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US-Mobilfunk-Fusion T-Mobile und Sprint: Die Zitterpartie geht wohl bis Februar weiter

Im Februar wird ein New Yorker Richter über das Schicksal der geplanten Fusion von Sprint und T-Mobile entscheiden. Für die Telekom ist das US-Geschäft sehr wichtig.
06.01.2020 - 10:03 Uhr Kommentieren
Der T-Mobile-US-Chef John Legere am Bezirksgericht in Manhattan im Dezember 2019. Quelle: Reuters
John Legere

Der T-Mobile-US-Chef John Legere am Bezirksgericht in Manhattan im Dezember 2019.

(Foto: Reuters)

New York, Düsseldorf Für die Deutsche Telekom und deren US-Tochter T-Mobile dürften es nervöse Feiertage gewesen sein. Noch bis zum Freitag vor Weihnachten haben die Manager der beiden Unternehmen und des US-amerikanischen Mobilfunkbetreibers Sprint vor Gericht um die geplante Fusion von T-Mobile und Sprint gekämpft. Die Abschlussplädoyers sind für den 15. Januar geplant. Im Februar könnte das Urteil fallen.

Es wäre der letzte Akt einer langen Saga. Bereits im April 2018 hatten T-Mobile und Sprint ihre Fusion angekündigt. Doch seitdem kämpfen die beiden und vor allem die Telekom-Tochter für die Umsetzung.

Die Aufsichtsbehörden haben die Fusion zwar mit Auflagen genehmigt: Unter anderem müssen T-Mobile und Sprint ihre Prepaid-Lizenzen an den Fernseh-Satellitenbetreiber Dish abgeben, der eine neue Nummer vier im Markt aufbauen soll. Dish kann auch sieben Jahre lang das Netz von T-Mobile zu äußerst günstigen Konditionen nutzen.

Aber insgesamt 14 US-Bundesstaaten haben geklagt, die in dem Zusammenschluss eine Gefahr für den Wettbewerb sehen. Nun muss noch der Richter Oscar Marrero in Manhattan entscheiden, ob die Klage gerechtfertigt ist. Die Bundesstaaten befürchten, dass die Preise für die Verbraucher steigen werden, wenn die Nummer drei mit der Nummer vier zusammengeht.

Am 9. Dezember hat der Prozess im US-Bezirksgericht für den Südbezirk von New York begonnen. Zwei Wochen lang haben die Manager aus dem Telekom-Lager Tag für Tag argumentiert, dass sie keine Preise erhöhen wollen und dass es weiterhin Wettbewerb geben wird. Dafür sind nicht nur der scheidende T-Mobile-CEO John Legere und die CEOs von Sprint und Dish in den Zeugenstand getreten. Dafür ist auch der Telekom-Chef Timotheus Höttges persönlich nach New York gereist, um zwei Tage lang die geplante Fusion zu verteidigen.

Der Telekom-Chef war persönlich nach New York gereist, um zwei Tage lang die geplante Fusion mit Sprint zu verteidigen. Quelle: Reuters
Timotheus Höttges

Der Telekom-Chef war persönlich nach New York gereist, um zwei Tage lang die geplante Fusion mit Sprint zu verteidigen.

(Foto: Reuters)

Immer wieder geht es um folgende Fragen: Wie entwickeln sich die Preise? Kann Dish ein ernst zu nehmender Wettbewerber werden? Und könnte T-Mobile nicht auch ohne Sprint weiter wachsen?

Der Prozess wird längst nicht nur von den Hausjuristen der beteiligten Unternehmen verfolgt. Im Publikum sitzen auch Analysten und Investoren. Sie verfolgen jeden Experten, Ingenieur und Manager. Basierend auf den Fragen des Richters versuchen sie zu orakeln, ob er eher für oder gegen eine Fusion tendiert.

„Ich schätze, dass die Chancen, dass Marrero die Fusion durchwinkt, bei 70 Prozent stehen“ sagt ein Anleihe-Spezialist einer Großbank in einer Pause am letzten Verhandlungstag. „Ich glaube, dass sie nur bei 52 Prozent stehen. Der Dish-Chef war nicht überzeugend“, argumentiert dagegen ein Analyst eines Research-Hauses. Ein anderer sieht die Chancen bei 58 Prozent.

Attacken auf den Telekom-Chef Höttges

Auch in der Telekom-Konzernzentrale in Bonn ist das Top-Management nervös. Im Sommer hatte sich Konzernchef Timotheus Höttges in einem Video an die Öffentlichkeit gewandt und darin gesagt: „In Amerika ist unser Deal kurz vor der Genehmigung.“ Das war voreilig, wie sich nun herausgestellt hat.

