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Übernahme Kampfansage an Microsoft: Salesforce kauft Slack für knapp 28 Milliarden Dollar

Der Cloud-Spezialist will mit der milliardenschweren Übernahme ein neues Geschäftsfeld eröffnen. Slack soll unter anderem in Salesforce-Produkte integriert werden.
01.12.2020 Update: 02.12.2020 - 13:20 Uhr Kommentieren
Salesforce will den Bürokommunikationsdienst Slack für rund 27,7 Milliarden Dollar übernehmen. Quelle: dpa
Slack

Salesforce will den Bürokommunikationsdienst Slack für rund 27,7 Milliarden Dollar übernehmen.

(Foto: dpa)

San Francisco Es ist eine der größten Übernahmen in der Softwarebranche – und eine Kampfansage an Microsoft: Salesforce will Slack übernehmen. Der Kaufpreis betrage 27,7 Milliarden Dollar in Cash und Aktien, teilten die Unternehmen am Dienstag mit. Das entspricht einem Aufpreis von rund 55 Prozent im Vergleich zum Kurs, der gehandelt wurde, als Gerüchte über den Deal bekannt wurden.

Salesforce ist Marktführer bei Software zur Akquisition und Betreuung von Kunden, im Fachjargon CRM genannt. Mit Slack hat der Konzern dazu eine Anwendung für die digitale Kommunikation am Arbeitsplatz im Portfolio. Gemeinsam werde man „die Zukunft der Unternehmenssoftware gestalten und die Art und Weise verändern, wie jeder in der volldigitalen, ortsunabhängigen Welt arbeitet“, erklärte Salesforce-Chef Marc Benioff.

Damit heizt der Gründer die Rivalität zu Microsoft weiter an. Beide Unternehmen konkurrieren bereits mit ihrer CRM-Software, bald auch mit Kommunikationslösungen für den Arbeitsplatz – das Programm Teams hat in der Corona-Pandemie mehr als 70 Millionen neue Nutzer gewonnen und damit die Reichweite von Slack deutlich überholt.

Die Aktionäre reagierten indes skeptisch. Nach der Ankündigung sank der Salesforce-Kurs im nachbörslichen Handel um gut vier Prozent. Für viele dürfte der hohe Kaufpreis, den der Konzern nur teilweise mit eigenen Aktien bezahlt, abschreckend sein. Allerdings könnten auch die Quartalszahlen eine Rolle gespielt haben, die parallel vorgelegt wurden: Der Softwarehersteller übertraf die Erwartungen der Analysten zwar, gab aber einen vergleichsweise vorsichtigen Ausblick.

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    Einerseits wird Salesforce die Software von Slack nutzen, um die eigenen Lösungen zu verbessern. Durch die Corona-Pandemie hat die digitale Kommunikation an Bedeutung gewonnen – die meisten Vertriebler sitzen nun im Homeoffice oder am Küchentisch. Der Konzern aus San Francisco hat deswegen Lösungen wie „Anywhere“ und „Meetings“ eingeführt, die den internen Austausch erleichtern sollen. Die Verbreitung gilt allerdings als vergleichsweise gering.

    Hier kommt Slack ins Spiel: Die Funktion „Connect“, eingeführt im Sommer, soll „die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern eines Unternehmens und all seinen externen Partnern, von Lieferanten bis zu Kunden“ ermöglichen, wie Salesforce erklärt. Das gilt beispielsweise für einen komplexen Vertriebsprozess, an dem mehrere Abteilungen beteiligt sind. Slack werde in jedes Produkt „tief integriert“, hieß es.

    CRM-Software müsse sich weiterentwickeln, schreibt das Analysehaus Forrester in einer ersten Einschätzung zum Deal - Funktionen für die Zusammenarbeit seien immer wichtiger. Da andere Anbieter, namentlich Microsoft mit Dynamics, diese bereits anbieten, stehe Salesforce unter Druck, solche Funktionen ebenfalls ins Portfolio zu nehmen.

