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Virtueller Spielecomputer Cloud-Gaming soll den teuren Spiele-PC ersetzen

Beim Cloud Gaming übernimmt ein virtueller Computer die Rechenarbeit. So laufen auch technisch anspruchsvolle Spiele auf einem Billig-Notebook oder dem Smartphone.
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  • dpa
Die meisten Cloud-Gaming-Dienste funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Abo abschließen, App runterladen und losspielen - wie hier mit Shadow fürs Smartphone. Quelle: dpa
Cloud-Gaming fürs Smartphone

Die meisten Cloud-Gaming-Dienste funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Abo abschließen, App runterladen und losspielen - wie hier mit Shadow fürs Smartphone.

(Foto: dpa)

Der Wind weht sanft durch die Waldhänge Montanas, in der Ferne hetzt ein Berglöwe seiner Beute nach. Aber eigentlich ist der Spieler gerade auf der Flucht vor einem schaufelschwingenden Wahnsinnigen: Willkommen in „Far Cry 5”, einem der technisch anspruchsvolleren Spiele dieses Jahres.

Für volle Details ist ein leistungsstarker Spiele-PC Pflicht. Aber im Business-Bereich der Videospielemesse Gamescom (noch bis 25. August) läuft „Far Cry 5” in ansehnlicher Grafikpracht auf einem unscheinbaren Notebook für 200 Euro. Wie kann das sein?

„Wir haben in einem Elektronikmarkt nach dem günstigsten Modell gefragt”, sagt Emmanuel Freund, Gründer des französischen Unternehmens Blade. Mit dem Billigrechner will Freund vor allem eines zeigen: In naher Zukunft wird es egal sein, welchen Computer oder welche Konsole jemand hat, es werden auch die neuesten und anspruchsvollsten Spiele darauf laufen. Denn Blade vermietet virtuelle Computer.

Das geht so: Man schließt ein Abo ab, lädt eine App herunter und legt los. Bei jeder Anmeldung wird im Rechenzentrum ein virtueller Computer zusammengestellt.

Spinnenmann und fliegende Mutanten - Die Spiele-Highlights der Gamescom
Spider-Man
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Als wohl größter neuer PS4-Titel des Jahres erscheint „Spider-Man” am 7. September. Das Open-World-Spiel lässt Spieler in die Rolle des Spinnenmannes, aber auch von Peter Parker und Mary Jane schlüpfen. Im Mittelpunkt stehen natürlich Kämpfe gegen zahlreiche Bösewichte, bei denen allerlei Spinnenfähigkeiten zum Einsatz kommen. Auch neue Spider-Man-Anzüge mit individuellen Fähigkeiten sollen sich herstellen lassen.

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Spider-Man
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Die Handlung stützt sich nicht auf bestehende Spider-Man-Geschichten, sondern erzählt eine neue Episode aus dem Leben des selbst ernannten Beschützers von New York City. Mit dabei sind trotzdem zahlreiche beliebte und nicht so beliebte Figuren wie Kingpin, Rhino, Vulture oder Scorpion. „Spider-Man” ist vorerst ein PS4-Exklusivtitel.

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Fallout 76
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Die „Fallout”-Reihe setzt das Thema verheerender Atomkrieg und seine Folgen seit 1997 mit makabrem Humor in Pixel um. Der jüngste Ableger „Fallout 76” spielt 25 Jahre nach der nuklearen Apokalypse. Spieler sollen als Bewohner eines Atombunkers das verwüstete West Virginia erkunden, können allein oder mit Freunden Aufgaben lösen, bauen Siedlungen und verteidigen sie gegen gruselige Mutanten und menschliche Plünderer.

Erstmals gibt es keinen eigentlichen Einzelspielermodus mehr, vielmehr kämpfen sich alle zusammen online durch dieselbe Spielwelt. Inwiefern das spannende Konzept aus Multiplayer, Erkunden und Bauen funktioniert, wird sich ab dem 14. November zeigen. Dann erscheint „Fallout 76” für Windows-PC (PC), Xbox One (Xbox) und Playstation 4 (PS4).

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Mutant im Anflug
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Unter anderem gegen solche geflügelten Mutanten müssen sich Spieler in Fallout 76 wehren.

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Anno 1800
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Städte bauen, Handel treiben, die Welt entdecken. Das neue „Anno 1800” bringt das bekannte Konzept der Serie in das 19. Jahrhundert. Als Verwalter eines Reiches startet man bei null, errichtet erste Häuser, Marktplätze und Sägewerke, später folgen Eisenhütten, Dampfschiffe und Kohlegruben. Neu ist, dass die soziale Komponente viel stärker ins Spiel integriert ist. Die Bürger der Stadt zählen mehr als in früheren Teilen und wollen ihre Bedürfnisse und Wünsche erfüllt sehen. Ob die Spieler aber ihre Arbeiter hegen und pflegen oder ausbeuten, entscheiden sie selbst – mit allen Konsequenzen.

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Anno 1800
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Auch neu: Stadtplaner mit Sinn für Ästhetik werden belohnt. Im Spiel wird honoriert, wie schön und attraktiv eine Stadt ist, was wiederum neue Siedler und Touristen anlockt. Neue Tiere, Ressourcen oder Artefakte für die Zoos, Fabriken und Museen der Stadt gibt es über ausgesandte Expeditionen – oder über den Handel mit anderen Nationen. Ursprünglich noch für dieses Jahr angekündigt, wird „Anno 1800” wohl nun erst am 26. Februar für den PC erscheinen.

