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Video-Konferenzdienst Facebook will das bessere Zoom sein – das könnte klappen

Zoom hat durch die Coronakrise inzwischen über 300 Millionen Nutzer. Mark Zuckerberg will dem Videokonferenzdienst nun Konkurrenz machen.
25.04.2020 - 08:46 Uhr Kommentieren
Der Facebook-Gründer will Zoom angreifen. Quelle: AFP
Mark Zuckerberg

Der Facebook-Gründer will Zoom angreifen.

(Foto: AFP)

San Fransisco Für Facebook ist es eine kleine Blamage: Die Corona-Pandemie zwingt viele Millionen Menschen weltweit, in ihren Häusern zu bleiben. Kontakt zu Freunden ist nur noch virtuell möglich. Doch die App der Stunde ist Zoom, bis kürzlich ein relativ obskurer Videokonferenzdienst für Geschäftskunden gedacht. Seit dem globalen Krankheitsausbruch ist Zooms Nutzerzahl von durchschnittlich 10 Millionen auf 300 Millionen gestiegen. Die App war zeitweise die Nr. 1 in den App Stores. Es gibt Zoom-Schulstunden, Zoom- Hochzeiten, Zoom-Beerdigungen.

Natürlich werden auch Facebook Messenger, Instagram und WhatsApp um deutlich mehr genutzt als vorher. Facebook verkaufe zehnmal so viele „Portal"-Videotelefone und komme mit der Produktion kaum nach, sagt Mark Zuckerberg in einer auf Facebook übertragenen Videobotschaft am Freitagmittag.

Doch Zuckerberg will Zooms Kundenansturm auf seine Plattformen lenken und dabei von Zooms Fehlern und Versäumnissen profitieren. Er verspricht einfach zu nutzende Videokonferenzen mit Freunden und Familie ohne all die Datenschutz- und Privatsphäre-Probleme, die Zoom hatte und nun bekämpft – pikanterweise mit der Hilfe von Alex Stamos, Facebooks Ex-Cybersecurity-Vorstand, der das Unternehmen im Clinch verließ.

Facebook reiht sich damit in eine Gruppe von Tech-Konzernen wie Apple, Google, Microsoft oder Cisco ein, die Zooms plötzlichen Aufstieg beenden und an seine Stelle treten wollen. Zoom ist dank seiner einfachen Nutzung in den Wochen der weltweiten Ausgangssperren zu einer Art sozialem Netzwerk avanciert – ohne dass das Unternehmen das wirklich wollte.

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    Dass man anfangs nur einen Meeting-Link brauchte, um beizutreten, erwies sich als Segen und Fluch zugleich. Segen, weil es das Wachstum ermöglichte und Nutzer die App nun mitverbessern – etwa indem sie optische Hintergründe für Videocalls wie Palmenstrände erstellen und austauschen. Fluch, weil sie die als „Zoombombing“ bekannt gewordenen Überfälle von Fremden auf Videotreffen ermöglichten.

    Algorithmen gegen Zoombomber

    Zuckerberg scheint seine Entwickler darauf angesetzt zu haben, eine verbesserte „Zoom"-Kopie zu entwickeln: Nutzer der Messenger-App sollen „Rooms“ - virtuelle Räume für bis zu 50 Nutzer eröffnen können, die gleichzeitig spontane Begegnungen mit Freunden ermöglichen, aber „irgendeinen Onkel“, wie es Zuckerberg sagt, oder andere Facebook-„Freunde“ draußenhalten.

    Dabei soll Facebooks Künstliche Intelligenz und das Wissen um die Freundschaften und sozialen Bindungen seiner Nutzer helfen und offene Räume nur Freunden anbieten, die eine enge Bindung zum Organisator haben. Der Organisator kann die Sichtbarkeit der Räume kontrollieren, nicht in Facebook eingeloggte Gäste müssen einen Namen angeben, um „Zoombombing“ zu verhindern.

