Zugriff auf E-Mails App-Entwickler lesen massenweise Gmail-Postfächer

Das „dreckige Geheimnis der Tech-Branche“ nennen es US-Medien: Entwickler lesen routinemäßig und millionenfach die E-Mails von Gmail-Nutzern.
  • Oliver Nickel
Update: 04.07.2018 - 13:25 Uhr Kommentieren
Gmail: Drittfirmen lesen massenweise E-Mail-Postfächer aus
Gmail

Google erlaubt Entwicklern den Zugriff auf E-Mails von Gmail-Nutzern. (Foto: dpa)

BerlinGoogle erlaubt Entwicklern den Zugriff auf Millionen von E-Mails von Gmail-Nutzern. Wenn die Entwickler sich eine entsprechende Erlaubnis bei den Nutzern einholen, können sie routinemäßig die Inbox durchforsten und auf diesem Wege die E-Mails lesen, berichtet das Wall Street Journal. Manche der Drittfirmen werten die Nachrichten vollautomatisch aus, andere lassen ihre Mitarbeiter von Hand in E-Mails schauen, etwa um die eigene Software zu trainieren.

Damit die Drittentwickler Zugriff auf die Mail erhalten, muss der Nutzer ihnen eine entsprechende Erlaubnis gewähren. Das geschieht in der Regel für die Nutzung von kostenlosen Mail-Diensten wie automatischen Reiseplanern oder Preisvergleichs-Portalen. Das Wall Street Journal nennt unter anderem die Firma Return Path, die auf diese Weise bis zu 100 Millionen E-Mails pro Tag analysieren soll.

Return Path ermittelt für Versender von Werbe-Mails, wie oft sie gelesen wurden. Dafür muss das System zunächst zwischen privaten und kommerziellen E-Mails trennen. Dies entscheidet es auf Grundlage der E-Mail-Adressen und bestimmter Schlüsselwörter wie etwa „Oma“. 2016 habe Return Path allerdings festgestellt, dass der Algorithmus „Millionen“ privater E-Mails versehentlich als kommerziell eingestuft habe, schrieb die Zeitung unter Berufung auf eine informierte Person. Um die Software zu verbessern, hätten daher zwei Datenanalysten 8000 E-Mails gelesen und per Hand markiert.

7 Tipps für die richtige Mail
Der Ton macht die Musik
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Jeder schreibt E-Mails - doch viele bleiben unbeantwortet. Die Mail-App „Boomerang“ hat Daten aus 5,3 Millionen Nachrichten analysiert und daraus einige Tipps, wie Ihre E-Mail aus der Masse heraussticht, abgeleitet.

Das Wichtigste ist der Ton. Gemäß dem alten Sprichwort „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es auch heraus“ gilt: freundlich bleiben! Gleichwohl ein etwas negativer oder etwas positiver Grundton nicht schadet. Also: Wer eine komplett neutrale Mail verschickt, wartet unter Umständen länger auf eine Antwort.

Zweikämpfe vermeiden
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Wer kennt das nicht: Zwei Kollegen liefern sich via E-Mail einen Schlagabtausch und haben die ganze Abteilung in Kopie gesetzt. Peinlich! Und auch nicht ganz ungefährlich. Sollte mal ein Streit ausarten und man trifft sich vor Gericht, sind die Anfeindungen komplett dokumentiert. Auch wenn man persönlich angegangen wird, sollte man lieber zum Hörer greifen, als in Rage einen Text zu schreiben, den man später eventuell bereut.

Fragen sind gut
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Jemand, der Fragen stellt, bekommt darauf meist eine Antwort. Der Empfänger ist ihm das schuldig. Aber damit dieser sich nicht überrumpelt fühlt, sollte man nicht mehr als drei Fragen in eine E-Mail schreiben.

In der Kürze liegt die Würze
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Wer einen Roman als E-Mail schreibt, der erschlägt seinen Leser. Laut „Boomerang“ liegt die ideale Länge zwischen 50 und 120 Wörtern.

Nicht in Großbuchstaben schreiben
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Wer seine Texte nur in Großbuchstaben schreibt oder nur einzelne Wörter komplett groß, wirkt, als ob er sein Gegenüber anschreien wolle. Alles nur in Kleinbuchstaben zu schreiben ist aber auch nicht besser: Das wirkt dümmlich. Wer der deutschen Sprache mächtig ist, sollte sich auch an die Grammatik halten.