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Pokémon Let's Go Evoli
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Die gelben, roten und blauen „Pokémon”-Spiele für den Gameboy waren um das Jahr 2000 ein Muss für Fans der Serie. Fangen, trainieren, Duelle und viele kleine Abenteuer sorgten für stundenlangen Spielspaß – die krümelige Gameboygrafik war da kein Hindernis. Mit „Pokémon Let's Go Evoli” und „Pokémon Let's Go Pikachu” will Nintendo an diese Tradition anknüpfen,natürlich mit den wesentlich besseren technischen Möglichkeiten der Nintendo Switch.

(Foto: dpa)

„Ziel ist, dass Nutzer kein eigenes Gerät mehr brauchen”, sagt Freund. Denn Zugang zu Shadow, so der Name des Dienstes, gibt es vom Notebook, Mac, Smartphone, Tablet oder von einer Zugangsbox aus. Auf dem virtuellen Rechner können Nutzer installieren und spielen, was sie wollen. Alle anspruchsvollen Arbeiten erledigt das Rechenzentrum, Spieler streamen auf ihre Geräte nur noch das bewegte Bild.

„Cloud Gaming ist der nächste Schritt”, sagt Felix Falk, Geschäftsführer beim Branchenverband Game. Er sieht solche Angebote als niedrigschwellige Lösung auch für Gelegenheitsspieler. Jeder könne so unabhängig von der Hardware seine Wunschtitel spielen. Statt einer einzelnen großen Investition in einen teuren Gaming-PC alle paar Jahre würden viele künftig monatlich zahlen, sagt er voraus. Dafür erhalten sie Zugang zu Spiele-Bibliotheken, wie es jetzt schon bei Video-Streamingdiensten üblich ist. Der Vorteil: eine hohe Verfügbarkeit von Spielen und alle Spielstände auf allen Geräten.

Doch noch gibt es Hindernisse. Schaut man in Deutschland auf den Breitbandausbau, ist Cloud Gaming zwar ein schöner Gedanke. Für eine Massennutzung ist das Netz aber längst nicht bereit. Trotzdem sieht auch Jörg Müller-Lietzkow von der Universität Paderborn die Spiele-Zukunft zum Teil im Rechenzentrum. „Was wir heute von Amazon-Prime, Netflix oder dem Apple-TV kennen, werden wir auch bei Spielen sehen”, sagt er. „Das geht aber nur, wenn der Breitbandausbau wie geplant vorangeht.”

Aus dem Rechenzentrum auf den Laptop: Ein Gamescom-Besucher probiert die Cloud-Gaming-Plattform GeForce Now aus. Quelle: dpa
Cloud-Gaming-Plattform GeForce Now

Aus dem Rechenzentrum auf den Laptop: Ein Gamescom-Besucher probiert die Cloud-Gaming-Plattform GeForce Now aus.

(Foto: dpa)

Bandbreite ist das entscheidende Kriterium für den Erfolg von Cloud Gaming. 10 Megabit pro Sekunde (MBit/s) braucht es laut Emmanuel Freund mindestens für ruckelfreies Spielen in HD-Auflösung, für Full-HD sind es schon 25 bis 50 MBit/s, und wer in 4K spielen will, braucht eine Internetleitung jenseits der 50 MBit/s. Bandbreiten, die in etlichen Teilen Deutschlands noch längst nicht Standard sind.

Neben Blades Shadow-Dienst gibt es noch weitere Cloud-Gaming- oder Streaming-Angebote für Games. Etwa Playstation Now, den Xbox Gamepass oder Origin Access. Auch Grafikkartenriese Nvida etabliert mit Geforce Now eine Streamingplattform. Anders als Blade richten sich die US-Amerikaner stärker auf den reinen Spiele-Service aus. Spieler können hier auf einen festen Katalog mit mehr als 200 Spielen zugreifen oder eigene Spiele von anderen Dienstleistern verknüpfen, erklärt Sridhar Ramaswamy von Nvidia. Aktuell ist der Dienst in einer offenen Testphase bis zum Ende des Jahres. Wie es dann weitergeht und was Geforce Now einmal kosten wird, verrät Nvidia noch nicht.

Bei Blade ist man da schon etwas weiter. Rund 30 Euro im Monat, also 360 Euro im Jahr, verlangen die Franzosen für den Cloud-Computer. Rechnet man das auf die Laufzeit eines Gaming-Computers inklusive neuer Austauschhardware hoch, unterscheiden sich die Preise am Ende nicht groß. Dennoch kann sich Cloud-Gaming für den Spieler lohnen. Denn so hat er immer aktuelle Hardware zur Verfügung. „Ich glaube, dass Spieler bereit sind, dafür zu bezahlen”, sagt Jörg Müller-Lietzkow. Er rechnet damit, dass sich die Angebote bei Monatspreisen von 15 bis 20 Euro einpendeln werden.

Darüber lassen sich etwa auch anspruchsvolle Spiele am Fernseher zocken. Quelle: dpa
Shadow-Box von Blade

Darüber lassen sich etwa auch anspruchsvolle Spiele am Fernseher zocken.

(Foto: dpa)

Trotz der kommenden Cloud-Gaming-Anbote dürfte der klassische Gaming-PC in absehbarer aber nicht aussterben. Dazu basteln zu viele Gamer einfach viel zu gerne an ihren Geräten, meint Felix Falk, Geschäftsführer beim Branchenverband Game. Es werde immer eine Zielgruppe geben, die Spitzenhardware besitzen wird. Und auch die Konsole hat noch nicht ausgedient.

„Konsolen werden in den nächsten Jahren nicht überflüssig werden, sondern sich eher an die Wünsche der Verbraucher anpassen”, glaubt Martin Börner vom Branchenverband Bitkom. „Gut möglich, dass die nächsten Konsolen-Generationen das Prinzip Cloud-Gaming sogar aufgreifen.”

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