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US-Mobilfunkmarkt Telekom kurz vor dem Ziel: Höttges’ Amerika-Traum könnte sich erfüllen

Die Deutsche Telekom könnte vor dem wichtigsten Deal der Firmengeschichte stehen. Die Milliarden-Übernahme des US-Rivalen Sprint war nie so nah wie jetzt.
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Telekom bei Sprint-Deal kurz vor dem Ziel Quelle: imago/Rüdiger Wölk
T-Mobile-Shop in New York

Die Telekom-Tochter könnte ihren Einfluss auf dem US-Markt mit der Übernahme des Konkurrenten Sprint deutlich ausbauen.

(Foto: imago/Rüdiger Wölk)

New York, Bonn, Düsseldorf Der Telekom-Chef ist seinem großen Ziel, einer Megafusion in den USA, so nah wie nie zuvor. Am Mittwoch informierte Tim Höttges nach Handelsblatt-Informationen die Topentscheider des Konzerns, dass die 26 Milliarden Dollar schwere Fusion von T-Mobile US mit dem Rivalen Sprint voraussichtlich eine entscheidende Hürde nehmen werde: Die Genehmigung des Zusammenschlusses durch das Justizministerium stehe kurz bevor.

Für die Telekom ist die Fusion der zentrale Baustein der US-Strategie. Ein Jahr lang haben sich die zähen Verhandlungen mit den strengen US-Wettbewerbshütern hingezogen. Aber selbst wenn das Ministerium nun grünes Licht signalisiert, gibt es noch eine weitere Hürde zu bewältigen: Die Generalstaatsanwälte von 14 demokratisch regierten Bundesstaaten hatten gegen den Zusammenschluss geklagt. Eine Entscheidung steht noch aus.

Schon heute sind die USA mit mehr als der Hälfte des Umsatzes der wichtigste Auslandsmarkt für die Telekom. Jedes Quartal gewinnt T-Mobile US gut eine Million Neukunden – mehr als jede andere Landesgesellschaft.

Und so sind am Mittwoch um 10.15 Uhr, als die Telefonkonferenz steht, die wichtigsten Entscheider der Deutschen Telekom versammelt. CEO Timotheus Höttges hatte die Topleute aus dem Vorstand und dem Aufsichtsrat zusammengetrommelt.

Der Architekt des Deals ist aus den USA zugeschaltet: Thorsten Langheim, Telekom-Vorstand für die USA und die Konzernentwicklung. Er gibt einen Einblick, was er und sein Team in den vergangenen Wochen und Monaten erreicht haben.

Langheim gilt schon heute als der wichtigste Dealmaker des Dax-Konzerns. Aber in den USA könnte ihm gelingen, was viele Topentscheider der Telekom lange für unmöglich hielten: die Zustimmung der US-Wettbewerbshüter für einen großen Zusammenschluss auf dem US-amerikanischen Telekommunikationsmarkt. Schließlich hatte die US-Regierung unter Präsident Barack Obama größere Fusionen unterbunden – darunter auch den Verkauf von T-Mobile US an AT&T.

Langheim ist bestimmt, aber nicht euphorisch, erfährt das Handelsblatt aus Teilnehmerkreisen. Die Fusion sei auf einem guten Weg. Die Telekom habe viel erreicht. Es gebe gute Chancen, dass der Zusammenschluss gelingt. Für Jubel sei es aber noch zu früh.

Seitdem die 26 Milliarden Dollar schwere Fusion vor mehr als einem Jahr vereinbart wurde, haben die Entscheider vieles erlebt. Schon früh gab das Komitee für Auslandsinvestitionen (CFIUS) seine Zustimmung für den Zusammenschluss.

Fusion nur unter Auflagen

Im Mai hatte sich auch der Chef der Telekommunikationsbehörde FCC für die Fusion ausgesprochen. Doch dann sah es so aus, als könnte die Fusion doch noch scheitern. In Bonn wurde in Planspielen diskutiert, wie Alternativen aussehen können.

Nun hat sich die Situation gewandelt. Am Donnerstag soll das US-Justizministerium sein Votum offiziell bekanntgeben. Dann muss die Einigung noch von einem Richter bestätigt werden.

