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Videokonferenzen Mit dieser Strategie will Cisco den Superstar Zoom einholen

Einfache Bedienung, gerechte Gesprächszeit, Geräuschunterdrückung: Virtuelle Meetings können zehn Mal besser sein als persönliche, sagt Cisco-Vorstand Jeetu Patel.
07.02.2021 - 13:12 Uhr 1 Kommentar
Der Aktienkurs stagniert seit Jahren. Quelle: Reuters
Cisco

Der Aktienkurs stagniert seit Jahren.

(Foto: Reuters)

San Francisco Vier Klicks, diese Zahl ist für Jeetu Patel alles. So viele soll ein neuer Nutzer brauchen, um sich in eine Webex-Videokonferenz einzuwählen. Als Jeetu Patel im Juni als Vorstand des Technologiekonzerns Cisco anfing, waren es noch sieben.

Für Patel ist das ein Erfolg, der Milliarden Dollar wert sein kann. Mit Corona boomt das Homeoffice, Videokonferenzen gehören auf einmal zum Alltag. Doch Webex konnte weniger als Zoom oder Teams davon profitieren: zu wenig bedienungsfreundlich, zu wenig an die Cloud angebunden. Dazu kommen Sicherheitsbedenken, die aber laut Experten nicht größer sind als bei der Konkurrenz.

Zoom ist in aller Munde, der Aktienkurs ging raketenhaft nach oben – während der von Cisco seit einigen Jahren auf der Stelle tritt. Besonders schmerzhaft für Cisco: Den neuen Konkurrenten gründete der einstige Webex-Manager Eric Yuan, nachdem er sich mit seinen Ideen bei Cisco nicht durchsetzen konnte.

Nun besitzt Zoom einen Börsenwert von mehr als 100 Milliarden Dollar, bei einem für 2021 geschätzten Jahresumsatz von 2,6 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Cisco kommt auf eine Marktkapitalisierung von 188 Milliarden Dollar – mit einem erwarteten Erlös von knapp 49 Milliarden Dollar.

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    Cisco erzielt rund die Hälfte seines Umsatzes mit Hardware wie den Routern und Switches – dem Kern der Internetinfrastruktur oder von Firmennetzwerken. Dieses stagnierende Geschäft versucht Cisco seit mehr als zehn Jahren mit dem Zukauf von Diensten wie Webex oder mehreren Cybersecurity-Anbietern zu steigern.

    Jetzt will Cisco mit Webex in die Offensive gehen – mit neuen Funktionen und einfacher Bedienung. Laut Patel vervielfachte sich schon jetzt die Zahl seiner Konferenzteilnehmer seit Beginn der Pandemie auf mehr als 600 Millionen. Aktuelle Zahlen gibt es nicht von Zoom, die Firma sprach aber im Frühjahr 2020 von 300 Millionen Teilnehmern. In den Markt drängt auch Microsoft mit Teams, das vor wenigen Monaten eine Teilnehmerzahl von 115 Millionen meldete.

    Als Vorstand für Ciscos Kollaborations- und Sicherheitssoftware will Patel die nächste Phase der Transformation gestalten. „Wir glauben, dass virtuelle Meetings zehn Mal so gut sein können wie persönliche“, sagt er dem Handelsblatt in einer Videoschalte. Während der gebürtige Inder spricht, transkribiert neben dem Fenster mit seinem Kopf die Webex-Software jedes Wort mit – nicht perfekt, aber so, dass jede Schreibkraft Angst um ihren Job bekommen muss.

    Patel glaubt, dass sich die Zukunft der Arbeit gerade grundlegend ändert: „Wir werden manchmal im Büro arbeiten, manchmal zu Hause, manchmal dazwischen“, sagt der Manager. Provisorische Konferenzen im Schlafanzug müssten in neue Arbeitsroutinen übergehen. IT-Abteilungen müssten sich auf eine Realität einstellen, in der jedes Heim-WLAN mit „1234“-Passwort zum Angriffspunkt für Cyberkriminelle werden kann.

    Den Staubsauger ausgeblendet

    Die „immersive Erfahrung“ von Meetings, die Patel anstrebt, scheitert aber oft am Alltag: Mal klingelt es an der Tür, dann schreit das Kind dazwischen. Im Oktober hat Cisco das Start-up Babble Labs übernommen. Dessen Nutzen demonstriert Patel mit einem Handstaubsauger, den er unter seinem Schreibtisch deponiert hat. Er schaltet das Gerät an, der Lärm ist groß. Dann klickt Patel auf einen Button in Webex. Plötzlich ist wieder nur seine Stimme zu hören.

