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Übernahmewelle AMD will Xilinx kaufen – Das Milliardenspiel der Chipbranche geht weiter

Corona hat die Übernahmewelle nicht gestoppt. Die großen Chiphersteller erweitern eifrig ihr Portfolio – unterstützt von steigenden Aktienkursen.
11.10.2020 - 14:41 Uhr Kommentieren
Der amerikanische Chiphersteller will den Rivalen Xilinx für 30 Milliarden Dollar übernehmen. Quelle: AP
AMD steht vor Milliardendeal

Der amerikanische Chiphersteller will den Rivalen Xilinx für 30 Milliarden Dollar übernehmen.

(Foto: AP)

München Mitten in der Coronakrise steht der nächste große Deal in der Chipbranche bevor: AMD will für 30 Milliarden Dollar den Konkurrenten Xilinx übernehmen. Das berichten US-Medien unter Berufung auf mit den Verhandlungen vertraute Personen. Kommende Woche könnte die Übernahme den Informationen zufolge offiziell bekanntgegeben werden.

Einigen sich die Halbleiterhersteller aus dem Silicon Valley, ist es die zweite riesige Übernahme innerhalb weniger Wochen. Erst Mitte September hat der US-Konzern Nvidia verkündet, den britischen Chipdesigner Arm für 40 Milliarden Dollar zu schlucken. Im Sommer war bekannt geworden, dass der amerikanische Anbieter Analog Device den einheimischen Rivalen Maxim Integrated Products für knapp 21 Milliarden Dollar kaufen will.

Es ist kein Zufall, dass die Halbleiterfirmen jetzt auf Einkaufstour gehen: Sie sind bislang vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen. In den vergangenen Tagen hat eine ganze Reihe von Herstellern Ergebnisse vorgelegt, die über den eigenen Prognosen lagen. Zuletzt begeisterte am Freitag der niederländische Wettbewerber NXP die Investoren.

Insgesamt kaufen die Chipfirmen seit Jahren in großem Stil zu. Nur dieses Frühjahr, als das Coronavirus die Welt in den Lockdown zwang, hielten sich die Konzernchefs zurück. Die Hersteller versuchen mit den Übernahmen, ihre Produktpalette zu erweitern.

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    Damit wollen sie schneller wachsen und sich gegen Krisen absichern. Der amerikanische Finanzinformationsdienst Bloomberg geht davon aus, dass die Chipfirmen dieses Jahr weltweit rund 100 Milliarden Dollar für Übernahmen in die Hand nehmen werden; so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr.

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    Zuletzt machte da auch Infineon mit. Der Dax-Konzern bekam dieses Frühjahr nach neunmonatigem Warten die Erlaubnis der Wettbewerbshüter, den US-Konkurrenten Cypress für rund neun Milliarden Euro zu übernehmen. „Mit Cypress haben wir jetzt ein deutlich breiteres Produktportfolio. Das macht uns zusätzlich resilienter“, sagte Produktionsvorstand Jochen Hanebeck dem Handelsblatt. Die Münchner bemühen sich, nicht mehr nur einzelne Chips, sondern auch ganze Systeme anzubieten.

    AMD zurück in der Erfolgsspur

    AMD bekäme durch die Übernahme im Geschäft mit Rechenzentren einen Schub. Das ist genau jener Bereich, der für AMDs schärfsten Konkurrenten, Weltmarktführer Intel, am wichtigsten ist. Prozessoren sind das Gehirn eines jeden Computers. Intel dominiert auf diesem Feld, AMD und der US-Konzern Nvidia konnten in den vergangenen Jahren aber aufholen. AMD könnte mit dem Kauf von Xilinx zudem in den Markt für Telekommunikationschips vordringen, der gerade vom Aufbau der 5G-Mobilfunknetze profitiert.

    Xilinx stellt sogenannte FPGAs her. Das sind Bauelemente, deren Funktion per Software auch dann noch verändert werden kann, wenn sie bereits in einem Gerät eingebaut wurden. Auf diesem Feld hat sich Intel vor fünf Jahren mit dem Kauf von Altera verstärkt. Der Preis damals: knapp 17 Milliarden Dollar.

