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Chris Rehse Test-App Neotiv will Alzheimer frühzeitig erkennen

Gründer Chris Rehse und sein Team haben eine App entwickelt, die die tückische Krankheit im Frühstadium diagnostiziert. Damit will er neuen Therapien den Weg ebnen.
22.09.2020 - 18:43 Uhr Kommentieren
Der Gründer von Neotiv will mit seiner App zur Alzheimer-Diagnose, Ärzte und Kassen entlasten.
Chris Rehse

Der Gründer von Neotiv will mit seiner App zur Alzheimer-Diagnose, Ärzte und Kassen entlasten.

Düsseldorf „Alzheimer wird heute meist erst spät diagnostiziert, obwohl sich erste Anzeichen oft schon im Alter von 50 und 60 Jahren manifestieren“, beobachtet Robert Schnitzler, Geschäftsführer von RoX Health, der Digital-Health-Tochter des Schweizer Pharmakonzerns Roche. 1,7 Millionen Menschen mit Alzheimer-Demenz lebten laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft 2018 allein in Deutschland.

Aus Scham und „weil es gegen die Alzheimer-Erkrankung bisher kein Medikament gibt, trauen viele Leute sich gar nicht zum Arzt“, sagt Chris Rehse. Der Gründer und Geschäftsführer von Neotiv aus Magdeburg hat mit seinem Team eine Test-App entwickelt, die das ändern will.

Neotiv soll subtile Gedächtnisprobleme lange vor dem Ausbruch einer Alzheimer-Demenz feststellen können. Dann gäbe es bessere Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung der bisher unbesiegbaren Erkrankung. Das wäre eine große Erleichterung – für Patienten, aber auch für die Ärzte und das ganze Gesundheitssystem, hofft Rehse.

Dem 36-jährigen Wirtschaftsingenieur ist es gelungen, die Pharma-Manager von Roche von seiner Test-App zu überzeugen. „Alzheimer bedeutet heute großes Leid für die Betroffenen und ihre Angehörigen – mit unseren Anstrengungen zusammen mit Start-ups wie Neotiv möchten wir einen Beitrag leisten, um in Zukunft früher gegen das Fortschreiten der Erkrankung anzusetzen“, sagt Manager Schnitzler. RoX Health hat jüngst eine groß angelegte Kooperation mit Neotiv gestartet.

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    Die Neotiv-App funktioniert mit Tests wie diesen: Patienten sehen Bilder von Räumen und Objekten auf ihrem Handy oder Tablet, zwei Mal nacheinander. Manche Bilder sind beim zweiten Mal anders – Räume haben etwa eine Wand mehr oder weniger. Die Tischplatte ist rund statt eckig. Finden die Patienten die Unterschiede zuverlässig, ist alles gut. Beantworten sie viele Fragen falsch, kann das an einer frühen Alzheimer-Erkrankung liegen.

    Denn die Bereiche des Gehirns, mit denen wir uns Gegenstände und Räume merken, werden sehr früh von der Alzheimer-Erkrankung befallen. Die App fragt die Leistung über mehrere Wochen ab, um die Gedächtnisleistung bei normalen Alltagsschwankungen durch Stress oder Schlafmangel bewertbar zu machen. Danach misst sie über einige Monate weiter, ob sich die Leistung verschlechtert. Denn Alzheimer ist eine fortschreitende Krankheit, das gilt auch im Frühstadium.

    Entlastung für Ärzte und Gesundheitssystem

    Damit die Tests sicher die richtigen Hirnregionen ansprechen, wurden sie alle in einem hochauflösenden MRT geprüft – an Alzheimerkranken, Gesunden und Menschen, die auf der Schwelle zu einer Erkrankung stehen. Die Akribie bei der Entwicklung der App zeigt: Es geht Rehse und seinem Team nicht nur um den eigenen Erfolg, sie wollen auch digitale Gesundheitsprodukte insgesamt etablieren.

    Denn nur wenn Menschen den Apps vertrauen, können sie ihnen wirklich helfen. „Es muss erst mal in die Köpfe rein, dass eine App ein Medizinprodukt sein kann und nicht nur ein niedliches Gadget“, sagt Rehse.

    Bis zur Zulassung zum Medizinprodukt ist es ein weiter Weg. Nachdem die App entwickelt worden war, standen ab 2014 die vorgeschriebenen Studien zur Wirksamkeit von Medizinprodukten an. Die Zeit reichte für Rehse aus, um nach San Francisco zu ziehen, ein Netzwerk im Silicon Valley aufzubauen und eine Biotechfirma zu gründen.

    2017 kam er zur Gründung von Neotiv zurück nach Deutschland. Medizinisch verlässliche Daten brauchen ihre Zeit. Denn Rehse war klar: „Eine nicht effektive, falsch beworbene Lösung kann einen Markt sehr schnell kaputt machen“ – gerade bei einer so stigmatisierten Krankheit wie Alzheimer.

    Neotiv will noch dieses Jahr beantragen, Anfang 2021 als „Digitale Gesundheitsanwendung“ (DiGA) in die Regelversorgung aufgenommen zu werden. Hausärzte könnten Patienten dann die App verschreiben, statt sie an einen – oft überlasteten – Neurologen zu überweisen. Die Patienten sollen Neotiv drei Monate lang nutzen und mit ihrem Arzt die Ergebnisse auswerten. Gesunde Patienten bekommen dann vielleicht schon vom Hausarzt die Entwarnung. Und wer wirklich Symptome zeigt, bekommt schneller einen Termin beim Neurologen.

    „Dadurch wollen wir das Versorgungssystem entlasten“, sagt Rehse. Das bedeutet auch weniger Kosten für die Krankenkassen. Eine wirksame Früherkennung ermöglicht dann eine schnelle Umstellung des Lebenswandels und dadurch eine Verzögerung der Alzheimer-Krankheit. Rehse: „Eine mediterrane Diät ist eben auch für das Gedächtnis besser, als jeden Tag ein Steak zu essen.“

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