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Branchen-Studie Medizintechnik rechnet mit Umsatzrückgang – trotz Corona-Aufträgen

Eine Studie zeigt: Die Branche erwartet vier Prozent weniger Umsatz und weiteren Preisdruck. Digitale Vertriebskonzepte sind immer stärker gefragt.
16.11.2020 - 17:35 Uhr Kommentieren
Die Medizintechnik hat ihr Image als systemrelevante Branche in der Pandemie geschärft. Quelle: dpa
Krankenpflegerin

Die Medizintechnik hat ihr Image als systemrelevante Branche in der Pandemie geschärft.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Medizintechnikindustrie als Branche ist kein Gewinner der Corona-Pandemie – auch wenn einzelne Unternehmen in den vergangenen Monaten immer wieder von rasant gestiegener Nachfrage nach ihren Produkten berichtet haben.

Denn die Auftragseingänge der Branche sind in diesem Jahr insgesamt um sieben Prozent gesunken, und der Umsatz wird etwa vier Prozent unter dem Vorjahr liegen. Das zeigt eine Studie des Industrieverbands Spectaris und der Unternehmensberatung Roland Berger, die auf Expertengesprächen sowie einer Umfrage unter rund 500 Unternehmen der Branche basiert.

Demnach rechnen 69 Prozent der befragten Unternehmen in diesem Jahr mit einem Umsatzrückgang, während nur 18 Prozent mit steigenden Erlösen rechnen. Der Drägerwerk-Konzern beispielsweise, der wegen der Nachfrage nach Beatmungsgeräten und Schutzmasken in diesem Jahr in das Licht der Öffentlichkeit gerückt ist, erwartet für das Gesamtjahr ein Umsatzwachstum von 14 bis 22 Prozent. Damit gehören die Lübecker aber zu einer Minderheit von gerade mal sieben Prozent der Medizintechnikunternehmen, die mit mehr als 15 Prozent Umsatzwachstum in diesem Jahr rechnen.

Eine Umfrage des Medizintechnikverbands BVMed unter seinen Mitgliedern kam im Oktober zu einem ähnlichen Stimmungsbild wie die Studie von Spectaris und Roland Berger: Die vom BVMed befragten Unternehmen erwarten 2020 sogar einen Umsatzrückgang von durchschnittlich fast fünf Prozent, vor allem weil viele Operationen und Behandlungen wegen der Pandemie verschoben worden sind.

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    Die Medizintechnikindustrie in Deutschland ist eine fragmentierte Branche. 2019 erzielten die rund 1400 Unternehmen laut Statistischem Bundesamt einen Gesamtumsatz von 33,3 Milliarden Euro. Das Wachstum von zehn Prozent gegenüber 2018 führt der Spectaris-Verband vor allem auf vorgezogene Käufe wegen des drohenden Brexits zurück. Die Branche ist mittelständisch geprägt: 93 Prozent der Betriebe beschäftigen weniger als 250 Mitarbeiter.

    Gerade die kleinen Unternehmen sind besonders negativ von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen, weil sie weniger diversifiziert sind: Sie rechnen 2020 mit einem Umsatzrückgang von rund zehn Prozent. Die großen Hersteller gehen dagegen im Schnitt davon aus, dass ihre Erlöse um rund ein Prozent sinken werden. Sie profitierten dabei von ihrer breiteren Aufstellung, wie die Quartalszahlen börsennotierter Unternehmen wie Siemens Healthineers oder Fresenius zuletzt zeigten.

    So sorgte die Pandemie in bestimmten Bereichen für Umsatzrückgänge, weil nicht dringend notwendige Operationen verschoben wurden, auf der anderen Seite wuchs aber der Bedarf an Diagnostik und bestimmten intensivmedizinischen Produkten.

    Grafik

    Insgesamt wird die Pandemie die Branche massiv verändern, erwarten die Befragten. Wie in fast allen Branchen werden auch die Unternehmen der Medizintechnik digitaler arbeiten und mehr Homeoffice und Videokonferenzen nutzen. Die große Mehrheit der Befragten erwartet darüber hinaus, dass digitale Vertriebs- und Servicekonzepte eine größere Rolle spielen werden.

    „Die Digitalisierung, die in den vergangenen Jahren nur zögerlich vorangekommen ist, hat rasant an Fahrt gewonnen. Das zeigt sich beispielsweise an der steigenden Akzeptanz von Telemedizin und digitalen ambulanten Versorgungskonzepten sowie an der beschleunigten Prozessdigitalisierung in der Medizintechnik und im Krankenhaus“, erklärt Dr. Thilo Kaltenbach, Senior Partner von Roland Berger.

    Viele Rücklagen sind bereits aufgebraucht

    Für viele kleinere Unternehmen könnte es künftig aber schwer werden, im Markt zu überleben: Mehr als 80 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich das Tempo der Marktkonsolidierung beschleunigt hat – das geht vor allem zulasten kleinerer Unternehmen.

    Denn die sind schon im Vorfeld der Pandemie stark unter Druck geraten, weil sie hohe Investitionen tätigen mussten, um sich auf die neuen Zulassungsprozesse der geplanten europäischen Medizinprodukterichtlinie vorzubereiten. Viele Rücklagen sind bereits aufgebraucht.

    Erschwerend kommt nach Meinung von rund zwei Dritteln der Befragten hinzu, dass der Preisdruck im Markt weiterhin steigen wird, weil die Einnahmen der Krankenversicherungen sinken und sie entsprechend restriktiver bei der Erstattung vorgehen werden.

    „Die Krise hat einen Prozess in Gang gesetzt, der unumkehrbar ist“, sagt Spectaris-Geschäftsführer Jörg Mayer. Positiv dürfte für die Branche sein, dass sie durch die Coronakrise ihr Image als systemrelevante Branche schärfen konnte und so im Kampf um die Talente möglicherweise leichter als bisher Ingenieure und digitale Experten gewinnen kann.

    Mehr: Fresenius kommt besser durch die Krise – Aktie notiert im Plus

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