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Virusbekämpfung So weit sind Deutschland und andere EU-Länder mit ihren Corona-Apps

Eine App soll auch in Deutschland helfen, die Pandemie einzudämmen. Ein Vergleich in Europa zeigt: Viele Staaten sind weiter – aber in keinem war das Projekt wirklich erfolgreich.
22.05.2020 - 17:57 Uhr Kommentieren
In der Schweiz ist die Corona-App DP-3T im Einsatz, auf der auch die deutsche Corona-Warn-App beruht. Quelle: dpa
Corona-App

In der Schweiz ist die Corona-App DP-3T im Einsatz, auf der auch die deutsche Corona-Warn-App beruht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Ausbruch der Corona-Pandemie fordert die Menschen und ihr freiheitliches Denken und Leben heraus. Etliche Staaten greifen zu massiver technologischer Überwachung, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Deutschland will es anders, ja besser machen. Eine App soll helfen, die Infektionen zu verlangsamen und gleichzeitig die Daten der Bürger schützen.

Mit diesem Versprechen tritt unter anderem Telekom-CEO Timotheus Höttges auf. Datenschutz sei ein Leitprinzip – gerade in Corona-Zeiten, sagte er am Dienstag auf der virtuellen Kundenkonferenz „Digital X“. Die Deutsche Telekom habe „sehr spät“ zusammen mit SAP den Auftrag von der Bundesregierung bekommen, die App zu bauen.

Höttges warf den Politikern in Berlin indirekt sogar vor, sich bei der Konzeption der App zunächst nicht ausreichend um Datenschutz gekümmert zu haben: „Die Diskussion um die Corona-App am Anfang sollte uns allen eine Lehre sein.“ Auf der Konferenz ließ sich Höttges von Hauptredner Edward Snowden sagen, dass Deutschland im weltweiten Ringen um Datenschutz während der Corona-Pandemie eine wichtige Rolle zukomme. „Was wir heute unternehmen, hat langfristige Auswirkungen“, sagte Snowden.

Höttges hat den Anspruch an die deutsche Corona-App und damit auch an das eigene Unternehmen massiv erhöht. An der Telekom und SAP liegt es nun, zu zeigen, dass es möglich ist, die App für Deutschland mit höchstem Datenschutz erfolgreich zu bauen. Die App für Smartphones soll Infektionsketten erkennen, Gesundheitsämter entlasten und die Ausbreitung des Virus hemmen. Mitte Juni soll die Corona-Warn-App offiziell starten.

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Standort erkennen

    Die technischen und praktischen Hürden sind jedoch gewaltig. Die Firmen wollen die Bluetooth-Technik der Geräte nutzen, um zu messen, wer sich in der Nähe aufgehalten hat. In anonymer Form soll eine Art Kontaktliste entstehen. Wird dann bei einer Person das Coronavirus diagnostiziert, kann sie das in der App verzeichnen. Daraufhin bekommen alle anderen Menschen, die sich in den Tagen zuvor in der Nähe der infizierten Person aufgehalten haben, in dem Programm einen Warnhinweis.

    So weit, so klar. Die technische Umsetzung ist allerdings sehr kompliziert. Bluetooth ist eine Übertragungstechnik, die eigentlich darauf ausgelegt ist, Geräte auf kurzer Distanz miteinander zu verbinden. Zum Beispiel lässt sie sich einsetzen, um einen kabellosen Kopfhörer mit einem Smartphone zu verknüpfen.

    Nutzt eine App Bluetooth, kann sie messen, welche Geräte sich in der Nähe aufhalten, ohne den genauen Standort zu kennen. Das war Datenschützern ein wichtiges Anliegen, um zu verhindern, dass über die Anwendung Bewegungsprofile angelegt werden können.

    Deutschlands oberste Bundesbehörde für Infektionskrankheiten, das Robert Koch-Institut, stuft einen Kontakt über mindestens 15 Minuten mit einer Distanz von weniger als zwei Metern als riskant ein. Das könnte ausreichen, dass sich das Virus zwischen zwei Menschen übertragen haben könnte.

    Probleme mit Bluetooth

    Mit dem Smartphone lässt sich zwar die Zeit genau ermitteln. Per Bluetooth lässt sich auch feststellen, ob ein anderes Gerät in der Nähe war. Schwierig wird es bei der Einschätzung, wie nah genau sich zwei Smartphones gekommen sind.