Entsprechend groß war der Ärger über die große Zuversicht unter Großaktionären der Telekom. Sie warfen Höttges vor, zu sich zu früh zu zuversichtlich gezeigt zu haben. Bei einer Sitzung des Aufsichtsrats kam es zum Konflikt.

Seitdem halten sich Höttges und sein Führungsteam mit öffentlichen Äußerungen zum Ausgang des Fusionsverfahren in den USA zurück. Der US-Markt ist wichtig: Schon heute erwirtschaftet der Konzern mehr als die Hälfte des Umsatzes in den USA.

Innerhalb der Telekom wird jedoch der Auftritt von CEO Höttges und dem US-Chef John Legere vor Gericht in den USA als guter Aufschlag gewürdigt. „Tim hat sich sehr gut geschlagen“, sagt ein Insider. Viele in Bonn gehen davon aus, dass das Gericht zugunsten der Firmen entscheiden wird und der Zusammenschluss von T-Mobile US und Sprint zustande kommt.

Und dann? Alles ist offen. Sicher ist, dass der Ausbau des US-Geschäfts sehr teuer werden wird. T-Mobile muss kräftig investieren, um es mit den Rivalen Verizon und AT&T aufnehmen zu können. Im Zuge der Fusion haben T-Mobile und Sprint Investitionen in Höhe von 40 Milliarden Dollar versprochen – vor allem in die 5G-Technologie.

Doch die Deutsche Telekom ist hoch verschuldet. In den ersten neun Monaten 2019 beliefen sich die Netto-Finanzverbindlichkeiten des Konzerns auf rund 79 Milliarden Euro. Der Konzern hatte sein selbstgestecktes Schuldenziel verfehlt. Im November zog Konzernchef Höttges daraufhin die Konsequenz, eine geringe Dividende für 2020 anzukündigen. Statt 70 Cent je Aktie wie im Vorjahr sollen für das Geschäftsjahr 2019 nur noch 60 Cent je Aktie ausgeschüttet werden.
Das ist jedoch nur ein erster Schritt.

Telekom könnte andere Geschäfte verkaufen

Der angesehene Telekommunikations-Analyst Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe schaute sich in einem ausführlichen Bericht die Gesamtsituation des Konzerns an. „Wir glauben, dass die Deutsche Telekom an weitreichenden Maßnahmen zum Umbau der Organisation arbeitet“, schrieb Specht. Seine Vermutung: Die neue Telekom wird sich auf zwei Bereiche konzentrieren: die USA und Deutschland.

Um den Fokus auf die beiden Kernmärkte zu finanzieren, könnte die Telekom andere Geschäfte verkaufen. Seit Längerem war über einen Verkauf der Landesgesellschaft in den Niederlanden sowie der Deutschen Funkturm GmbH spekuliert worden, in der die Antennen des Unternehmens zusammengefasst sind.

Specht vom Bankhaus Lampe ging aber noch einen Schritt weiter: „Wir sehen gute Gründe für einen Verkauf der Aktivitäten, die nicht zum Kernbereich gehören, wie das gesamte Segment Europa.“ Dadurch könnte sich die Telekom schlanker aufstellen, Schulden abbauen und gleichzeitig Aktionären eine hohe Rendite bieten, vermutete Specht.

In Bonn löste der Bericht eine Schockwelle aus. Ein kompletter Verkauf aller europäischen Landesgesellschaften würde die Telekom nachhaltig verändern. Ein so drastischer Schritt ist laut Handelsblatt-Informationen aus Konzernkreisen sehr unwahrscheinlich.

Aber es ist richtig, dass derzeit innerhalb des Unternehmens an konkreten Plänen für die Zeit nach der Fusion in den USA gearbeitet wird. Dabei werden verschiedene Optionen durchgespielt. Der Verkauf einzelner Bereiche in Europa steht durchaus zur Disposition. Im vergangenen Jahr hatte sich die Telekom unter anderem von ihrem Geschäft in Albanien getrennt.

Im Moment liegt die Entscheidung aber nicht in Bonn, sondern im Süden Manhattans. Dort muss erst einmal Richter Marrero entscheiden, ob die Fusion von Sprint und T-Mobile überhaupt stattfinden darf.

Mehr: Der US-Richter Victor Marrero entscheidet in New York über die Fusion von T-Mobile und Sprint. Es ist längst nicht sein erster großer Fall.

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