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Video-App Trump stimmt vorläufigem Tiktok-Deal zu – Verwirrung um Milliardenzahlung

Die US-Regierung ist mit der Einigung zwischen Oracle, Walmart und der Tiktok-Mutter Bytedance zufrieden. China hat noch nicht zugestimmt, doch Trump hat einige Milliarden bereits verplant.
20.09.2020 - 12:23 Uhr Kommentieren
Der US-Präsident will verhindern, dass China auf die Tiktok-Daten von US-Nutzern zugreift. Quelle: AFP
Donald Trump

Der US-Präsident will verhindern, dass China auf die Tiktok-Daten von US-Nutzern zugreift.

(Foto: AFP)

San Francisco Am Samstagnachmittag, kurz vor vier Uhr an der US-Westküste, verschickte der Unternehmenssoftware-Anbieter Oracle eine Mitteilung an Journalisten. Darin berichtete Gründer und Technologievorstand Larry Ellison der Öffentlichkeit stolz von einem neuen Großkunden für sein Cloud-Geschäft.

„Tiktok hat Oracles neue Cloud-Infrastruktur der zweiten Generation gewählt, weil sie viel schneller, verlässlicher und sicherer ist als die Technologie der ersten Generation aller anderen Cloud-Anbieter“, ließ sich Ellison zitieren.

Warum nicht den weltweit mit Spannung erwarteten Deal nutzen, um ein bisschen Marketing für die im Vergleich mit jener Konkurrenz abgeschlagene Cloud-Abteilung zu machen, scheint sich der Manager gefragt zu haben. Doch die Entscheidung der chinesischen Kurzvideoplattform für Oracle hat sehr wenig mit Technologie, sondern vielmehr mit Geopolitik zu tun.

Nach wochenlangen Drohungen gegen Tiktok stimmte US-Präsident Donald Trump nun „dem Konzept“ des Deals zu, der kurz zuvor zwischen Oracle, dem Einzelhändler Walmart und Tiktoks in Peking ansässigem Mutterkonzern Bytedance ausgehandelt worden war.

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    Demnach beteiligt sich Oracle mit 12,5 Prozent an einem neu zu schaffenden Unternehmen Tiktok Global, das in den USA sitzen soll. Walmart erhält weitere 7,5 Prozent, die restlichen 80 Prozent bleiben bei Bytedance.

    Wie und in welcher Form die US-Konzerne für die Anteile bezahlen, ist nicht bekannt. Bytedance war bei Anteilsverkäufen zuletzt mit 140 Milliarden Dollar bewertet worden, allerdings betreibt das Unternehmen in China weitere erfolgreiche Apps. Für Tiktoks komplettes US-Geschäft stand in den vergangenen Wochen ein Betrag von 20 bis 30 Milliarden Dollar im Raum.

    Der Plan, nur das US-Geschäft vom Rest der Plattform abzuspalten und zu verkaufen, ist offenbar vom Tisch. Die neue Struktur gilt also auch für Europa, wo Tiktok ebenso wie in den USA nach eigenen Angaben rund 100 Millionen im Monat aktive Nutzer zählt.

    Kein Zugriff seitens Chinas

    Oracle wird Tiktoks „sicherer Cloud-Anbieter“ und die Tanz-, Sketch- und Karaokevideos hosten, die mehrere Hundert Millionen Tiktok-Nutzer täglich auf die Plattform laden. Tiktok hatte erst im Mai 2019 einen Cloud-Vertrag mit Google über 800 Millionen Dollar geschlossen. Ob dieser nun aufgelöst wird und eine Vertragsstrafe entsteht, erklärte Oracle bislang nicht.

    Als neuer Cloud-Anbieter soll Oracle sicherstellen, dass der chinesische Staat keinen Zugriff auf die Daten von Tiktok-Nutzern erhält. Mit diesem Vorwurf hatte die US-Regierung ihr Vorgehen gegen Tiktok begründet. Konkrete Beweise gab es dafür nicht, Bytedance hatte die Vorwürfe immer abgestritten.

    In einer Exekutivanordnung hatte Trump Anfang August ein Verbot von Tiktok angedroht, wenn bis zum Sonntag kein Verkauf von Tiktok an ein US-Unternehmen ausgehandelt worden wäre. „Ich habe dem Deal meinen Segen gegeben“, sagte Trump nun bei einer Wahlkampfveranstaltung in Fayetteville im Bundesstaat North Carolina. „Wenn sie es hinkriegen, ist das toll. Wenn nicht, ist es auch okay.“

    „Tiktok hat Oracles neue Cloud-Infrastruktur der zweiten Generation gewählt, weil sie viel schneller, verlässlicher und sicherer ist als die Technologie der ersten Generation aller anderen Cloud-Anbieter.“ Quelle: dpa
    Oracle-Gründer Larry Ellison

    „Tiktok hat Oracles neue Cloud-Infrastruktur der zweiten Generation gewählt, weil sie viel schneller, verlässlicher und sicherer ist als die Technologie der ersten Generation aller anderen Cloud-Anbieter.“

    (Foto: dpa)

    Die chinesische Regierung hat aber bisher noch keine Zustimmung signalisiert. China hatte mitten in den Verhandlungen Ende August ein Gesetz eingeführt, das den Export von Algorithmen einschränkt, was als Reaktion auf den erzwungenen Tiktok-Verkauf gewertet wurde.