    Der asiatische Stadtstadt Singapur hat viel Erfahrung mit dem Einsatz von Bluetooth im Verfolgen von Infektionsketten sammeln können. Schon am 20. März veröffentlichte das Land eine Corona-App. Beim Kalibrieren der Software stießen die Entwickler jedoch auf viele Probleme.

    Die Bluetooth-Leistung eines Gerätes schwankt. Die Software-Ingenieure in Singapur dokumentierten Schwankungen von einem Faktor von bis zu 1000. Genaue Entfernungen lassen sich so kaum feststellen. In Singapur werden daher erst Kontakte verzeichnet, wenn sie mindestens 30 Minuten gedauert haben.

    Und Singapur erkannte ein weiteres Problem: Bei Apple-Smartphones verhindert der Stromsparmodus, dass Apps, die im Hintergrund laufen, ständig nach neuen Bluetooth-Geräten suchen müssen. Es ist allerdings unrealistisch, dass eine Person im Alltag immer wieder die Corona-App aufruft, damit sie zuverlässig Kontakte verfolgen kann.

    Schlüsselrolle von Apple und Google

    Die Bluetooth-Probleme wollen die US-Technologiefirmen Apple und Google angehen. Zu Ostern kündigten sie eine Schnittstelle für den Einsatz von Bluetooth bei Corona-Apps an. Google-CEO Sundar Pichai erklärte: „Wir wollen helfen, die Pandemie zu verlangsamen.“ Apple und Google stellen das Betriebssystem für fast alle in Deutschland erhältlichen Smartphones. Ihnen kommt eine Schlüsselrolle dabei zu, wie die Apps funktionieren könnten.

    Diese Woche haben die beiden Unternehmen die Schnittstelle veröffentlicht. Nun können die Organisationen, die die Apps entwickeln, sie in ihre Software integrieren. Dabei stecken die Konzerne jedoch enge Grenzen. So wollen sie den Zugang zu den Gerätedaten nur für eine App pro Land oder Bundesland öffnen. Und sie haben bereits Vorgaben gemacht, wie die Apps aufgebaut sein dürfen. Dabei sprechen sich Google und Apple für einen Ansatz aus, bei dem möglichst viele Daten dezentral auf den Geräten gespeichert sind.

    Nach einem längeren Hin und Her verfolgt Deutschland diesen Ansatz nun ebenfalls. Frankreich dagegen zieht den Aufbau einer zentralen Datenbank vor. Diesen zentralen Ansatz lehnen Google und Apple ab. Frankreichs Digitalminister Cédric O warf den Unternehmen daraufhin vor, die Souveränität des Staates zu untergraben.

    Grafik

    Das Handelsblatt hat App-Konzepte aus verschiedenen Ländern in Europa zusammengetragen. In allen Ländern mit Ausnahme der Türkei ist der Einsatz der Smartphone-Anwendung freiwillig. Die meisten Länder setzen zudem auf die Bluetooth-Technik und nicht auf die Erfassung konkreter Standortdaten, etwa per GPS-Positionsinformationen.

    Manche Staaten haben einen Rhythmus festgelegt, nach dem die Daten automatisch gelöscht werden. Meist sind das zwischen zwei und vier Wochen. Denn bislang gehen Forscher davon aus, dass eine Person in der Regel für zwei Wochen ansteckend sein kann. Zudem haben viele Länder im Vorhinein festgelegt, dass Daten ausschließlich für die Erfassung von Infektionsketten verwendet werden können.

    In einer zentralen Frage gibt es jedoch noch keine klare Linie in den Konzepten der Apps: der Frage, ob die Datenerfassung dezentral vor allem auf den Geräten erfolgt oder ein zentraler Server eine wichtige Funktion haben wird. Dies ist wichtig. Die Europäische Kommission hat die Mitgliedsländer aufgerufen, ihre Apps interoperabel zu machen. Das heißt, auch bei Reisen ins Ausland soll die Verfolgung von Infektionsketten funktionieren.

    Schon das Verbinden von zwei dezentralen Ansätzen ist jedoch nicht einfach. Bislang gibt es aber noch kein funktionierendes System, um zentrale und dezentrale Konzepte zu kombinieren. Die Corona-Apps in Europa drohen an den Landesgrenzen zu scheitern.

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