    Andererseits eröffnet der Deal Salesforce neue Märkte. Als Teil des Marktführers in Sachen CRM könne Slack die Präsenz in der Unternehmenswelt ausbauen, betonten die Unternehmen am Dienstag. Der Kommunikationsspezialist wird eine Einheit unter dem Dach des Konzerns, Gründer und Chef Stewart Butterfield führt sie weiterhin.

    Die digitale Kollaboration hat in der Corona-Pandemie deutlich an Bedeutung gewonnen, für alle Unternehmensbereiche. Nach Einschätzung des Marktforschers Gartner wächst der Umsatz bis 2023 auf 4,8 Milliarden Dollar.

    Salesforce zahlt einen hohen Preis für Slack

    Die Ambitionen gehen indes deutlich darüber hinaus. Salesforce bietet eine Plattform an, auf der Unternehmen Geschäftsanwendungen in der Cloud entwickeln können. Slack wiederum bietet Integrationen zu mehr als 2400 Apps für das Arbeitsumfeld an und ist bei Programmierern sehr beliebt, etwa um Arbeitsprozesse zu automatisieren. Die Vision zeigt das Börsenkürzel: WORK.

    Durch den Zusammenschluss soll eine Art Betriebssystem für die Unternehmens-IT entstehen: Gemeinsam wollen beide ein „offenes Ökosystem“ für Apps und Arbeitsabläufe aufbauen, mit dem Entwickler und Geschäftsanwender neue Anwendungen erzeugen können, wie es in der Mitteilung heißt. Diese Rolle nimmt in vielen Organisationen bislang Microsoft ein. Der aufstrebende Cloud-Spezialist kommt dem Platzhirschen der Softwarebranche immer mehr ins Gehege.

    Beobachter halten das für nachvollziehbar. Salesforce sei auf dem besten Wege, sich zu einer Plattform-Firma zu verwandeln, sagt Holger Müller, Analyst bei Constellation Research. Seit mehreren Quartalen handle es sich bereits um die umsatzstärkte Produktgruppe. „Mit Slack werden sich die Kräfteverhältnisse noch weiter in Richtung Plattform verschieben.“ Es ist eine große Vision, aber auch eine anspruchsvolle Aufgabe.

    Salesforce bezahlt den Deal allerdings teuer, auch wenn der Konzern einen Teil mit seinen – sehr hoch bewerteten – Aktien begleicht: Es handelt sich um die größte Übernahme des Konzerns und die zweitgrößte in der Softwarebranche. Nur IBM zahlte 2018 für den Open-Source-Spezialisten Red Hat mit 34 Milliarden Dollar mehr.

    „Kommerziell allein macht die Übernahme wenig Sinn, denn es ist äußerst unwahrscheinlich, dass Slack den Übernahmepreis auch nur annähernd reinholen wird“, sagt Müller. Dafür könne der Cloud-Spezialist weiter Wachstum zeigen – und das sei nötig, um die hohen Erwartungen der Aktionäre zu erfüllen.

    Dass jetzt ein Deal ansteht, kommt nicht von ungefähr. Slack hat zwar in den vergangenen Monaten viele neue Nutzer gewonnen, kann aber nicht im gleichen Maße von der Digitalisierung durch die Coronakrise profitieren wie Konkurrenten. Vor allem Microsoft, das die Lösung Teams häufig im Paket mit der Office-Software verkauft, macht dem Unternehmen das Leben schwer. Bevor die Übernahmegerüchte aufkamen, lag der Aktienkurs praktisch auf dem Niveau vor der Pandemie.

    Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Als Microsoft vor einigen Jahren Slack nicht kaufen konnte, investierte der Softwarehersteller massiv in sein eigenes Produkt Teams. Damit setzte er den Kommunikationsspezialisten jedoch derart unter Druck, dass es nun zu einem Verkauf an den Konkurrenten Salesforce kommt.

    Mehr: Wie es der Gründer von Slack schafft, nebenbei zum Milliardär zu werden

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