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Urheberrechte Musiker fordern mehr Geld von iTunes

Die amerikanischen Verwertungsgesellschaften kämpfen um eine Aufführungs-Gebühr von iTunes, Amazon + Co. Sie soll sogar schon fällig werden, wenn der Kunde nur Probe hört.
  • Tina Klopp
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Müssen Online-Musikvermarkter wie iTunes künftig auch Gebühren bezahlen, wenn Kunden Musikstücke oder Videos im iTunes-Shop nur probeweise abspielen? Quelle: ap

Müssen Online-Musikvermarkter wie iTunes künftig auch Gebühren bezahlen, wenn Kunden Musikstücke oder Videos im iTunes-Shop nur probeweise abspielen?

(Foto: ap)

Wenn es um die Enteignung künstlerischen Eigentums via Internet geht, ist meist von illegalen Tauschbörsen die Rede. Die amerikanischen Verwertungsgesellschaften ASCAP und BMI haben nun jedoch einen neuen Gegner entdeckt: Unternehmen wie Apple oder Amazon, die über ihre Portale ganz legal Musik verkaufen. Die Verwerter beklagen, dass ihnen durch den Online-Vertrieb andere Erlöse wegbrächen, zum Beispiel Gebühren aus Aufführungsrechten. Daher solle Apple künftig auch Gebühren bezahlen, wenn Kunden Musikstücke oder Videos im iTunes-Shop nur probeweise abspielen.

Dabei schienen bisher alle so glücklich damit, dass der Musikverkauf im Netz endlich durchgestartet ist und der Branche zunehmend Geld bringt. Doch profitieren davon unterschiedliche Teile der Musikverwertungskette in unterschiedlichem Maße.

Die protestierenden Verbände vertreten die Musiker, Texter und Komponisten. Im Gegensatz zu den Labels und den Händlern spüren sie bislang wenig vom Erfolg der digitalen Läden. Die Plattenlabel verdienen an den Lizenzen, davon geht aber nur ein geringer Anteil an die Verwertungsgesellschaften. Während also die Labels beim Verkauf eines Songs über iTunes den überwiegenden Teil des Kaufpreises einstreichen, erhalten die Verwerter nur wenige Cents zur Verteilung an die Musiker.

Offline sieht das anders aus: So streicht etwa die deutsche Gema auch Geld ein, wenn ein Club, ein Fitnessstudio oder ein Radiosender Musik der von ihr vertretenen Künstler spielt. Im Internet fehlen diese Einnahmequellen.

Nach Wünschen der Künstler sollen daher künftig Gebühren auch für Streaming-Angebote in Online-Radios, für Hintergrundmusiken in Videos, oder eben für die 30-Sekunden-Kostproben in den Shops anfallen. Deshalb betreiben die Verwerter derzeit Lobbyarbeit im US-Kongress. Sie wollen eine Gesetzesänderung für die Downloadangebote erreichen. Demnach soll die Aufführungsgebühr für jeden verkauften Download direkt an die Verwerter fließen.

In der Regel allerdings haben Fernseh- oder Filmproduktionen für die Vertonung oder Synchronisation ihrer Produktionen schon eine Gebühr bezahlt und deshalb bezeichnen sie die zusätzliche Forderung als eine "Doppelbesteuerung". Es sei bedauerlich zu sehen, dass die Künstler aus den Aufführungsrechten keinen Gewinn mehr ziehen könnten, geben auch sie zu. Das sei besonders dann tragisch, wenn Künstler ihre Synchronisations- und andere Verwertungsrechte in der Hoffnung abgetreten haben, von späteren Aufführungsrechten zu profitieren. Doch die Vertriebswege hätten sich nun einmal geändert.

Dazu muss man wissen, dass die Musiklabels gerne mit den armen Künstlern argumentiert haben, solange es um den Kampf gegen Tauschbörsen und Gratisangeboten im Netz ging. Letztlich sind sie in diesem Kampf heute ein gutes Stück vorangekommen, ohne dass die breite Masse der Musiker davon profitiert hat. Rick Carnes, Präsident der Songwriters' Guild of America erzählte dem Technikportal Cnet in diesem Zusammenhang, dass er am Vortag einen Check über zwei Cents erzahlten habe. "Kein Witz. Die Menschen denken, wir verdienen ein Vermögen im Netz", sagte der Musiker. "Aber es sind klägliche Beträge. Wir brauchen mehrere Einnahmequellen, oder das wird nicht funktionieren."

Doch die Verwertungsgesellschaft bekommen jetzt die Wut der Nutzer zu spüren, die fürchten, dass sich die Forderungen zwangsläufig in höheren Preisen niederschlagen werden. Apple kämpft noch immer gegen den Unmut, der iTunes ersten und einzigen Preiserhöhung Anfang des Jahres gefolgt war. So schlägt die Empörung über die Forderungen der Musiker in den amerikanischen Foren bereits hohe Wellen, "Verbrecherbande" und "gieriges Pack" sind noch die freundlicheren Bezeichnungen.

Das ist am Ende zwar ungerecht, aber eigentlich müsste der Kampf an anderer Stelle ausgetragen werden: nämlich an der Stelle in der Verwertungskette, an der sich Produzenten und Vertrieb um ihre Anteile streiten. Nicht jedoch beim Endkunden, und schon gar nicht bei seinem Recht, den Song Probe zu hören, bevor er ihn kauft.

Dieser Text ist im Original erschienen bei Zeit Online.

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