Wikileaks-Enthüllungen „Bomben auf Iran sollen die Eurokrise vertuschen“

Die neuesten Wikileaks-Enthüllungen über die US-Firma Stratfor sind harmlos. Doch sie bringen Licht in ein Schattenreich aus Möchtegern-Spionen und dubiosen Informanten. Und sie zeigen: Auch bei einem Privatgeheimdienst geht es zu wie in jedem anderen Büro.
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Viel Wirbel um letztlich wenig: Mit den E-Mails des der „Schatten-CIA“ Stratfor versucht Wikileaks ein Comeback. Quelle: AFP

Viel Wirbel um letztlich wenig: Mit den E-Mails des der „Schatten-CIA“ Stratfor versucht Wikileaks ein Comeback.

(Foto: AFP)

WashingtonEs sind finstere Tipps, wie sie sich für eine Schnüffelfirma gehören. „Gebe nichts zu. Streite alles ab und stelle Gegenbeschuldigungen auf“, schreibt ein gewisser Fred an seinen Kollegen Rob. Das sei „Freds Regel Nummer 2“, heißt es in dem E-Mail-Dialog, gehackt von den Servern des US-Sicherheitsunternehmens Stratfor. Fred und Rob sind Mitarbeiter der Firma, die wie ein Geheimdienst im Auftrag von Konzernen, Regierungen oder Militärs weltweit Informationen sammelt und gerne als „private CIA“ bezeichnet wird.

Sind hier Vertuscher am Werk? Raten Fred und Rob ihrem Kunden zu unlauteren Methoden? Der Kontext ist nicht ganz so spektakulär: Es geht um geklaute Tortellini in der Stratfor-Zentrale. „Jemand hat mein mitgebrachtes Mittagessen genommen“, hatte Rob zuvor geschrieben.

Die Sache mit den Nudeln findet sich in einer von mehr als fünf Millionen angeblichen internen Stratfor-Mails, die die Enthüllungsplattform Wikileaks am Montag begonnen hat zu veröffentlichen. Als „außergewöhnliche News“ hatte die Organisation sie angekündigt: „Die E-Mails zeigen das Informanten-Netz von Stratfor, die Honorarstruktur, Geldwäsche-Praktiken und psychologische Methoden“. Gründer Julian Assange sagte in London: „Sie zeigen das private Leben, die privaten Lügen der privaten Spione“.

Wer die ersten gut 200 Mails durchgeht, die am Montag hochgeladen wurden, findet allerdings vor allem einen ungeordneten Wust an Selbstverständlichkeiten, Mutmaßungen und Belanglosigkeiten. Wenn die Dokumente etwas über Stratfor aussagen, dann höchstens das: Die geheimnisvolle Firma kocht auch nur mit Wasser.

Beispiel Coca-Cola: Der US-Getränkeriese soll Stratfor im Juni 2009 beauftragt haben, im Vorfeld der Olympischen Spiele in Vancouver die Tierschutzorganisation Peta auszuspionieren. Die Fragen, die der Konzern hatte, sind harmlos: Wie viele Peta-Unterstützer gibt es in Kanada? Werden US-Tierschützer anreisen? Dafür braucht man keinen Geheimdienst.

Beispiel Euro-Krise: Ein Stratfor-Mitarbeiter zitierte 2011 einen israelischen Geheimdienstoffizier mit einer steilen These: Der Iran-Konflikt sei nichts als eine Ablenkung von der Eurokrise. „Die Kampagne ,Lasst uns Iran bombardieren‘ wurde von den EU-Anführern befohlen, um die öffentliche Aufmerksamkeit von den finanziellen Problemen zu Hause wegzulenken“, so der Informant. Eine Meinung, der die Stratfor-Mitarbeiter selbst nicht ganz trauen.

Beispiel Carl Bildt: In einer E-Mail mit den Titel „Inside – Schweden“ verfasste ein Stratfor-Mitarbeiter 2009 ein Porträt über den schwedischen Außenminister. Unter Berufung auf eine Quelle ist Bildt demnach ein Putin-Kritiker und will für sein Land eine stärkere Position in der EU. Vor allem aber sei der Schwede „offensichtlich sehr groß, hat ein fotografisches Gedächtnis und ist sehr schlau“. Ein Blick in die Zeitung hätte nicht weniger gebracht.

Hörensagen und dubiose Quellen
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10 Kommentare zu "Wikileaks-Enthüllungen: „Bomben auf Iran sollen die Eurokrise vertuschen“"

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  • @cashca: "...Wer arbeitet für wen, wer ist gekauft, wer bedient nur die Interessen von irgend jemand anderen, u.s.w.-wer schreibt schon die Wahrheit?"

    Quellenüberprüfung geht, dank Internet, heute meist schneller als früher. Bei Personen oder Unternehmen ist das noch einfach, schwierig wird es bei News über aktuelle Ereignisse in Kriegsgebieten. Zum Teil ist es, trotz Internet, fast unmöglich eine Darstellung der anderen Seite zu erhalten. Neutrale Berichte gibt es so gut wie überhaupt nicht.

