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Videoplattform Microsoft bestätigt Interesse an Tiktok – Trump setzt 45-Tage-Frist für Übernahme

US-Präsident Donald Trump droht damit, Tiktok in den USA zu verbieten. Microsoft möchte dennoch bis September einen Übernahmedeal ausgehandelt haben.
03.08.2020 Update: 03.08.2020 - 06:45 Uhr Kommentieren

Trump setzt 45-Tage-Frist für Tiktok-Verkauf an Microsoft

Redmond, Washington, New York Ein Übernahmemanöver des Software-Giganten Microsoft könnte das von US-Präsident Donald Trump angedrohte Verbot der Videoplattform Tiktok womöglich doch noch verhindern. Microsoft bestätigte am Sonntag (Ortszeit) erstmals, den Zukauf des US-Geschäfts von Tiktok anzustreben. Konzernchef Satya Nadella und Trump hätten sich darüber ausgetauscht, nun wolle Microsoft weitere Gespräche mit dem chinesischen Tiktok-Eigentümer Bytedance führen. Ziel sei es, bis zum 15. September einen Deal zu vereinbaren.

Bytedance steht unter hohem Druck, Tiktoks US-Geschäft zu verkaufen, da Trump wegen Sicherheitsbedenken ein Verbot der beliebten App in den Vereinigten Staaten angekündigt hat. Die US-Regierung fürchtet, dass über Tiktok Daten von US-Bürgern in die Hände der chinesischen Kommunistischen Partei geraten. Trump will Pekings Einfluss in den USA mit aller Macht zurückdrängen, auch andere chinesische Konzerne wie die Telekomriesen Huawei und ZTE bekamen dies schon zu spüren.

Sollte jedoch ein US-Unternehmen Tiktoks Geschäft in den Vereinigten Staaten übernehmen, so könnte die App dort weiter eine Zukunft haben. Bytedance bemüht sich deshalb schon länger, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen. Über ein Interesse von Microsoft hatten US-Medien bereits am Freitag berichtet, danach äußerte sich Trump jedoch zunächst ablehnend und bekräftigte seine Verbotsabsicht. Nun meldete sich Microsoft erstmals offiziell zu Wort.

Der Konzern erklärte, die Einwände Trumps ernst zu nehmen, den Übernahmeplan aber nach dem Gespräch zwischen Vorstandschef Nadella und dem Präsidenten weiter zu verfolgen. Das deutet auf ein Entgegenkommen Trumps und eine mögliche Einigung hin. Zuvor hatte das „Wall Street Journal“ noch unter Berufung auf Insider berichtet, dass die Verhandlungen zwischen Microsoft und Bytedance wegen des Widerstands aus dem Weißen Haus vorerst gestoppt worden seien.

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    Trump habe Bytedance eine 45-tägige Frist eingeräumt, um einen Verkauf der App an Microsoft auszuhandeln, erklärten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen am Sonntag. Sein Finanzminister Steven Mnuchin hatte zuvor lediglich gesagt, es herrsche überparteilich Einigkeit darüber, dass Tiktok nicht in der jetzigen Form in den USA bestehen bleiben könne.

    Grafik

    US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Sonntag dem Sender Fox News, Trump werde „in den kommenden Tagen Maßnahmen in Bezug auf ein breites Spektrum nationaler Sicherheitsrisiken ergreifen, die durch Software in Verbindung mit der chinesischen Kommunistischen Partei entstehen“. Unternehmen wie Tiktok oder WeChat würden Daten an die Kommunistische Partei weiterleiten. „Es könnten ihre Gesichtserkennungsmuster sein. Es könnten Informationen über ihren Wohnort, ihre Telefonnummern, ihre Freunde sein, mit wem sie verbunden sind“, meinte Pompeo.

    Microsoft will nicht nur das US-Geschäft übernehmen

    Microsoft betonte, dass eine Übernahme nur im Einvernehmen mit der Regierung und im Zuge einer Sicherheitsprüfung sowie klarer Belege für einen Nutzen der US-Wirtschaft infrage käme. Der Dialog mit der Trump-Regierung solle während der weiteren Gespräche mit Bytedance in den kommenden Wochen fortgeführt werden. Microsoft will der Mitteilung nach allerdings nicht nur das US-Geschäft von Tiktok übernehmen, sondern auch das in Kanada, Australien und Neuseeland.

    Dabei sei der Konzern auch offen gegenüber anderen Investoren, die sich als Minderheitspartner beteiligen. Damit könnte sich eine Tür für eine Reihe bestehender amerikanischer Anteilseigner von Bytedance um den Wagniskapitalgeber Sequoia Capital öffnen, die wegen des drohenden Verbots der US-Regierung angeblich ebenfalls schon seit Längerem eine Übernahme auf eigene Faust anstreben. Microsoft betonte aber, dass die Verhandlungen in einem vorläufigen Stadium seien und es keine Sicherheit gebe, ob letztlich eine Einigung erzielt werde.

    Tiktok ist eine international erfolgreiche Videoplattform, die in 65 Sprachen auf 175 Märkten angeboten wird. Nutzer können dort selbst erstellte Clips hochladen oder die von anderen ansehen. In Festland-China gibt es nur die zensierte Version Douyin. Tiktok versichert, es gehe der Plattform um kreative Inhalte, bei der „Privatsphäre und Sicherheit“ geschützt würden. Chinas Regierung habe keinen Zugriff auf Nutzerdaten und habe dies auch nie verlangt. Die Nutzerdaten würden in den USA gespeichert und verarbeitet.

    In den USA hat Tiktok nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer und ist damit ein äußerst attraktives Übernahmeziel. Microsoft könnte aus dem politischen Gerangel um die App somit als lachender Dritter hervorgehen – zu dem Softwarekonzern gehört bereits das soziale Berufsnetzwerk LinkedIn.

    Tiktok verzeichnet rasantes Wachstum und gilt schon länger als angesagteste große Plattform bei jüngeren Leuten. Wie viel Microsoft für Tiktok zahlen müsste, ist bislang unklar. Es dürfte aber um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen.

    Mehr: Nach Intervention von Trump: Tiktok zeigt sich zu Zugeständnissen bereit

    • dpa
    • rtr
    • ap
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