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Der Internetgigant will vor allem mehr große Konzerne wie etwa VW für sein Cloud-Angebot gewinnen.

(Foto: AFP)

Wettstreit in der IT-Branche Kampf um die Cloud: So will Amazon seinen Spitzenplatz verteidigen

Der Markt für Cloud-Computing wächst rasant. Marktführer Amazon glaubt, einen Weg gefunden zu haben, um die Verfolger Microsoft und Google auf Distanz zu halten.
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DüsseldorfOb Volkswagen oder Walmart, RWE oder Netflix: Für große Konzerne ist Cloud-Computing für die digitale Transformation von zentraler Bedeutung. Sie nutzen die Infrastruktur von Amazon Web Services (AWS), Microsoft oder Google, um ihre Fabriken und Lieferketten zu vernetzen, um Daten aus Stromzählern auszuwerten oder Filme zu übertragen.

Im vergangenen Jahr stieg das Geschäft mit Cloud-Infrastruktur um 47 Prozent auf 80 Milliarden Dollar, wie Marktforscher Canalys schätzt. „Die Cloud ist das Rückgrat des modernen digitalen Wirtschaftssystems“, sagt Axel Oppermann, Chef des Analysehauses Avispador.

Die Anbieter hoffen auf ein gigantisches Geschäft, entsprechend scharf ist der Wettbewerb. „In zehn oder 20 Jahren werden die meisten Unternehmen keine eigenen Rechenzentren mehr haben“, sagte AWS-Chef Andy Jassy im Interview mit dem Handelsblatt. Das meiste werde in die Cloud gehen. „Die Marktsegmente, in denen AWS aktiv ist, sind zusammen Billionen von Dollar wert.“

AWS ist die klare Nummer eins der Branche. Firmenboss Jassy sieht sein Unternehmen dank jahrelanger Erfahrung und vieler Kundenbeziehungen auch in Zukunft vorn: „Ich bin optimistisch, dass wir weiterhin mit Abstand Marktführer bleiben.“

Konkurrent Microsoft holt indes kräftig auf. Der Konzern investiert Milliarden in Rechenzentren und profitiert von den engen Beziehungen zu Unternehmen. „Die strategische Relevanz von Microsoft beim Thema Cloud ist höher, als es der Marktanteil darstellt“, sagt Oppermann. Auch Google und IBM haben Ambitionen.

Als Antwort auf den neuen Wettbewerb will AWS die Beziehungen zu großen Kunden stärken – etwa zu Volkswagen und BMW.

IT-Branche steht vor einer Revolution

Lange herrschte in Deutschland Skepsis gegenüber der Cloud. Die Unternehmen sorgten sich um ihre Daten – und behielten sie lieber in den eigenen Rechenzentren. Doch die Zeiten haben sich geändert: Konzerne, Mittelständler und Start-ups nutzen IT-Dienstleistungen aus der Datenwolke. Laut einer Studie des IT-Verbands Bitkom waren es im vergangenen Jahr schon 73 Prozent. Viele sehen darin eine Voraussetzung für die Digitalisierung. Volkswagen will so beispielsweise alle Produktionsstätten vernetzen.

Von Servern und Datenbanken bis zur Fabriksteuerung und Personalverwaltung: Viele Bestandteile der heutigen IT sind bereits per Cloud Computing verfügbar. Und immer mehr Unternehmen nutzen sie. „Nur Aufgaben, bei denen es auf die Nähe ankommt – zum Beispiel in einer Fabrik – werden künftig noch vor Ort erledigt“, ist AWS-Chef Jassy überzeugt. „Das meiste wird in die Cloud gehen.“ Die IT-Branche steht damit vor einer Revolution – und die Anbieter kämpfen, als Sieger daraus hervorzugehen.

Amazon beschäftigt sich schon lange mit dem Cloud Computing. Das Management des Online-Händlers stellte fest, dass Teams bei der Entwicklung neuer Dienste viel Zeit damit verbrachten, ihre IT-Infrastruktur aufzubauen – also entwickelte die Firma einige Elemente, auf die alle Mitarbeiter zugreifen konnten.

2006 begann der Konzern, diese Dienstleistungen auch externen Kunden anzubieten, verfügbar auf Knopfdruck und abgerechnet nach Nutzung. Andy Jassy führte das Team von Beginn an und wurde 2016 offiziell CEO.

Was als kleines Projekt begonnen hat, ist heute ein gigantisches Geschäft. Amazon Web Services (AWS), die Cloud-Sparte des Internetriesen, erwirtschaftet fast so viel Umsatz wie der deutsche Softwarekonzern SAP und wächst dabei so schnell wie ein Start-up.

Angesichts des Erfolgs erkannten auch andere IT-Konzerne die Chance und bauten eigene Plattformen auf. Heute sind AWS und Microsoft die größten Anbieter der westlichen Welt, mit einigem Abstand gefolgt von Google und IBM. In China gelten andere Regeln.

Kampf um Pentagon-Auftrag

Die Unternehmen vermieten Infrastruktur, im Fachjargon ist von Infrastructure as a Service (IaaS) die Rede – Rechenleistung und Speicherplatz also, aber auch Sicherheitssoftware und Algorithmen für künstliche Intelligenz. Dieses Segment des Cloud-Marktes wächst am stärksten.

Daneben gibt es beispielsweise auch Anwendungsprogramme aus der Datenwolke, also Software as a Service (SaaS), wie sie beispielsweise Salesforce, Workday und inzwischen auch SAP bieten.

Diese Infrastruktur spiele für Unternehmen bei der Modernisierung ihrer IT eine entscheidende Rolle, sagt Axel Oppermann, Chef des Analysehauses Avispador: „Alles baut auf die Cloud auf.“ Ob für die Analyse von Maschinendaten, die Entwicklung einer App oder neue Services für Produkte wie vernetzte Autos: Die Cloud-Dienste sind das verbindende Element.

Im Infrastrukturmarkt ist AWS bis heute Marktführer. Unternehmenschef Jassy will diese Position ausbauen – zum einen mit zahlreichen neuen Funktionen, zum anderen mit einer stärkeren Ausrichtung auf die großen Unternehmen. Diese versprechen große und langfristige Projekte, ob bei Volkswagen oder anderen.

Allerdings wächst die Konkurrenz: Microsoft investiert beispielsweise Milliarden von Dollar in neue Rechenzentren und nutzt die guten Beziehungen in die Chefetagen. Nicht umsonst konkurrieren die beiden Unternehmen um einen Vertrag des Pentagon, der zehn Milliarden Dollar wert ist. Auch Google und IBM wollen das Geschäft deutlich ausbauen.

Andere Unternehmen können kaum noch mithalten: „Das Tempo und der Veränderungsdruck sind brutal“, sagt Analyst Axel Oppermann. „Die Anbieter ziehen Marktzutrittsschranken hoch.“ Das habe auch Auswirkungen für die Anwender: Die Abhängigkeit von den großen Cloud-Konzernen wachse. Die Geschäftslogik der großen drei oder vier, die auf eine Digitalisierung aller Wirtschaftszweige abziele, werde zum Maß aller Dinge, sagt der Analyst.

Mehr: Andy Jessy, CEO von Amazon Web Services, im Interview: „Das meiste wird in die Cloud gehen.“

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