  • krieg israel iran kommt auf jeden fall wenn iran nicht den bau der a bombe einstellt .
    der iran ist mit a bombe eine bedrohung für die welt das weis jeder und deshalb muß die bombe ausgeschaltet werden mit oder ohne gewalt , sie wird ausgeschaltet um die gefahr von terrorbanden einzudämmen die an a waffen wollen , nicht auszudenken wenn die an a waffen kommen , dann erpressen die die ganze welt und schuld hätten wir selber weil wir iran nicht entwaffnet haben , also schluss des spieles mit dem feuer aus die maus und weg mit se bomb

  • Egal wie man das alles bewertet, letztlich zeigt es doch uns allen, wie verrückt die Welt geworden ist.
    Fakt ist auch: Keiner kann keinem mehr trauen, egal wem, auch die täglichen deutschen Medien sind mit Vorsicht zu genießen. Wer arbeitet für wen, wer ist gekauft, wer bedient nur die Interessen von irgend jemand anderen, u.s.w.-wer schreibt schon die Wahrheit?
    Einfach chaotisch. Dabei reden alle von so ehrenwerten Tugenden wie Ehrlichkeit -Vertrauen- der Wahrheit verpflichtet- zum Wohl der Bürger- Zuverlässigkeit u.s.weiter.
    Dass ich nicht lache. Fakt ist, überall regiert die Lüge, die Korruption, die Dienstanweisung von höherer Macht, der Betrug, die arglistige Täuschung -das Handeln vieler dient doch nur noch einem Zweck: "Dem eigenen Nutzen und Machterhalt". Sie sind alle gefangen in einer Ideologie, in einem "WAHN", den Blick für die Realitäten und die Notwendigkeiten für die Zukunft haben sie längst verloren.
    Das wird aufrecherhalten um jeden Preis, soll das Volk doch dabei zur Hölle fahren- oder auf der Straße landen- siehe Griechenland. Wenn es um die Wurst geht, schrecken die vor nichts mehr zurück. Bevor eine Bank pleite geht, lieber lässt man das Volk hungern, unter der Brücke nächtigen, Kinder hungern -wozu brauchen die Frühstück und Mittagessen, geht doch auch ohne- in der Schule sind sie erst mal mit hungrigen Magen aufgeräumt-oder alternativ im SOS Kinderdorf.
    Für das Überleben der Banken und der Finanzwelt beißen wahrscheinlich 30-40 % der Bürger ins Gras. Das ist der Preis.
    Darüber sollten alle mal nachdenken, das kommt auch noch bei uns. Schneller als wir denken. Dabei halten sich alle für moralisch und der "christlich -der abendländischen Kultur und Wertorientierung" verpflichtet. wo siund wir gelandet? Merkt das eigentlich noch einer?

  • @ Handelsblatt
    Informieren Sie sich eigentlich auch bevor Sie losschreiben. Wenn ich von der Qualität der Recherche bei Themen von denen ich Ahnung habe rückschließe auf die anderen Themen, sollte ich deutsche News Lektüre einstellen.
    Natürlich sind die Infos die Stratfor hat konfus, zwielichtig und manchmal unglaublich banal. Stratfors Wert für Abonenten, ich gehöre dazu, liegt in der Auswertung dieser Daten. Davon könnten Sie sich mal eine Scheibe abschneiden. Zurückhaltend, hinterfragend, transparent wertend. Aber dafür müsste man sich ja mal kurz mit dem Thema auseinandersetzen. Das wäre bei Stratfor übrigens einfach, die Seite stellt seit dem Hack alle Informationen kostenfrei ins Netz. Wenn deutsche Journalisten auch nur im Ansatz in der Lage wären, solche Qualität abzuliefern wie Stratfor, würde ich wahrscheinlich auch mal wieder ne Zeitung kaufen .Aber so zahle ich lieber 360 $/Jahr und bin besser informiert als es mir über deutsche Medien je möglich wäre.

  • @ denkmal
    wie wahr - ich hatte sogar GEAB abonniert, war ein großer Fehler. Selbstgefälliger Müll.

  • warum beklagt denn wohl BKA und Dienste den Wust an völlig uninteressanten trivialen Spam-mails ?? 16.000 keywords, 16 Millionen Treffer und nur an die 250 kompetente "Gesprächspartner"?? Natürlich müssen die auch "geklaute Tortellini" bearbeiten, könnte ein Tarn-begriff sein oder auf "mitteilungsbereite" erpressbare Kontakte hindeuten.

  • na klar Roland, wahrscheinlich hälst Du den vorliegenden Artikel für objektiv, was?

  • Von wem erhält Stratfor die Aufträge? Es ist leider auch der CIA nicht zu glauben. Vergessen schon der IRAK-Krieg? Da sind die Recherche-Abteilungen der grossen Zeitungen viel effinzienter, weil noch exakt recherchiert wird und kein dummers Zeug verbreitet wird.

  • Wer für solchen Blödsinn viel Geld zahlt hat meistens einen triftigen Grund: Er braucht Kosten um die Unternehmenssteuern zu senken...

  • Ich erinnere noch gut einen leicht erhältlichen Sonderbericht von Stratfor, muss 2008 gewesen sein, als es um einen Vergleich der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zwischen Europa und den USA ging.

    Da wurde behauptet, Europa stünde wegen der industriell unbrauchbaren Wasserstraßen schlechter da.

    Als Beleg gab es eine Landkarte aus dem Mittelalter. Kein Wort von Kanalbauten, Schiffshebewerken etc.

    Stratfor, das ist wohl bequeme US-Selbstgefälligkeit gegen Gebühr, in etwa wie GEAB/LEAP in EUropa.

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