    Die populären Hintergründe, die bei Zoom statisch sind, will Facebook mit 360-Grad-Hintergründen übertreffen. Wer sich im „Room“ dreht, hinter dem verändert sich das Panorama. Auch Augmented-Reality-Elemente, etwa wenn ein Nutzer Geburtstag hat oder Licht, das sich mit der Stimmung verändert, soll die Umgebung interessanter machen als Zooms digitale Fototapeten.

    Auf WhatsApp sollen ab kommender Woche Videochats mit acht statt bisher vier Teilnehmern gleichzeitig möglich sein. WhatsApps 2018 eingeführte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die besondere Privatsphäre garantiert, soll dabei aufrechterhalten werden, was technisch mit einer wachsenden Zahl von Teilnehmern immer schwieriger wird.

    Zoom hatte einst Ende-zu-Ende-Verschlüsselung seiner Calls versprochen, aber nicht eingehalten. WhatsApp sei der einzige Ende-zu-Ende-verschlüsselte Videotelefon-Dienst, der auf der ganzen Welt verbreitet und auf beiden großen Smartphone-Betriebssystemen verfügbar ist, sagt Zuckerberg. Ein Seitenhieb gegen Apples „Facetime“ und Googles „Hangouts“, die Zooms Aufstieg auch nicht verhindern konnten. „Wem Sicherheit wichtig ist und wer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung möchte, der nutzt wahrscheinlich WhatsApp“, sagt der 35-Jährige.

    Erfolgreiche Konkurrenten zu kopieren gehört seit jeher zu den Strategien des Facebook-Gründers. Nachdem der Konkurrent Snap das „Stories“-Format erfunden hatte, mit dem Nutzer ihrem ganzen Freundeskreis ein Statusupdate schicken können, kopierten nach und nach Instagram, WhatsApp und Facebook die Idee und bremsten Snap Wachstum aus. Andere Kopien brachten weniger: Der „Tiktok“-Abklatsch „Lasso“ ist seit Entwicklung ein einsamer App-Zombie praktisch ohne Nutzer.

    Doch „Rooms“ hat mehrere Vorteile, die dem Feature zum Durchbruch verhelfen könnten: Facebook baut es auf seiner bestehenden App mit 1,3 Milliarden Nutzern auf, WhatsApp hat sogar noch mehr Nutzer. Während Zoom ein Freemium-Produkt anbietet, das kostenlose Telefonate nur bis 40 Minuten zulässt, ist Facebook für Endnutzer ohnehin kostenfrei.

    Den inhärenten Widerspruch zwischen einfachem Gebrauch und einfachem Missbrauch können zwar selbst die besten Entwickler der Welt nicht aufheben. Aber während Zoom quasi ohne Vorwissen unterscheiden muss, wer ein erwünschter Gast und wer ein potenzieller „Zoombomber“ ist, weiß Facebook mehr als jedes andere Unternehmen über die sozialen Beziehungen seiner Nutzer. Zoom schreibt inzwischen Passwörter für Zoom-Meetings vor, was die Nutzung wiederum erschwert.

    Und schließlich scheint Facebooks Kontrahent in diesem Fall noch nicht mal sicher zu sein, ob es seine neuen Nutzer nicht gleich kampflos aufgeben will. Zooms Chief Information Officer Harry Moseley sagte dem Handelsblatt kürzlich, man sei noch nicht festgelegt, ob es nach der Corona-Pandemie nicht wieder vor allem ein Dienst für Unternehmen sein oder weitere Features für Privatnutzer entwickeln will.

    „Unsere DNA ist ein Produkt für Unternehmen“, sagte Moseley. Bis Ende Juni will Zoom erst mal gar keine neuen Features entwickeln, sondern seine Sicherheitsprobleme beheben. Viel Zeit für Facebook, um das neue Zoom zu werden.

    Mehr: Die Coronakrise wird Google, Apple, Facebook und Amazon noch mächtiger machen. Eine strikte Wettbewerbskontrolle ist nun wichtiger denn je.

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