    Tiktoks Empfehlungsalgorithmus gilt als die Stärke der Plattform gegenüber Konkurrenten wie Instagram. Er kann schon nach wenigen gesehenen Videos bestimmen, ob ein Nutzer Tanzvideos, Kochvideos oder Videos mit politischer Botschaft favorisiert, und zeigt ihm dann mehr von dieser Sorte. Wegen dieser Fähigkeit verbringen Tiktok-Nutzer besonders viel Zeit in der App, in den USA sind es im Durchschnitt 25 Minuten pro Tag.

    Frist wurde verlängert

    Laut Oracle wird Tiktok Global Zugriff auf Tiktoks Technologie haben. Würde China Bytedance die Übertragung des Algorithmus an das neue Unternehmen verbieten, wäre der Deal also erneut gefährdet. Ohne den Algorithmus hätte Tiktok Global zwar noch seine Nutzer, aber nicht die Technologie, die sie auf der Plattform hält.

    Weil der Deal vorläufig ist, verlängerte das US-Handelsministerium die Frist für eine endgültige Einigung um eine Woche. Ist der Deal bis dahin nicht geschlossen, droht Tiktok erneut das Verbot in den USA.

    Die Forderung der Trump-Regierung, dass Tiktok nicht mehr mehrheitlich aus China kontrolliert werden soll, wird durch den Deal nur indirekt erfüllt. Bytedance hält weiterhin die Mehrheit, allerdings gehören 40 Prozent an Bytedance US-Risikokapitalgebern wie Sequoia Capital, General Atlantic und Coatue Management.

    Im fünfköpfigen Board des neuen Unternehmens würden vier US-Amerikaner sitzen, darunter Walmart-CEO Doug McMillon, erklärten Oracle und Walmart in einer weiteren, gemeinsam verschickten Mitteilung.

    Laut Trump werde die Zentrale des Unternehmens voraussichtlich nach Texas verlegt, worum ihn Greg Abbott, der Gouverneur des Bundesstaates, zuvor in einem Tweet gebeten hatte. Bislang war das US-Geschäft der Plattform von der Entertainment-Hauptstadt Los Angeles aus gesteuert worden, wo viele der erfolgreichsten Influencer der Plattform leben.

    Zudem ist ein Börsengang von Tiktok Global innerhalb der nächsten zwölf Monate an einem US-Handelsplatz geplant. Dabei solle der Anteil, den US-Investoren an Tiktok Global halten, weiter steigen.

    Fünf Milliarden Dollar für die USA

    Trump hatte im Zuge der Verhandlungen einen Tribut an den US-Haushalt aus dem Kaufpreis für Tiktok gefordert. Diese Bedingung wird nun tatsächlich erfüllt: Tiktok Global werde fünf Milliarden Dollar an den amerikanischen Staat bezahlen, teilten Oracle und Walmart mit. Wer das Geld bereitstellt, ist bislang unklar. Tiktok soll bislang nicht profitabel sein, Bytedance dagegen soll 2019 drei Milliarden Dollar Gewinn gemacht haben.

    Trump sagte in Fayetteville, er wolle mit dem Geld einen Bildungsfonds finanzieren, der „patriotische Erziehung“ von Jugendlichen vorsieht. Eine Kommission, die Trump die „1776-Kommission“ nannte, soll einen Plan dafür entwerfen.

    Trump zielt damit offenbar auf das „Project 1619“ der „New York Times“ ab, das er zuletzt häufig kritisiert hatte. Die Zeitung hatte in einem mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Projekt die Geschichte der USA im Kontext der kollektiv verdrängten Folgen des Sklavenhandels neu erzählt. 1619 ist das Jahr, in dem die ersten Sklaven aus Afrika in den USA ankamen, 1776 das Jahr der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

    Der Bildungsfonds sorgt aber bereits für neue Verwirrung: Bytedance erklärte am Samstagabend, der Fonds sei nicht Teil der Verhandlungen gewesen. Man habe davon aus den US-Medien erfahren.

    Mehr: Donald Trump ging es nie um die Tiktok-Nutzer, meint Handelsblatt-Korrespondent Alexander Demling

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