzer. Diese bekamen seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie zum Beispiel Warnungen vor lebensgefährlichen „Massenzwangsimpfungen“ angezeigt.

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    In einem von „RalfTHeuer“ am 13. Mai verbreiteten Link wird zum Beispiel behauptet: Während das neuartige Coronavirus „so harmlos wie eine durchschnittliche Grippe“ verlaufe, solle mit den durch die Impfung Erkrankten kräftig verdient werden.

    Der Tweet konnte sich verbreiten, dabei hat Twitter vergleichsweise rigorose Strategien gegen Falschinformationen in der Coronakrise eingeführt: Irreführende Informationen sollen mit entsprechenden Hinweisen versehen werden, wenn sie „moderat“ sind, in schwerwiegenden Fällen werden sie von Twitter gelöscht. Bei umstrittenen Aussagen wird je nach Schwere des Falls ein Hinweis oder eine Warnung ausgespielt. Doch bei den von NewsGuard beanstandeten Beiträgen funktionierte das noch nicht.

    NewsGuard macht darauf aufmerksam, dass die Seiten schon lange zur Desinformation beitragen: Alle genannten Accounts wurden bereits im Jahr 2014 eingerichtet und verbreiten seit Jahren Falschnachrichten.

    „RalfTHeuer“ ist nach Einschätzung von NewsGuard etwa „ein pro-russischer und pro-Trump-Account, der häufig Artikel, Videos und Fotos über Verschwörungsmythen veröffentlicht“, er habe unter anderem Aussagen zu „Obama-Gate“ weiterverbreitet. Dahinter stecken vage Aussagen von US-Präsident Donald Trump, sein Vorgänger habe sich eines Verbrechens schuldig gemacht, das schlimmer sei als die Watergate-Affäre.

    Twitter: 4,3 Millionen Konten überprüft

    Twitter erklärte auf Nachfrage gegenüber dem Handelsblatt, man werde die beanstandeten Inhalte überprüfen. Seit die neuen Regeln für den Umgang mit Fehlinformationen eingeführt wurden, hätten die automatisierten Systeme 4,3 Millionen Twitter-Konten überprüft, die sich manipulativ oder spam-artig in Covid-19-Diskussionen eingebracht hätten, teilte das Unternehmen mit: „Wir priorisieren die Entfernung von Inhalten, wenn sie einen Aufruf beinhalten, der schädlich sein könnte.“

    Auch eine NewsGuard-Untersuchung von Falschnachrichten auf Facebook spürte kürzlich zahlreiche Seiten auf, die seit Jahren Falschnachrichten verbreiten. NewsGuard konnte allein elf deutschsprachige Facebook-Seiten mit einer großen Zahl von Abonnenten identifizieren, die nun auch Corona-Falschnachrichten verbreiten. Sie erreichten zusammen sogar 1,5 Millionen Nutzer auf direktem Weg.

    Bis heute ist der überwiegende Teil dieser Beiträge zu sehen. Konkrete Fragen zum Umgang mit den beanstandeten Inhalten beantwortet das Unternehmen nicht. „Unser Hauptziel ist es, die Verbreitung von Falschinformationen zu stoppen, damit sie sich nicht viral verbreitet“, sagt eine Sprecherin. „Wir müssen dabei schneller werden, aber wir werden immer besser.“

    Facebooks Faktenchecker kümmerten sich vorrangig um Inhalte, auf die es besonders viele Reaktionen gibt. Mit dem Löschen von Inhalten hält sich Facebook traditionell zurück. Neuerdings arbeitet aber auch Facebook mit Warnhinweisen.

    Allein im April habe das Netzwerk 50 Millionen Warnungen an Beiträge mit Covid-19 Bezug geheftet, sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg vergangene Woche, als er einen Bericht über Verstöße gegen die Netzwerkregeln vorstellte. Die Folge: „In 95 Prozent der Fälle, in denen jemand Inhalte mit dem Label sieht, klickt er nicht darauf, um diesen Inhalt anzusehen“, sagte er. Wie die Klickrate ohne entsprechende Hinweise aussehen würde, sagte Zuckerberg allerdings nicht.

    Wie glaubwürdig ist die Quelle?

    Für die Journalistin Marie Richter von NewsGuard ist diese nachträgliche Reaktion auf Mythen jedoch von vornherein der falsche Ansatz, weil die Netzwerkbetreiber den Fehlinformationen immer nur nachjagen könnten. „Wir setzten auf Pre-bunking statt De-bunking“, sagt Richter.

    Das 2018 gegründete Medien-Start-up vertreibt eine Browsererweiterung, die dem Nutzer die Glaubwürdigkeit und Transparenz von Websites mit einem positiven grünen oder einem warnenden roten Symbol auf einen Blick anzeigt.

    Vereinfacht gesagt, arbeitet das Start-up nach dem Prinzip „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.“ Es labelt nicht den einzelnen Inhalt als falsch oder fragwürdig, sondern geht von der Vertrauenswürdigkeit und Transparenz der Quelle aus.

    „Wir zensieren nicht“, betont Richter. Viel mehr ginge es um eine schnelle Einordnung für Internetnutzer, die nicht die Zeit hätten, die Quelle selbst umfassend zu prüfen. Wenn also ein Link als Suchergebnis auf Google erscheint oder in einem Tweet oder Facebook-Beitrag geteilt wird, dann wird dieser Link als vertrauenswürdige Quelle oder als potenziell falsche oder schlecht recherchierte Information gekennzeichnet.

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    „Wir analysieren in einem aufwendigen Verfahren, ob Informationen auf einer Nachrichtenseite in den vergangenen fünf Jahren gut recherchiert waren und die Seite ihre Strukturen transparent macht“, erklärt Richter das Verfahren.

    Überprüft wurden laut Richter bisher diejenigen Webauftritte, deren Inhalte im jeweiligen Land 95 Prozent der Interaktionen in sozialen Netzwerken ausmachen. Dazu gehören Seiten wie die des Handelsblatts, der „Rheinischen Post“, aber eben auch „watergate.tv“, die fragwürdige Seite, auf die der Twitter-Account „RalfTHeuer“ verlinkt hat.

    Seiten, die in einem Punktesystem weniger als 60 von 100 Punkten bekommen, gelten als unzuverlässig. Die in den Corona-Untersuchungen aufgezeigten „FakeNews-Superspreader“ haben also wiederholt solche unseriösen Seiten weiterempfohlen.

    Mehr: EU-Kommissionsvizin Jourova warnt vor Fake News über Messenger-Dienste.

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