Verkehr: Arabisches Mobilitäts-Start-up Swvl will mit Zukauf in Europa Fuß fassen
Door2door bietet sein selbst entwickeltes System vor allem Nahverkehrsbetreibern an.
Foto: Door2DoorBerlin. Die aus Ägypten stammende Mobilitätsfirma Swvl dringt auf den europäischen Markt vor. Das Start-up übernimmt dazu das Berliner Unternehmen Door2door, wie die Gründer Tom Kirschbaum und Maxim Nohroudi dem Handelsblatt am Donnerstag bestätigten. Gemeinsam wollen die Gesellschaften einen „globalen Mobilitätschampion“ schaffen. Zum Übernahmepreis machten die Parteien keine Angaben.
Swvl war in Deutschland bisher nicht aktiv. Gestartet ist das Unternehmen vor gerade einmal fünf Jahren in Kairo als Buchungsplattform für den Nahverkehr. Über die App von Swvl können Kunden Fahrten buchen, lokale Busfirmen sammeln sie dann ein und bringen sie zu ihrem Ziel. Ihren Dienst haben die Gründer um Vorstandschef Mostafa Kandil inzwischen auf weitere Länder in Afrika und Asien ausgeweitet.
Das Start-up gilt als eine der erfolgreichsten Gründungen Nordafrikas, seinen Sitz hat es inzwischen von Kairo nach Dubai verlegt. Nach einem aggressiven Wachstumskurs will Vorstandschef Kandil die Firma in der kommenden Woche an die Börse in New York führen. Dazu fusioniert Swvl mit einer bereits börsennotierten Mantelgesellschaft, einem sogenannten Spac. Swvl wird dabei mit 1,5 Milliarden Dollar bewertet.
Mit dem Erlös will das Unternehmen weitere Übernahmen finanzieren. „Mit dem Börsengang an der Nasdaq haben wir ausreichend Kapital und Schlagkraft für das Wachstum in neue Technologien, neue Märkte und neue Geschäftsfelder“, sagten Kirschbaum und Nohroudi. Nach dem Verkauf ihres Start-ups wollen sie weiter für die Firma tätig bleiben. Swvl will Door2door als Ganzes erhalten.
Mit dem Erwerb des Berliner Start-ups erweitert Swvl seine Technologiepalette. Anders als die App des Börsenaspiranten bietet Door2door Komplettlösungen für den Nahverkehr einer Stadt an. Per Software werden die einzelnen Fahrmittel – ob Bus, Taxi oder Kleinbus – aufeinander abgestimmt. Zu den Kunden zählen unter anderem München, Dublin und Münster.
Die Gründer wollen auch nach der Übernahme weiter für Door2door arbeiten.
Foto: dpaInsgesamt ist Door2door in zehn europäischen Ländern präsent. Neben der regionalen Expansion ist für Swvl vor allem die Technologie interessant. Während sich die Nordafrikaner mit ihrer Plattform direkt an den Endkunden richten, bieten Kirschbaum und Nohroudi ihre selbst entwickelten Softwarelösungen vor allem Nahverkehrsbetreibern an.
„Door2door und Swvl ergänzen sich strategisch zu 100 Prozent im Produktportfolio“, erklärten die Gründer. Einen Stellenabbau oder eine Schließung des Standorts Berlin sei nicht geplant.