    Geräuschunterdrückung haben Zoom oder Microsoft Teams allerdings auch schon. Die Konkurrenten, die von der Krise bislang am meisten profitieren, entwickeln ihre Dienste auch von Videoschalten zu umfassenden Meetingbühnen: Microsoft hat gerade die Funktion „Dynamic View“ in Teams vorgestellt, mit der Präsentationen leichter eingebunden werden sollen. Zoom dagegen soll daran arbeiten, eigene E-Mail- und Kalenderfunktionen in seine Software zu integrieren.

    Patel ist das, was sie im Silicon Valley einen „Product Guy“ nennen. Einer, der es liebt, die Nutzererfahrung mit neuen Funktionen zu verbessern und darüber zu reden. „Roundtable“ sei so eine Funktion, die virtuelle Meetings besser als die vor Ort machen könne. „Oft saugen die Extrovertierten die ganze Luft aus dem Raum, kein anderer kommt zu Wort“, sagt der Manager.

    Roundtable gebe dagegen jedem Teilnehmer zwei Minuten Sprechzeit, bevor jemand ein zweites Mal etwas sagen darf – die Inspiration dafür komme vom Obersten Gerichtshof der USA, dessen neun Richter bei Anhörungen eine ähnliche Regel haben. „Wir können ein Unternehmen mit Software inklusiver machen“, sagt Patel. Meetings mit Avataren in der virtuellen Realität kann sich Patel dagegen erst in ein paar Jahren vorstellen. „Die Software dafür ist einsatzbereit, aber die Hardware muss noch nutzerfreundlicher werden. Wir werden da viel Innovation erleben.“

    Der Meetingraum erkennt, wenn er zu voll ist

    Patel sieht eine Chance, Ciscos Hardware-Hintergrund für eine breit angelegte Neuerfindung des Büros zu nutzen. Ein Bildschirm mit KI-Assistent und Gesichtserkennung, an den Mitarbeiter ihren Laptop anschließen können, soll den persönlichen Schreibtisch ersetzen und Informationen über die Auslastung von Großraumbüros sammeln.

    In Meetingräumen, wo Cisco bislang schon Telefonanlagen einbaut, installiert das Unternehmen nun auch Sensoren, die erkennen, ob das Meeting die zulässige Kapazität des Raums sprengt und ein Corona-Risiko darstellt. Eine Pushnachricht aufs Smartphone des Organisators bietet dann an, einen größeren Raum zu buchen.

    Wenn die Pandemie einmal ausgestanden ist, sollen die Sensoren an Cisco-Geräten messen, ob ein Raum desinfiziert oder gereinigt wurde und bei Bedarf automatisch einen Putztrupp anfordern. „Hygiene wird den Menschen nach Covid noch wichtiger sein als vorher“, sagt Patel.

    Die Krise hat auch eine andere Form der Hygiene in den Fokus gerückt – die der Unternehmensnetzwerke. „Die Angriffsfläche für Hacker ist exponentiell gewachsen“, sagt der Cisco-Manager. Durch den Trend zum Cloud-Computing kommuniziere „alles mit allem“, sensible Informationen würden in der hybriden Arbeitswelt nach Corona noch häufiger in ungeschützten Netzwerken in Coffeeshops offenliegen.

    Patels Lösung klingt kontraintuitiv: „Das unsicherste System“, sagt er, „ist ein sehr sicheres System, das zu kompliziert ist.“ Der Manager nennt Passwörter als Beispiel: Um sicher zu sein, würden Passwörter so lang und abstrakt, dass sie als Post-it am Bildschirm kleben, was wiederum ihren Sinn raubt.

    An ihrer Stelle will Cisco das Verhalten von Nutzern kontinuierlich auswerten. Zugang wird dann auf Basis typischer Nutzungsmuster gewährt statt nur durch ein Passwort – ähnlich wie Banken ungewöhnliche Überweisungen stoppen, selbst wenn der richtige PIN-Code eingetippt wurde. Auch eine biometrische Lösung wie ein Irisscan könne Passwörter unnötig machen.

    Am Ende könnte Patel das Büro zu einem guten Teil revolutioniert haben – und das Geschäft von Cisco gleich mit.

    Mehr: Homeoffice-Pflicht light: Was Arbeitgeber und Beschäftigte jetzt wissen müssen

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    1 Kommentar zu "Videokonferenzen: Mit dieser Strategie will Cisco den Superstar Zoom einholen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Schön, aber jitsi.org oder BigBlueButton brauchen keine separate Installation aus nicht vertrauenswürden Quellen (wie Wbex, Zoom oder Teams), laufen auf so ziemlich allen Browsern (Webex nur auf Chrome(ium)), können selbst gehostet werden und spionieren ihre Anwender nicht aus (Teams jemand?)

      Komischerweise werden diese Alternativen gerne totgeschwiegen...

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