Natürlich gibt es Auflagen. Um die Zustimmung des Justizministeriums zu erhalten, muss Sprint die Prepaid-Marke Boost an den Rivalen Dish Network abgeben. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg vereinbarten beide Seiten den Verkauf für insgesamt fünf Milliarden Dollar. Davon entfallen lediglich 1,5 Milliarden Dollar auf das Prepaid-Geschäft. Mit 3,5 Milliarden Dollar will Dish deutlich mehr Geld für die Mobilfunkfrequenzen ausgeben, die Boost gehören. Zudem soll ein Servicevertrag über drei Jahre für die ehemaligen Boost-Kunden Teil der Vereinbarung sein.

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Mit dem Vorgehen kündigt sich ein Kompromiss an, mit dem alle Seiten leben können. Der Chef der Wettbewerbsabteilung des Justizministeriums, Makan Delrahim, hatte stets hervorgehoben, seine Behörde verlange Zugeständnisse. Die Beamten des Ministeriums hatten Sorgen geäußert, durch die Reduktion der Anbieter auf dem Telekommunikationsmarkt von vier auf drei verringere sich der Wettbewerb, was Preise für Verbraucher in der Höhe treiben und Innovationen bremsen könnte.

T-Mobile hatte von Anfang an argumentiert, der Zusammenschluss der beiden Firmen werde die Netzqualität in den USA verbessern. Besonders bei der Umstellung auf den nächsten Mobilfunkstandard 5G könne ein vereinigtes Unternehmen aus T-Mobile und Sprint die USA voranbringen. Die Firmen kündigten an, nach einer geglückten Fusion das leistungsfähigste Mobilfunknetzwerk in der Geschichte der USA zu errichten.

Die USA sehen sich in einem globalen Wettrennen um die Vorherrschaft bei 5G. US-Präsident Donald Trump hatte betont, sein Land dürfe nicht im Vergleich mit China zurückfallen. 5G soll Datenübertragung nahezu in Echtzeit ermöglichen. Daher hoffen vor allem Industriefirmen auf neue Wachstumsimpulse durch die Technologie.

In den USA gehen die großen Netzbetreiber AT&T und Verizon beim 5G-Ausbau bislang voran. T-Mobile war erst Ende Juni mit einem eigenen 5G-Netz für Verbraucher nachgezogen. Dafür versprach T-Mobile-Chef John Legere für den Fall einer erfolgreichen Übernahme von Sprint, dass das Gemeinschaftsunternehmen schnell den Ausbau von 5G vorantreiben werde.

Ein neuer Rivale

Dabei wolle die Firma die Spitzentechnik nicht auf Städte beschränken, sondern 5G auch in der Fläche ausbauen. Bis zum Jahr 2024 könnten die fusionierten Unternehmen ein dreimal so leistungsfähiges 5G-Netz errichten, wie es beiden einzelnen Firmen möglich gewesen wäre.

Erst am Mittwoch kündigte T-Mobile an, als erstes Telekommunikationsunternehmen der USA den Golf von Mexiko mit schnellem Mobilfunk zu versorgen. Zunächst sollen Menschen in den Küstenregionen, Seefahrer und Arbeiter auf Bohrinseln mit 4G versorgt werden, künftig will T-Mobile auch auf 5G aufrüsten.

Mit dem Argument eines schnellen 5G-Ausbaus haben T-Mobile US und Sprint aber nicht alle Kritiker überzeugen können. Gelingt die Einigung mit dem Justizministerium, wäre die Fusion noch nicht gesichert. Rund ein Dutzend demokratisch geführter US-Bundesstaaten unter Führung der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James haben Klage gegen den Zusammenschluss eingereicht.

Sie fürchten steigende Preise für Verbraucher, weniger Wettbewerb und eine zu starke Machtkonzentration bei dem vereinigten Mobilfunkunternehmen. Wie das Handelsblatt erfuhr, wollen die Staaten ihre Klage weiter vorantreiben, auch wenn das Justizministerium den Deal erlauben sollte.

Es ist jedoch unklar, ob die Staaten es wirklich auf eine Blockade des Deals anlegen, oder eher über das Vorgehen weitere Zugeständnisse von dem Mobilfunkunternehmen erreichen wollen.

„Oft haben die Bundesstaaten gar nicht die Ressourcen, die Klagen wirklich bis zum Ende durchzuziehen. Aber sie können die Fusion lange hinauszögern“, sagte ein Jurist, der Telekomfirmen berät. Die US-Staaten könnten die Klage nutzen, um den Firmen weitreichende Arbeitsplatzgarantien abzuringen.

Selbst wenn die Telekom auch diese Hürde nimmt, ist die künftige Wettbewerbssituation noch unklar.

Was passiert mit der Prepaid-Sparte Boost unter neuen Eigentümern?
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