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Wie IBM neue Trends setzt Die Weltveränderer aus Silicon Valley

In den 100 Jahren seiner Geschichte hat IBM zahlreiche bahnbrechende Innovationen in der IT-Welt geschaffen und damit oft wegweisende Trends gesetzt. Doch wie wird die digitale Welt in 100 Jahren aussehen?
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Ein IBM PC, der vor 30 Jahren sein Debüt feierte. Quelle: dapd

Ein IBM PC, der vor 30 Jahren sein Debüt feierte.

(Foto: dapd)

San Francisco Kerrie Holley passt so gar nicht in das Bild eines steifen IBM-Managers. Legeres Sakko, verbindliches Lächeln, ein lässiger klassischer Trilby Hut, drahtige Figur. Er ist Fellow beim amerikanischen Computerkonzern IBM. Ein Fellow zu sein, das ist die höchste Auszeichnung, die ein Mitarbeiter von IBM erreichen kann. Sozusagen der Ritterschlag als Krönung einer erfolgreichen Karriere in der Informationstechnik.

Holley ist einer von 73 aktiven Fellows bei IBM. Seit 1962 haben es nur 217 Mitarbeiter des Unternehmens so weit gebracht. Die Elitewissenschaftler dürfen mehrere Jahre lang im Konzern Forschungsprojekte nach eigener Wahl vorantreiben. Die Auswahlkriterien sind streng, außergewöhnliche Erfolge in der Vergangenheit werden als selbstverständlich vorausgesetzt.

Doch vor allem wird von den Fellows erwartet, dass sie auch in die Zukunft schauen, offen sind, Trends erkennen, die wichtig sind fürs Geschäft des IT-Konzerns.

100 Jahre alt wird IBM am heutigen Donnerstag. In dieser Zeit hat das Unternehmen die Welt der Computer geprägt wie kaum ein anderes. Holley ist stolz auf die bahnbrechenden Produkte aus Kalifornien – auf Lochkarte, Microdrives, relationale Datenbanken und Kugelkopf-Schreibmaschinen.

„Wir sind Teil der DNA des Silicon Valley“, sagt Holley im Gespräch mit dem Handelsblatt und fügt hinzu: „Was viele gar nicht wissen: IBM hat quasi sogar das Augenlasern erfunden.“ Konzernforscher haben entdeckt, dass man Gewebe mit Laserstrahlen manipulieren kann, ohne es zu zerstören. Ein Augenarzt wurde auf die Forschung aufmerksam – der Rest ist Geschichte.

Kerrie Holley ist Fellow bei IBM. Quelle: PR

Kerrie Holley ist Fellow bei IBM.

(Foto: PR)

Holley ist gewohnt, in großen Zusammenhängen zu denken. Wie wird die IT in 100 Jahren die Welt verändert haben? Das weiß niemand, räumt er ein, aber es gebe große Megatrends, die die Richtung vorgeben. Einer davon: „Künstliche Intelligenz steht vor dem Durchbruch“, da ist sich Holley sicher. Und mit ihr das Verstehen der menschlichen Sprache durch Computer. Nicht bloß Sprache in Text verwandeln – sondern verstehen.

Begonnen hat diese Zukunftsvision längst, nämlich am 14. Februar 2011. Der IBM-Supercomputer Watson trat an diesem Tag in der TV-Quizshow Jeopardy gegen die beiden besten menschlichen Spieler an, die mit ihrem enormen Allgemeinwissen Millionen von Dollar in der Show gewonnen hatten.

Watson übersetzte die Fragen nicht etwa in Texte und suchte dann das Internet nach einer passenden Antwort ab. Im Gegenteil: Er war gar nicht mit dem Netz verbunden, hat nicht einmal eine Datenbank.

Der Rechner hat, quasi wie das menschliche Gehirn, einen gigantischen Schatz an unsortierten Daten, Erinnerungen sozusagen. Er zerlegt, interpretiert und analysiert die bewusst sehr kryptisch gehaltenen Fragen des TV-Moderators eigenständig, ordnet den Aussagen einen Sinn zu und sucht eine passende Bedeutung heraus. Nicht immer fehlerfrei, aber es reichte, um die menschlichen Mitspieler klar zu deklassieren.

Was heute ein Spiel ist, wird in Zukunft die Welt verändern, glaubt Holley: „Vor allem im Medizinbereich gibt es unfassbare Mengen von Daten, die unstrukturiert überall auf der Welt vorliegen. Vielleicht gibt es längst Lösungen für bekannte Probleme und niemand weiß es.“ Man müsste alle diese unstrukturierten Daten sinnvoll erfassen und analysieren. Das wird künstliche Intelligenz leisten können in Zusammenspiel mit Parallel-Computing. Bei Watson haben 2800 Prozessoren parallel an den Antworten gerechnet, für die es genau drei Sekunden Zeit gab.

