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UMTS-Mobilfunk Die 100-Milliarden-Auktion prägt den deutschen Markt bis heute

Vor 20 Jahren gaben die Netzbetreiber rund 100 Milliarden D-Mark für Mobilfunkfrequenzen aus. Die 3G-Technik war zunächst ein Flop. Dann kam das iPhone.
18.08.2020 - 14:23 Uhr Kommentieren
Zwei Firmen verhoben sich an dem Versuch, nach den gewaltigen Ausgaben für die Frequenzen auch ein Netz aufzubauen. Quelle: dpa
UMTS-Antennen

Zwei Firmen verhoben sich an dem Versuch, nach den gewaltigen Ausgaben für die Frequenzen auch ein Netz aufzubauen.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Als die Entscheidung am 18. August 2000 fiel, war die deutsche Mobilfunkbranche fast 100 Milliarden D-Mark ärmer. Der Grund: Die Vergabe der Frequenzen für die neue Netzgeneration 3G, technisch Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) genannt, stand an. Und jeder wollte dabei sei. Mobiltelefone sollten künftig mehr können, als nur Geräte zum Tätigen von Anrufen oder zum Senden von SMS zu sein.

In dem Bieterwettstreit versuchten die Netzbetreiber, ihre künftigen Konkurrenten auszustechen. Einige schieden früh aus. Am Ende blieben sechs Anbieter übrig. Dazu gehörten die vier etablierten Marken: T-Mobile, Mannesmann (heute Vodafone) sowie die beide heute in O2 aufgegangenen Marken E-Plus und Viag Interkom.

Nach der großen Vorfreude folgte jedoch die Ernüchterung. Die Folgen dieser Auktion prägen den Mobilfunkmarkt in Deutschland bis zur Einführung des Standards 5G heute. Zunächst bekamen jedoch vor 20 Jahren die beiden Neueinsteiger Mobilcom sowie die Group 3G die Folgen zu spüren.

Die Firmen verhoben sich an dem Versuch, nach den gewaltigen Ausgaben für die Frequenzen auch ein Netz aufzubauen. Denn dafür war eine große Infrastruktur mit Tausenden Antennen in Deutschland nötig. Beide mussten letztlich die Frequenzen zurückgeben, weil sie die erforderlichen Ausbauziele nicht erreichten. Im Mai 2010 wurde das Spektrum dann neu versteigert.

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    Auch die etablierten Netzbetreiber standen vor großen Herausforderungen. Sie konnten zwar auf eine bestehende Infrastruktur zurückgreifen und auf 3G beziehungsweise UMTS aufrüsten. Es dauerte jedoch Jahre, bis auch die ersten UMTS-Handys für viele Nutzer zur Verfügung standen. Und es fehlten die nötigen Anwendungen.

    Das iPhone brachte die Wende

    Internet auf einem Handy war bis dahin eher eine Idee als eine alltagstaugliche Unterstützung. Mit der im Jahr 1999 eingeführten Technik WAP und dem Nachfolger GPRS gab es zwar erste Möglichkeiten, auch von unterwegs auf das mobile Internet zuzugreifen. Aufgrund geringer Datenraten und beschränkter Angebote glichen die verfügbaren Dienste jedoch eher Teletext als dem, was wir heute unter mobilem Internet verstehen.

    Im Jahr 2005 besaßen mit 79 Millionen Nutzern zwar die meisten Menschen ein Handy. Doch auch fünf Jahre nach der Versteigerung der UMTS-Frequenzen nutzten nur zwei bis drei Prozent der Kunden auch die neue Mobilfunktechnik.

    Der damalige Vizepräsident der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation, Matthias Kurth, stoppt die Zeit für die Runden der Auktion. Quelle: picture-alliance / dpa
    UMTS-Versteigerung in Mainz

    Der damalige Vizepräsident der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation, Matthias Kurth, stoppt die Zeit für die Runden der Auktion.

    (Foto: picture-alliance / dpa)

    Die entscheidende Wende ging nicht von den Netzbetreibern aus, sondern kam mit einem neuen Gerät aus den USA: 2007 brachte Apple-Chef Steve Jobs das iPhone auf den Markt. Ideen wie das große Display waren nicht neu. Aber Jobs erfand mit dem iPhone die Kategorie der Smartphones neu.

    Plötzlich wollten viele Verbraucher eines der begehrten Geräte besitzen. Das iPhone machte damit ein völlig neues Internet auf Smartphones möglich, wie eine bessere Darstellung von Fotos und Videos.

    In den Jahren darauf wurde die Netztechnik mit der nächsten Generation 4G weiter verbessert. Das mobile Streaming auch hochauflösender Videos gehört heute zum Standard. Mit 5G wird sogar die nächste Netzgeneration ausgerollt, die erstmals eine Datenübertragung in Echtzeit verspricht. Die Ausgaben für die dafür nötigen Frequenzen fielen im Vergleich zu den gewaltigen Summen für das UMTS-Spektrum mit 6,5 Milliarden Euro eher moderat aus.

    Konsequenzen gezogen

    Die Chefs der großen Netzbetreiber in Deutschland argumentieren bis heute, dass die UMTS-Auktion dem Markt geschadet habe. Als „Sündenfall“ bezeichnete Telekom-Konzernchef Timotheus Höttges die UMTS-Versteigerung. Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter nannte sie einen großen Fehler. Und Telefónica-Deutschlandchef Markus Haas sprach von einer historischen Bürde für die Branche.

    Diese Darstellung wird jedoch kritisch gesehen. Ein Regierungsbeamter, der nicht namentlich genannt werden will, sagte: „Die Netzbetreiber weinen Krokodilstränen. Es war ihre Entscheidung, so viel Geld auszugeben. Niemand hat sie damals zu den hohen Geboten gezwungen.“ Es sei die Strategie der Unternehmen gewesen, künftige Wettbewerber aus dem Markt zu drängen. Und genau das sei ihnen auch gelungen. Zudem hätten sie die Ausgaben für die Frequenzen steuerlich geltend machen können, und ein Teil des Geldes sei auch als Subventionen in den Netzausbau zurückgeflossen.

    Im Fall von 5G hat die Regierung das System teilweise umgestellt. Der Betrag für die Frequenzen kann von den Netzbetreibern über rund ein Jahrzehnt gestreckt gezahlt werden. Zudem feilt Berlin daran, mit Milliardensummen den Netzausbau zu unterstützen.

    Mit 3G ist dagegen zwei Jahrzehnte nach der Versteigerung bald Schluss. Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica wollen ihre UMTS-Netze bald abschalten. Sie wollen ihren Fokus stärker auf 5G legen.

    Mehr: Die Chancen und Risiken des neuen Mobilfunkstandards 5G

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