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Unitymedia-Übernahme Netzexperte: „Die Kabel-Technik hat Grenzen“

Vodafone schließt die Übernahme von Unitymedia ab. Netzexperte Bernd Sörries zeigt die Stärken des Konzerns auf, warnt aber vor überzogenen Erwartungen.
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Der Experte analysiert seit vielen Jahren für das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste die deutsche Telekommunikationslandschaft. Quelle: DIHK
Bernd Sörries

Der Experte analysiert seit vielen Jahren für das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste die deutsche Telekommunikationslandschaft.

(Foto: DIHK)

Düsseldorf Bernd Sörries analysiert seit vielen Jahren für das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste die deutsche Telekommunikationslandschaft. Für den Leiter der Abteilung „Regulierung und Wettbewerb“ ist klar, dass Vodafone von der Übernahme von Unitymedia profitieren wird. Die die Telekom sei damit aber noch lange nicht geschlagen.

Herr Sörries, warum ist Breitband per TV-Kabel so eine wichtige Technologie?
Wegen der Geschwindigkeit. Vodafone kann per Kabel schon heute Geschwindigkeiten von bis zu 400 Mbit/s im Download und bei der neuesten Technikgeneration im Gigabit-Bereich anbieten. Die Telekom schafft bei DSL im besten Fall per Supervectoring nur 0,25 Gigabit pro Sekunde. Wie wichtig das Kabel ist, zeigt, dass Telefónica hier Vorleistungen einkaufen will.

Hat Vodafone jetzt einen unfairen Wettbewerbsvorteil – die volle Kontrolle über das Kabelnetz und gleichzeitig einen regulierten Zugang zur Infrastruktur der Telekom?
Vodafone kann jetzt einen Wettbewerbsnachteil ausräumen. Die Bundesnetzagentur schreibt vor, dass die Telekom ihr Netz für Wettbewerber öffnen muss. Dank der Übernahme von Unitymedia gehört Vodafone ein Kabelnetz in fast ganz Deutschland. Doch nur etwa 70 Prozent der Haushalte haben einen Anschluss per TV-Kabel. In allen anderen Haushalten kann Vodafone weiter auf das Netz der Telekom zurückgreifen.

Ist Vodafone damit zwangläufig der Telekom überlegen?
Nein. Breitband per TV-Kabel schafft zwar höhere Geschwindigkeiten. Allerdings hat die Technik Grenzen. Mehrere Kunden teilen sich eine Leitung. Wenn also zu Stoßzeiten viele Kunden gleichzeitig Fernsehen über das Internet schauen, kann die Leistung deutlich absinken. Damit das nicht passiert, muss Vodafone in das Kabelnetz investieren, um auch die neueste Technik anbieten zu können.

Beim Festnetztest des Magazins „Connect“ war Vodafone sogar Schlusslicht. Die Leistung sei oft deutlich schwächer als versprochen. Wie konnte das passieren?
Da hat entweder der Konzern seine Hausaufgaben nicht gemacht, oder bei DSL-Leitungen könnte es Schwierigkeiten bei der Telekom geben. Es scheint schlicht die ausreichende Kapazität zu fehlen.

Wie meinen Sie das?
Vodafone will natürlich jetzt möglichst viele neue Kunden gewinnen. Doch je mehr Kunden zum Kabelnetzbetreiber wechseln, desto stärker könnte die Infrastruktur des Anbieters an seine Grenzen stoßen. Wenn Vodafone mit einer Werbekampagne viele Telekom-Kunden zum Wechsel bewegen kann, die dann aber weniger Leistung als angekündigt bekommen, dann hat die Firma ein großes Problem. Wenn also die Nachfrage im Kabelnetz weiter steigt, kann ohne Netzausbau der Erfolg bei der Neukundengewinnung schnell zum Misserfolg werden.

Die Telekom ist mit 500 000 Kilometern der größte Glasfaseranbieter in Deutschland. Wie weit hängt Vodafone zurück?
Das ist sehr schwer zu beurteilen. Vodafone veröffentlicht die neuesten Zahlen zum Glasfaserausbau nicht.

Unitymedia hat fast 3000 Beschäftigte. Fürchten Sie durch die Übernahme eine Massenentlassung?
Vodafone hat alle Fähigkeiten, um das Netz von Unitymedia selbst zu steuern. Allerdings ist Unitymedia ja genau dort aktiv, wo Vodafone bislang kein Kabelnetz hatte: Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen. Dort braucht Vodafone sicherlich Technik und Experten für den Netzbetrieb. Aber in der Verwaltung oder dem Marketing wird Vodafone nur wenig neues Personal brauchen.

Herr Sörries, vielen Dank für das Interview.

Mehr: Vodafone schließt am Donnerstag die 18,4 Milliarden Euro schwere Übernahme ab. Für die Deutsche Telekom birgt das eine große Gefahr.

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