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Vernetzter Haushalt Bosch Siemens Hausgeräte will Kunden mithilfe der App „Kitchen Stories“ anbinden

In der Konjunkturflaute setzt die Bosch-Tochter viele Hoffnungen auf ein Berliner Start-up. Hobbyköche können auf der Plattform auch eigene Videos einstellen.
Update: 31.10.2019 - 11:26 Uhr Kommentieren
In der Konjunkturflaute setzt die Bosch-Tochter viele Hoffnungen auf ein Berliner Start-up: Kitchen Stories. Quelle: Kitchen Stories
Kitchen Stories

In der Konjunkturflaute setzt die Bosch-Tochter viele Hoffnungen auf ein Berliner Start-up: Kitchen Stories.

(Foto: Kitchen Stories)

München Die Hausgeräte-Hersteller leiden unter der weltweiten Konjunkturabkühlung. Gerade erst hat Miele einen Konzernumbau mit zahlreichen Stellenstreichungen angekündigt. Viele Hoffnungen in der Branche richten sich daher auf die Digitalisierung: Backöfen und Küchenmaschinen mit Künstlicher Intelligenz und der vernetzte Haushalt sollen neue Kundschaft locken.

Bosch Siemens Hausgeräte (BSH) verspricht sich dabei viel vom vor zwei Jahren übernommenen Start-up „Kitchen Stories“: Es betreibt unter anderem eine Rezepte-App, die mit Bildern und Videos beim Kochen hilft und bald an die BSH-Plattform Home Connect angebunden werden kann. Eine Zukunftsvision: Der Kühlschrank vermeldet, was noch an Vorräten vorhanden ist. Die App sucht nach dem passenden Rezept, Küchenmaschine und Backofen werden dann entsprechend gesteuert.

Nutzer der Kochplattform können nun auch eigene Videos veröffentlichen. Damit werde man zur „deutschlandweit ersten videobasierten Food Community“, erklärte die BSH-Tochter an diesem Donnerstag. Zudem will Kitchen Stories verstärkt für Geschäftskunden digitale Marketing-Strategien rund um das Thema Küche entwickeln. „Kochen ist für die Digitalisierung sehr gut geeignet“, sagte Kitchen-Stories-Gründerin Verena Hubertz dem Handelsblatt, „weil es ein alltagsrelevantes sowie sehr emotionales und positives Thema ist“.

Bislang sind die Dienste der App kostenlos. Doch verwertet das Start-up die Nutzerdaten und kooperiert mit Werbepartnern. Zudem entwickelt das Unternehmen für Firmen passende Marketingstrategien und Digitalisierungs-Konzepte.

„Kitchen Stories bietet unseren Marken als Premium-Food-Plattform die passende kulinarische Bühne und den direkten Kontakt zu Millionen Hobbyköchen aus aller Welt“, sagte Jennifer Siegbert vom Kochgeschirr- und Messer-Hersteller Zwilling. In einem neuen „Workspace“ mit fünf Küchen und zwei Fotostudios können zudem auch Kunden-Events stattfinden.

Im vergangenen Jahr musste die Bosch-Tochter erstmals seit zehn Jahren einen Umsatzrückgang hinnehmen: dieser ist um gut drei Prozent auf 13,4 Milliarden Euro gesunken. Im Sommer musste Vorstandschef Carsten Ottenberg gehen. Dann hat Bosch-Manager Uwe Raschke die Geschäftsführung übernommen.

Druck durch asiatische Herausforderer

Die Unternehmen müssen derzeit den Spagat schaffen: Auf der einen Seite die Kosten wegen der Konjunkturflaute senken, aber auf der anderen Seite auch die Zukunftsinvestitionen in die Digitalisierung nicht vernachlässigen. Das zeigten auch die jüngsten Nachrichten von Miele. Der BSH-Konkurrent kündigte am Mittwoch den Abbau von 1070 Arbeitsplätzen an, darunter 240 Stellen in Deutschland. In wichtigen Märkten sei die Konjunktur eingetrübt, zudem gebe es starken Preisdruck vor allem durch asiatische Herausforderer.

Gleichzeitig kündigte Miele aber die „größte Wachstums- und Innovationsoffensive in der Geschichte des Unternehmens“ an. Der Konzern, der zuletzt rund 4,2 Milliarden Euro Umsatz erzielte, bündelte die Themen digitales Marketing, E-Commerce und Digital Analytics in einem neuen „Digital Hub Marketing & Sales“. Eine neue Geschäftseinheit „New Groth Factory“ soll außerdem neue Geschäftsfelder identifizieren. Einsparungen in Höhe von rund 190 Millionen Euro unter anderem durch den Stellenabbau sollen den wirtschaftlichen Spielraum für die neuen digitalen Aktivitäten schaffen.

Auch Bosch Siemens will in Sachen Digitalisierung vorn mit dabei bleiben. Im Juli kündigte das Unternehmen zum Beispiel einen ersten intelligenten Backofen an. Dieser soll ambitionierten Hobbyköchen helfen, den Braten zum richtigen Zeitpunkt aus dem Rohr zu nehmen.

Das Smart Home ist in der Branche schon seit Jahrzehnten ein großes Thema. Doch der intelligente Kühlschrank, der die Milch selbst nachbestellt, kam dann doch nicht. Inzwischen aber stoßen vernetzte Geräte, wie zum Beispiel die Waschmaschine, die sich per App steuern lässt, auf größeres Interesse. BSH hat auf dem Zukunftsmarkt eine recht gute Ausgangsposition. Der Konzern hatte bereits vor gut fünf Jahren die Plattform Home Connect gestartet, an die auch Geräte anderer Hersteller angebunden werden können. Eine siebenstellige Zahl von Geräten soll bereits angebunden sein.

Der Smart-Home-Markt dürfte in diesem Jahr laut Prognosen des US-amerikanischen Marktforschungsunternehmen IDC um mehr als ein Viertel auf mehr als 830 Millionen verkaufte Geräte wachsen. Dabei dominieren Amazon mit Alexa und Google Home mit ihren Assistenten, über die zum Beispiel das Licht gesteuert werden kann. Das IDC erwartet, dass der Markt in den nächsten Jahren im Schnitt um 17 Prozent wachsen dürfte.

Viele verschiedene Branchen drängeln nun auf das lukrative Geschäftsfeld: Die Hausgeräte-Hersteller auf der einen Seite, IT-Konzerne und Amazon auf der anderen. In umkämpften Märkten könnten Online-Gemeinschaften wie Kitchen Stories den Geräteherstellern dabei helfen, ihre Kunden enger an sich zu binden, sagte Hubertz. „Gerade in diesen Zeiten muss man sich überlegen, wie man weiter nach vorne gehen kann.“

Die Berliner BSH-Tochter erreicht laut Hubertz monatlich über alle Kanäle mehr als zwölf Millionen potenzielle Kunden. Der Ausbau des Angebots soll nun vor allem bessere Suchmaschinen-Ergebnisse liefern. „Bei Lasagne sind wir schon unter den Top drei“, sagt Hubertz.

Mehr: McKinsey entwickelte die Neuausrichtung des Miele-Konzerns mit. Die Umsetzung könnte zu einem Balanceakt für den Hersteller von Haushaltsgeräten werden.

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