    Eine Aktie von Xilinx kostete am Donnerstagabend, bevor die ersten Meldungen über den bevorstehenden Kauf veröffentlicht wurden, an der Börse in New York 106 Dollar. Insgesamt war der Konzern damit 26 Milliarden Dollar wert. Zahlt AMD tatsächlich 30 Milliarden Dollar für den Wettbewerber, entspräche das einem Aufschlag von 15 Prozent.

    Das wäre etwas weniger, als Analog im Sommer für Maxim geboten hat. Die nun beteiligten Unternehmen selbst wollten sich zu den Übernahmegerüchten nicht äußern. AMD ist an der Börse mit rund 100 Milliarden Dollar viermal so viel wert wie Xilinx. Der Kurs hat sich im Jahresverlauf fast verdoppelt. Der ewige Rivale Intel bringt es auf 227 Milliarden Dollar.

    Am Freitag schnellte der Kurs von Xilinx um gut 14 Prozent nach oben, die Papiere von AMD gaben knapp vier Prozent nach. Beobachter werteten dies als Vertrauensbeweis der Börse für AMD angesichts der gewaltigen Summe, die der Konzern in die Hand nehmen will.

    Inneramerikanischer Deal ist nicht ganz so risikoreich

    Dass AMD überhaupt eine solche Akquisition stemmen kann, ist Lisa Su zu verdanken. Der Konzern aus Kalifornien stand kurz vor dem Bankrott, als die in Taiwan geborene Elektroingenieurin 2014 die Führung übernahm. Inzwischen nutzen wieder zahlreiche PC- und Laptop-Produzenten die Prozessoren von AMD. Gelingt der Kauf von Xilinx, könnte AMD auch stärker Netzwerkrechner bestücken. Angesichts des zunehmenden Datenverkehrs werden die sogenannten Server immer wichtiger.

    Noch ist unklar, wie AMD die Transaktion finanzieren will. Zuletzt wies das Unternehmen knapp zwei Milliarden Dollar an flüssigen Mitteln aus. Es könnte darauf hinauslaufen, dass Vorstandschefin Su überwiegend mit Aktien bezahlt. So machen es auch die Wettbewerber: Analog bietet den Maxim-Aktionären ausschließlich eigene Papiere an, Nvidia nimmt zusätzlich auch Cash in die Hand.

    Mit Aktien zu bezahlen ist für AMD auch deshalb interessant, weil der eigene Kurs in jüngster Zeit stärker gestiegen ist als der von Xilinx. So kommt AMD auf ein Plus dieses Jahr von fast 90 Prozent, Xilinx dagegen kletterte bis Donnerstag nur um acht Prozent.

    Da AMD ein anderes amerikanisches Unternehmen kaufen möchte, sind die behördlichen Hürden nicht ganz so hoch wie bei einer grenzüberschreitenden Übernahme. Trotzdem besteht ein Risiko: Die Beamten prüfen die Deals immer sorgfältiger. Vor allem China lässt die Muskeln spielen. Für die Chinesen ist es schlecht, wenn Chipfirmen in amerikanische Hände fallen. Denn Präsident Donald Trump nutzt die Halbleiter, um Druck auf die chinesische Führung auszuüben.

    Gute Beziehungen zu China sind aber für alle Chiphersteller essenziell. Denn der Trend scheint unaufhaltsam: „China rennt allen davon“, so Sven Baumann vom deutschen Branchenverband ZVEI. Im vergangenen Jahr erzielten die Halbleiterhersteller dort 35 Prozent ihres weltweiten Umsatzes - gut einen Prozentpunkt mehr als 2018. Wenn sich die Chinesen dagegenstellen, könnte daher selbst ein inneramerikanischer Deal platzen.

    Mehr: Mit dem neuen Rekorddeal könnte Nvidia-Konzernchef Huang sogar Apple abhängig machen.

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