Glückwunsch, Big Blue!
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Am Anfang war die Lochkarte - mit einem rechteckigen Stücke Pappe begann IBM vor 100 Jahren sein Geschäft mit der digitalen Datenverarbeitung.

Quelle: IBM

FILE PHOTO OF IBM HOLLERITH MACHINE CITED IN HOLOCAUST BOOK
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IBM wird am 16. Juni 1911 unter dem Namen Computing Tabulating and Recording Company in New York gegründet. Neben der Lochkarten-Technik bietet das Unternehmen kommerzielle Waagen und Uhren an.

(Foto: Reuters)
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IBM entstand als Zusammenschluss aus drei verschiedenen Unternehmen: Die Computing Scale Company hatte nichts mit Computern zu tun, sondern stellte Waagen her. Die International Time Recording Company produzierte Uhren und die Firma mit den Lochkarten war die bereits 1896 von Herman Hollerith gegründete Tabulating Machine Company. Die Abkürzung IMB steht für International Business Machines und wird 1924 als Marke eingeführt.

Quelle: IBM

HAEFTLINGSPERSONALKARTE EINGANGSTOR
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In den 30er und 40er Jahren wurde die Lochkartentechnik auch vom NS-Regime genutzt - nach Recherchen des amerikanischen Autors Edwin Black auch zur systematischen Erfassung der jüdischen Bevölkerung. Inwieweit die Geschäftsführung in den USA Kenntnis von den Geschäften der Dehomag, der nach dem Ersten Weltkrieg übernommenen "Deutsche Hollerith-Maschinen Gesellschaft", mit dem NS-Staat hatte, ist laut IBM bis heute umstritten.

(Foto: ap)
1944 IBM Rechner
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1944 stellt IBM seinen ersten Großrechner vor. Die mehr als 15 Meter lange und fast 2,50 Meter hohe Maschine wiegt fast fünf Tonnen. Zehn Jahre später, im Jahr 1954, demonstriert ein IBM-Computer die Übersetzung vom Russischen ins Englische.

Quelle: IBM

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1956 begründet IBM mit dem RAMAC (Random Access Method of Accounting and Control) die magnetische Speichertechnik der Festplatte. Die Laufwerke sind bei einer Kapazität von 10 Megabit so groß wie zwei nebeneinander aufgestellte Kühlschränke. Vierzig Jahre später ist die IBM-Festplatte deutlich geschrumpft und ermöglicht eine Datendichte von 1 GB.

(Foto: ap)
Selectric
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1961setzt die Schreibmaschine IBM Selectric einen Standard bei Büroschreibmaschinen.

Quelle: IBM

Ein IBM-Mitarbeiter schraubt an einer Lochkarten-Maschine, eine der zahlreichen Erfindungen des Konzerns. Quelle: dapd

Ein IBM-Mitarbeiter schraubt an einer Lochkarten-Maschine, eine der zahlreichen Erfindungen des Konzerns.

(Foto: dapd)

Der zweite große Trend ist für Holley die Nanotechnologie. Er prophezeit, dass Smartphones in Zukunft so viele Daten speichern wie heute ein Rechenzentrum. Was bei Watson noch 2800 Prozessoren erledigt haben, wird in 100 Jahren ein einziger Nanochip vollbringen.

Diese digitalen Kraftwerke werden für den dritten Megatrend gebraucht: Die physische Welt wird endgültig mit der digitalen verschmelzen. Reale Welt und die mit Computerhilfe „erweiterte Realität“ werden vereint mit der dritten großen neuen Welt – mit Facebook, Twitter und anderen Plattformen der sozialen Vernetzung.

Was bleibt da noch in der Privatsphäre der Menschen? Laut Holley nicht viel. „Wir werden geradezu erwarten, dass uns jemand beobachtet, beschützt“, vermutet er. Social Media werde dann nicht mehr das sein, was es heute ist, die Dienste werden sich weiterentwickeln. Aber sie werden im Leben der Menschen immer wichtiger.

Als ein Beispiel für neue Entwicklungen dank digitaler Vernetzung erinnert er an die von Programmierern aus aller Welt kostenlos geschaffene Open-Source-Software. Oder an das Online-Lexikon Wikipedia. „Menschen, die nur aus Leidenschaft etwas schaffen. Das ist da und wird nicht mehr weggehen.“

Holley selbst wird im September für drei Wochen nach New Orleans gehen, und zwar unbezahlt. Dort wird eine kleine Gruppe von IBM-Fellows mit der Stadtverwaltung ein bestimmtes Problem lösen. „Wir wissen noch nicht was“, sagt er, aber das ist auch Teil der Herausforderung. „Es wird nur irgendwas sein, was man mit Hilfe von Technologie lösen kann.“

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