Virtuelle Boomtown kriselt Geisterstadt für Space-Cowboys

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Überall in Second Life begegnet man Damen und auch Herren, die ihre Begleitdienste offerieren – für zwei bis zehn US-Dollar Stundensatz. Zwischen höflicher Konversation und Sado-Maso-Cybersex ist alles drin. Die andere Möglichkeit: Man begibt sich in ein Pornokino. Für zehn US-Cent die Stunde gibt es dort Hardcore-Sexstreifen. Nein, nicht Avatar-Pornos – ganz reale. In ordentlicher Bildqualität. Ohne Altersüberprüfung.

Da passt es, wenn Second-Life-Experte Castranova sagt: „Wir können und sollten synthetische Welten als grundlegend unregulierte Spielplätze für ökonomische Organisationen sehen.“ Denn ebenso wie die Porno-Industrie die Regeln der Altersbeschränkung aushebelt, passiert dies an vielen Stellen der virtuellen Wirtschaft.

Auch bei Andreas Frankfurter, dem Elektro-Bullen-Programmierer. Seine Gewinne aus dem Rodeo-Spielzeug hat er investiert in Land. „Während der WM habe ich gemerkt, wie populär Sportwetten in Deutschland sind“, erzählt er. Sein derzeitiges Digital-Reich ist ein hoher Saal mit lauter Sportereignissen und zugehörigen Quoten – ein Wettsaal. Er hat eine Software entwickelt, die von Online-Buchmachern Quoten abruft und in Second Life stellt. Nun können Avatare um Linden-Dollar bei ihm wetten.

200 Stammkunden hat das noch junge Angebote, viele davon aus den USA – denn dort sind Onlinewetten seit kurzem verboten. „Es gab auch schon Profi-Buchmacher, die angefragt haben, ob ich meine Software verkaufe“, sagt Frankfurter. Gerade hat er von den Wetterlösen ein größeres Stück digitales Land erworben, auf dem bald ein ganzes Stadion mit Wettangeboten stehen soll.

Diese neuen Rechtsfragen sind noch das Interessanteste an Second Life. Sind digital hergestellte Güter Eigentum des Produzenten oder des Spielveranstalters? Müssen Gewinne aus Second Life versteuert werden, wenn sie in Linden-Dollar erwirtschaftet werden?

„Second Life ist ein Hype“, glaubt der Tel Aviver Wissenschaftler Sivan. „Aber es ist ein Anfang. Wir sehen hier den ersten Schritt eines neuen Internets. Bis das aber Realität wird, braucht es sicher noch 15 Jahre.“

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