Augenkliniken verbessern Voruntersuchungen und optimieren die Behandlung Laser korrigieren Sehfehler punktgenau

Augenlasern soll sicherer werden. Die Kombination des Lasers mit einem hochgenauen Messsystem, mit dem das Auge vermessen und die Strahlführung während der Behandlung überwacht und korrigiert werden kann, sollen Fehler beim Abtragen der Hornhaut verhindern. Kritiker der Behandlung halten die Technik immer noch für zu unsicher.
  • Hans Schürmann
Lasik-Behandlung: Die innere Hornhaut wird abgeschliffen, Grafik: Handelsblatt Quelle: Handelsblatt

Lasik-Behandlung: Die innere Hornhaut wird abgeschliffen, Grafik: Handelsblatt

(Foto: Handelsblatt)

DÜSSELDORF. Medienberichte über Probleme bei der Behandlung der Fehlsichtigkeit mit Laser haben viele Patienten verunsichert. Laut amerikanischen Studien wurden Augenkorrekturen mit Laser teilweise so schlecht ausgeführt, dass jedes zehnte Auge ein zweites mal behandelt werden musste. Auch in Deutschland häuften sich Berichte über Probleme im Anschluss an eine Augenlaserbehandlung. Vor allem über eine Beeinträchtigung des Sehens in der Dämmerung und in der Nacht wurde immer wieder berichtet.

Mit verbesserten Lasergeräten und höheren Qualitätsstandards versuchen Augenkliniken nun das Vertrauen der Patienten zurückzugewinnen. „Die Augenärzte, aber auch die Gerätehersteller, haben die Probleme ernst genommen und daraus gelernt“, sagt Gerd Auffahrt, Leitender Oberarzt an der Universitäts-Augenklinik in Heidelberg. Seriöse Anbieter legten verstärkt Wert auf eine umfassende Voruntersuchung und Beratung. Wichtig sei es, dass die Hornhaut und die Pupille vor einer Operation genau vermessen werden.

Mit verbesserten Messtechniken wie der so genannten Wellenfront- Technologie kann zudem das Auge inzwischen punktgenau vermessen und die über die Hornhaut verteilten Fehlsichtigkeiten exakt bestimmt werden. Dabei wird eine Art topografische Karte des Auges angelegt, die die Sehfehler an jeder Stelle der Hornhaut beschreibt. Auf Basis dieser Daten trägt der Laser später punktgenau die jeweils notwendige Menge an Hornhaut-Gewebe ab.

„Während bei der konventionellen Laserbehandlung – der so genannten Lasik (Laser in situ Keratomileusis) – wie beim Anfertigen von Brillen oder Kontaktlinsen nur der gemittelte Dioptrie-Wert für die Hornhautabtragung zu Grunde gelegt wird, können durch die genaue Vermessung heute mehr Brechfehler des Auges korrigiert werden“, sagt Manfred Tetz, Leiter der Augentagesklinik Spreebogen in Berlin.

Zur exakten Hornhautabtragung reiche es aber nicht, den Laser mit den richtigen Koordinaten zu füttern. „Der Laser muss auch in der Lage sein, die vielen verschiedenen Zielpunkte exakt zu treffen“, erläutert Tetz die Anforderungen an die neue Technik. Seine Klinik arbeitet mit der so genannten Ladarvision-Technologie der Firma Alcon Pharma. „Diese kombiniert die punktgenaue Vermessung des Auges – die Wellenfront-Technik – mit einem speziellen Laser-Radarsystem, mit dem die Position des Auges schneller gemessen und der Laser schneller korrigiert werden kann, als sich das Auge bewegt“, sagt der Berliner Augenarzt. Bis zu vier Tausend Mal pro Sekunde überprüft der Messlaser die Stellung des Auges und sorgt so für eine synchrone Führung des Lichtstrahls.

Alle neueren Augenlaser arbeiten inzwischen mit solchen so genannten „Eye-Tracking“-Systemen. Die meisten Geräte nutzen dabei jedoch langsamere Videoscanner, die die Position des Auges nur etwa dreihundert Mal pro Sekunde erfassen. „Das reicht vollkommen aus“, sagt Thomas Neuhann, Leiter der Augenklinik München. Es komme auf die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gesamtsystems an, wenn das dreihundert Mal pro Sekunde nachregeln könne, sei das ausreichend.

Die Laser-Korrektursysteme seien ein richtiger Schritt auf dem Weg zu einer sichereren Behandlung, bestätigt Peter Hering, Professor am Institut für Lasermedizin der Universität Düsseldorf. „Mit der Technik kann möglicherweise die Abtraggenauigkeit verbessert werden.“ Dennoch bleibt der Physiker, der die Behandlung von Fehlsichtigkeit mit Lasern als zu risikoreich ablehnt, skeptisch. „Die Gefahr einer Vernarbung, die zu einer Nachtblindheit führt, wird so nicht ausgeräumt“, sagt Hering. So lange es nicht gelänge, das Vernarbungsrisiko, das viele Menschen besitzen, im Vorhinein zu bestimmen, werde er weiter von der Laserbehandlung abraten – von wenigen medizinisch indizierten Ausnahmen abgesehen.

Behandlung ersetzt Brille und Linsen

Das Potenzial: Rund 52 Millionen Deutsche tragen eine Brille oder Kontaktlinsen, um Fehlsichtigkeiten wie Kurz-, Weit-, oder Stabsichtigkeit auszugleichen. Knapp die Hälfte der Betroffenen ist nach Ansicht der Augenärzte mit einer Kurzsichtigkeit bis zu -10 Dioptrien bzw. einer Weitsichtigkeit bis zu +4 Dioptrien für eine Laser-Behandlung geeignet.

Das Interesse an der Lasik-Operation ist nach einer Statistik des Verbandes der Spezialkliniken für Augenlaser (VSDAR) in den letzten Jahren gewachsen: Die Zahl der Eingriffe ist von 60 000 im Jahr 2000 auf 123 000 im vergangenen Jahr gewachsen. Die Experten erwarten für 2004 135 000 Lasik-Operationen in Deutschland, 1,3 Millionen Lasik- Eingriffe in Europa und weitere 2,1 Millionen in den USA.

Das Risiko: Durch umfassende Voruntersuchungen und verbesserte Kontrollen bei der Behandlung wurde das Risiko, dass Patienten nach der Behandlung schlechter sehen als vorher, auf weniger als 1 Prozent reduziert. Die unterschiedliche Gewebereaktion und Gewebeheilung erfordert allerdings eine Nachbehandlung bei 6 Prozent der mit Lasik- Behandelten innerhalb des ersten Jahres.

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