E-Mails wie einen Brief schreiben
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Jeder chattet über WhatsApp, Facebook oder iMessage. Dort schreiben wir, wie wir sprechen. Da das Gegenüber die Mimik des Senders nicht sieht, setzen die Schreiber oft Emojis ein, um zu zeigen, wenn etwas lustig oder ironisch gemeint war. Wer eine E-Mail schreibt, muss darauf verzichten. Da Emojis in E-Mails äußerst unprofessionell wirken, kann der Empfänger nur ahnen, ob ein Satz vielleicht nicht ganz ernst gemeint ist. Aber das kann gewaltig nach hinten losgehen. Daher gilt: E-Mails am besten so schreiben wie den klassischen Brief.

Nicht immer sind E-Mails geeignet
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Gerade wenn es um unangenehme Dinge geht, greifen viele zur elektronischen Post. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man muss seinem Gegenüber nicht in die Augen schauen, und man kann sich jedes Wort gut überlegen. Aber gerade bei heiklen Themen sollte man auf eine E-Mail verzichten und das Gespräch unter vier Augen suchen. Das gilt insbesondere, wenn Chefs ihren Mitarbeitern eine schlechte Nachricht überbringen müssen.

Aber auch alternative Gmail-Clients sichern sich Leserechte für das E-Mail-Konto des Anwenders. Der Firmenchef des Entwicklungsstudios hinter der Mail-App Edison hat gegenüber dem Wall Street Journal zugegeben, dass seine Entwickler die Mails Hunderter Nutzer seines Gmail-Clients gelesen haben. Edison bietet vom Computer formulierte automatische Antworten auf E-Mails an.

Zunächst hätten die Mitarbeiter den Algorithmus mit den Daten aus ihren eigenen Postfächern angelernt, sagte Firmenchef Michael Berner. Die Datenmenge sei jedoch nicht ausreichend gewesen. Deshalb seien zwei Mitarbeiter abgestellt worden, sich persönliche E-Mail-Nachrichten „hunderter“ Nutzer anzusehen und zu prüfen, ob die automatischen Antworten passten.

Als Sicherheitsvorkehrung seien die Computer so eingerichtet worden, dass sie nichts herunterladen konnten - und die Daten zu den Nutzern seien unkenntlich gemacht worden. Zudem hätten die beiden Experten für künstliche Intelligenz eine Verpflichtung unterzeichnet, keine Inhalte aus den E-Mails preiszugeben.

Insgesamt hat das Wall Street Journal mehr als zwei Dutzend Entwickler befragt, die ein solches Vorgehen bei ihren aktuellen oder früheren Arbeitgebern bestätigen. Google hat die Praxis inzwischen verteidigt. Die Nutzer würden stets gefragt, ob sie einer App den Zugang zu ihrem Google-Mail-Konto gewähren wollen – und die Entwickler würden von dem Internet-Konzern geprüft, erklärte das Unternehmen in einem Blogeintrag.

Die Standard-Anfrage, die Nutzer zu sehen bekommen, wenn sie einer App Zugang zu ihrem Gmail-Konto gewähren, erbittet die Zustimmung, E-Mails zu lesen, versenden, löschen und zu verwalten. Während das Vorgehen der Entwickler von dieser Formulierungen tatsächlich abgedeckt sein könnte, dürfte es vielen Nutzern von Maildiensten zumindest unklar sein, dass auch Menschen und nicht nur Maschinen die Texte zu lesen bekommen können.

Google betont, dass die Anbieter von Apps mit Zugang zum Gmail-Konto eine mehrstufige Überprüfung durchlaufen. Der Internet-Konzern selbst hörte im vergangenen Jahr damit auf, den Inhalt der Werbung von Software auszuwerten, um die bei GMail angezeigte Werbung zu personalisieren. Bei Google selbst bekämen Menschen die E-Mails von Nutzern nur in seltenen Ausnahmefällen zu lesen, etwa wenn es um Missbrauch oder technische Probleme gehe – dann frage Google die Nutzer aber gesondert um Erlaubnis.

Eine Übersicht über Dienste und Apps mit Zugriffen auf das eigene Konto erhalten Google-Nutzer unter https://myaccount.google.com/permissions nach Eingabe der Anmeldedaten. An dieser Stelle können einzelnen Angeboten ihre Zugriffsrechte auch wieder entzogen werden, falls man es sich anders überlegt hat oder einen Dienst nicht mehr benötigt.

Mit Material von dpa.

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