Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Charles Koch „Wir haben das verbockt“ – Chef von Koch-Industries bereut seine Tea Party-Unterstützung

Der Multimilliardär förderte zusammen mit seinem Bruder in den USA die rechte Tea Party-Bewegung. Ein Fehler, wie der 85-Jährige heute zugibt.
19.01.2021 - 19:20 Uhr Kommentieren
Mit einem Vermögen von rund 45 Milliarden Dollar einer der reichsten Menschen der Welt. Quelle: AP
Charles Koch

Mit einem Vermögen von rund 45 Milliarden Dollar einer der reichsten Menschen der Welt.

(Foto: AP)

Düsseldorf, New York Charles Koch war lange Zeit einer der umstrittensten Manager der Welt. Zusammen mit seinem im Jahr 2019 verstorbenen Bruder David Koch finanzierte er in den USA über Jahrzehnte rechtskonservative Kreise, legte mit geschätzten 100 Millionen Dollar an Spenden den finanziellen Grundstein für die Tea Party – und damit letztlich für den Aufstieg von Präsident Donald Trump.

Doch jetzt kommt es zu einer erstaunlichen Kehrtwende – wenn auch sehr spät. „Du meine Güte, haben wir das verbockt“, schrieb Koch in seinem jüngst erschienenen Buch „Believe in People“. Und fügte hinzu: „Was für ein Desaster“.

Nach dem Sturm auf das Kapitol und pünktlich zum Abtritt Trumps will der Unternehmer nicht länger Abgeordnete und Senatoren unterstützen, die die Rechtmäßigkeit der Präsidentschaftswahlen 2020 anfechten. Eine Drohung, die schwer wiegt: Koch ist mit einem Vermögen von 45 Milliarden Dollar einer der reichsten Amerikaner. Das von ihm geführte Konglomerat ist mit das größte Privatunternehmen der Welt.

Und: Koch ist mit seinem Ansinnen nicht allein. Die US-Großbank Morgan Stanley will ebenfalls keine Gelder mehr an jene Politiker geben, die sich geweigert haben, den Wahlsieg von Joe Biden anzuerkennen. Das Gleiche gilt für AT&T. Konzerne wie Goldman Sachs, Google und Facebook haben sämtliche politischen Spenden eingestellt.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der Vermögensverwalter Charles Schwab, dessen gleichnamiger Gründer ein großer Trump-Unterstützer war, will seine politische Spendenabteilung komplett auflösen – und stattdessen künftig Geld für wohltätige Zwecke spenden.

    Charles Koch hat Trump zwar im Wahlkampf nicht direkt unterstützt. Aber seine Millionen gingen an Senatoren und Abgeordnete der Republikaner, die Trump treu ergeben waren. „Die Taten der Politiker vor und nach dem Aufstand in der vergangenen Woche werden schwer wiegen, wenn wir über unsere zukünftige Unterstützung entscheiden“, sagte Emily Seidek, Chefin von „Americans for Prosperity“, einer von Koch unterstützten libertär-konservativen Stiftung.

    Bereits in den vergangenen Monaten hatte sich das Koch-Netzwerk immer stärker von der Republikanischen Partei distanziert. Koch selbst hatte Joe Biden und Kamala Harris bereits im November zu ihrem Sieg gratuliert. Koch freue sich darauf, „gemeinsamen Boden und Dinge zu finden, um an möglichst vielen Themen gemeinsam zu arbeiten“.

    Noch am Tag vor den Ausschreitungen in Washington hatte Koch alle Politiker dazu aufgerufen, die Wahl Bidens zum Präsidenten anzuerkennen. Koch ist ein Liberal-Konservativer alter Schule, der den Staat möglichst klein halten will und auf die Freiheit des Einzelnen pocht. Die zahlreichen Ausgabenprogramme Trumps und die wachsende Staatsverschuldung waren dem 85-jährigen Koch ein Gräuel.

    Aus Koch wird so schnell kein Demokrat

    Auch Trumps Zolltarife und die vielen anderen Eingriffe in die Wirtschaft widersprachen zutiefst dem Weltbild des Multimilliardärs. Aus Koch wird so schnell kein Demokrat, auch wenn er mit kleinen Spenden Abgeordnete der Demokratischen Partei unterstützte. Aber er will die konfrontative Politik begraben, die die Koch-Brüder lange Zeit anheizten. Zu offensichtlich sind die Entgleisungen, nicht nur seit dem Sturm des Kapitols.

    In seinem Buch spricht Koch von seiner Befürchtung, dass die Republikanische Partei zersplittern könnte und so an Kraft verliert. Auch könnte die junge Generation deswegen in die Arme von Sozialisten getrieben werden, schreibt Koch. Für ihn die reinste Horrorvorstellung.

    Ein weiterer Grund für Kochs Kehrtwende könnte der Tod seines jüngeren Bruders sein. David Koch hatte große Teile seines Lebens in New York verbracht – und er hatte dort in der liberalen Gesellschaft stets einen schweren Stand. Trotz seiner Millionenspenden an Museen und gemeinnützige Organisationen in der Stadt.

    Kochs Tod 2019 wurde in der Stadt auf der einen Seite von echter Trauer begleitet, auf der anderen Seite aber auch in wenig schmeichelnden Nachrufen kommentiert. So wählte die „New York Times“ die Schlagzeile: „David Koch, der die rechtskonservative Bewegung anheizte, stirbt mit 79 Jahren.“

    So einseitig will Charles Koch sich wohl nicht erinnert wissen.

    Mehr: Tod eines Libertären – US-Milliardär David Koch stirbt mit 79

    Startseite
    Mehr zu: Charles Koch - „Wir haben das verbockt“ – Chef von Koch-Industries bereut seine Tea Party-Unterstützung
    0 Kommentare zu "Charles Koch: „Wir haben das verbockt“ – Chef von Koch-Industries bereut seine Tea Party-Unterstützung"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%