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Chinatown in San Francisco

Die Angst wächst, die Umsätze brechen ein – an der Westküste fürchten viele einen Corona-Ausbruch.

(Foto: AFP)

Verbindung zu China gekappt Wie das Coronavirus das Silicon Valley lähmt

Eigentlich pflegt das Silicon Valley enge Beziehungen zu China. Doch die Furcht vor dem Coronavirus verändert das Leben im Herzen der Tech-Branche.
27.02.2020 - 16:25 Uhr Kommentieren

San Francisco Kaum eine Region der Welt ist so innig mit China verbunden wie das Silicon Valley. Amerikanische Unternehmen wie Apple oder HP lassen in Shenzhen und Guangzhou fertigen. Chinesische Unternehmen wie Lenovo, Huawei, Xiaomi oder Alibaba unterhalten große Dependancen in Nordkalifornien. Und der Hafen von Oakland, direkt neben San Francisco, ist der größte Umschlagplatz an der Westküste für den Warenaustausch mit Asien.

Doch die Angst vor dem Coronavirus bringt den Austausch mit China zum Stillstand. Die Flieger kommen kaum noch, die Waren auch nicht, Touristen, Manager, Einkäufer und Messebesucher bleiben aus. Nach Apple hat gerade Microsoft eine Umsatzwarnung für das Hardwaregeschäft herausgegeben: Der Nachschub kommt nicht wie geplant.

Den Druck spürt auch die Konferenz für Cybersicherheit des Anbieters RSA, die am Dienstag offiziell gestartet ist und noch bis Freitag läuft. Aus Angst vor dem Covid-19-Virus hatten im Vorfeld bereits acht amerikanische und sechs chinesische Aussteller abgesagt, darunter Branchengrößen wie IBM, AT&T oder Verizon. 40.000 Besucher werden erwartet, aber eine Prognose will niemand mehr abgeben.

Die Unsicherheit ist greifbar. Überall im Moscone Center sind kleine Spender mit Handdesinfektionsmitteln aufgestellt. Man soll sie nutzen, sich gut die Hände waschen und die üblichen Anstandsregeln beim Husten oder Niesen einhalten, so die Ansage. Die Säle bei Vorträgen sind gut besucht, aber auffällig ist, dass, wann immer möglich, noch mehr Sitze zum Nachbarn frei sind als sonst üblich. Atemmasken oder Handschuhe trägt aber niemand.

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    Nur Hände werden nicht mehr geschüttelt. Der „Fistbump“ ist neben der einfachen kurzen Verbeugung zur Begrüßung angesagt. Ob es was nutzt? Wer weiß das schon. Es geht um die Geste.

    Messen wie die RSA-Konferenz sind wichtig für die kalifornische Technologiebranche. Es geht nicht nur darum, Produkte zu zeigen und zu verkaufen, sondern auch ITler zu schulen. So stellen Hersteller wie RSA, Salesforce, Oracle, Microsoft oder AWS sicher, dass es genug Fachkräfte für ihre Produkte in den Unternehmen gibt. All das steht nun genauso in Frage wie die Lieferketten.

    Auf einem kleinen Empfang am Montag ist die Stimmung zu Beginn etwas frostig, aber Freibier, Essen und die Tricks eines unermüdlichen Magiers, um den sich schnell eine Traube von Zuschauern bildet, brechen das Eis. Bald ist an den Messeständen wieder Leben, werden Visitenkarten ausgetauscht, Produkte vorgeführt und Kugelschreiber verschenkt. Besucher aus Asien sind aber praktisch nicht präsent.

    Leere Cable Cars

    Der Dienstag beginnt sonnig und freundlich mit 21 Grad Celsius. Das ist San Francisco von seiner schönsten Seite. Trotzdem ist die weltberühmte Touristenattraktion „Cable Car“ leer. Wo sonst den ganzen Tag mindestens hundert Menschen stehen, um einen Platz in einem der historischen Wagen zu ergattern, gibt es nicht einmal eine Schlange. Niemand will in einem stickigen Wagen Schulter an Schulter an Fremde gepresst stehen, die jederzeit husten könnten. Der Stadt entgehen täglich Ticket-Einnahmen im fünfstelligen Bereich.

    Die Politik trägt nur bedingt dazu bei, die Verunsicherung zu verringern. Am Montag geht die Demokratin Nancy Pelosi, Sprecherin des Repräsentantenhauses, noch demonstrativ und ohne Mundschutz durch San Franciscos Chinatown und isst Dim Sum. Sonst ein Touristenmagnet, verzeichnen Restaurants und Geschäfte Umsatzeinbrüche von 50 Prozent und mehr. Es droht eine Konkurswelle, wenn das anhält.

    Bürgermeisterin London Breed wendet sich in einem Grußwort an die Teilnehmer der RSA-Konferenz und betont noch einmal, dass es bislang keinen einzigen Infizierten in der Stadt gebe. Doch schon am Mittwoch verhängt sie den lokalen Notstand über die Stadt. Rein vorsorglich, wird betont.

    Die Messeveranstalter zeigen trotzigen Optimismus. Die Spieleentwicklerkonferenz GDC will auf jeden Fall im März in San Francisco an den Start gehen, Google verschickt demonstrativ Einladungen für die Cloud-Konferenz Google Next im April, Facebook sagte eine interne Marketingkonferenz im Februar ab, hält aber an der Entwicklerkonferenz F8 weiter fest. Es ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Der durchschnittliche Messebesucher gibt fast 600 Dollar pro Tag aus.

    Wie lange sich das aufrecht erhalten lässt, ist fraglich. Bildungseinrichtungen und Unternehmen verschärfen ihre Reiserichtlinien und die großen Konferenzen werden auch live im Internet übertragen – wenn sie denn überhaupt noch stattfinden.

    Coronavirus könnte Zeitplan für neues iPhone gefährden

    Große Vorräte dank Trump

    Ausgerechnet Donald Trump, so die Analysten von Wells Fargo, hat derweil geholfen, die prekäre Lage auf den Beschaffungsmärkten zu entspannen. Unternehmen stockten vor den chinesischen Neujahrsfeiertagen ihre Lager in den USA überproportional auf, weil der US-Präsident permanent mit neuen Strafzöllen gedroht hatte.

    Das ist jetzt ein willkommener Puffer, um die Folgen des Stillstands der chinesischen Wirtschaft zeitweise zu kompensieren. Einige Waren kommen auch aus Vietnam. Gerade die IT- und Elektronikindustrie ist nach Einschätzung von Analysten aber immer noch von China abhängig.

    In San Francisco fallen derweil die Hotelpreise, in den Restaurants sind selbst während Großkonferenzen ohne Reservierung wieder Tische zu bekommen. Und wer mit der Cable Car fahren will, der kann das tun, ohne einen halben Tag zu warten. Nur einen Händedruck zu bekommen, das wird immer schwieriger.

    Mehr: Lieferanten reklamieren immer öfter höhere Gewalt, um Ansprüche ihrer Kunden abzuwenden. Doch Juristen warnen, dass es so einfach nicht ist.

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