Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Coronakrise WHO feiert Studienergebnisse zu Covid-19-Medikament als „Durchbruch“

Vorläufige Ergebnisse weisen darauf hin, dass Dexamethason die Sterblichkeit von Covid-19-Patienten verringert. Der WHO-Chef begrüßt die Ergebnisse.
17.06.2020 Update: 17.06.2020 - 10:42 Uhr 1 Kommentar
„Das sind großartige Neuigkeiten“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus. Quelle: dpa
Weltgesundheitsorganisation

„Das sind großartige Neuigkeiten“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus.

(Foto: dpa)

Genf Nach ersten erfolgversprechenden Ergebnissen zum Einsatz des Entzündungshemmers Dexamethason bei schweren Covid-19-Verläufen warnen deutsche Experten vor verfrühter Euphorie. Eine abschließende Einschätzung zur Qualität sei erst möglich, wenn die Originaldaten ausführlich gesichtet seien, sagte Maria Vehreschild, Leiterin des Schwerpunkts Infektiologie am Universitätsklinikum der Goethe-Universität Frankfurt.

Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hatte die Ergebnisse als „großartige Neuigkeiten“ bezeichnet. Endlich sei ein Mittel gefunden, das die Sterblichkeit von Covid-19-Patienten verringere.

Vorläufige Ergebnisse der klinischen Studie weisen darauf hin, dass die Sterberate bei Patienten, die künstlich beatmet werden und Dexamethason bekommen, um ein Drittel sinken könnte. Die Daten sind allerdings noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht und von anderen Experten begutachtet, sie wurden von der Universität Oxford lediglich in einer Mitteilung verkündet.

Wichtig sei unter anderem, die Nebenwirkungen noch weiter aus den Daten herauszuarbeiten, so Vehreschild. Zu prüfen sei auch, ob die beiden Patientengruppen - Dexamethason-Gruppe und Vergleichsgruppe - wirklich vergleichbar waren, erklärte der Pneumologe Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover. „Bevor man das vollständige, durch unabhängige Gutachter beurteilte Manuskript gesehen hat, kann man die Wertigkeit der Studie nicht beurteilen.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Zu bedenken sei bei den Ergebnissen auch, dass Dexamethason die Immunantwort gegen das Virus bremst und so dazu führen könnte, dass das Virus langsamer eliminiert wird, ergänzte Bernd Salzberger, Bereichsleiter Infektiologie am Universitätsklinikum Regensburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie. Laut Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin am München Klinik Schwabing, Clemens Wendtner, muss geprüft werden, inwieweit der Mehrwert von Steroiden wie Dexamethason hinsichtlich der Sterberate mit schweren Infektionen anderer Art - sogenannten Superinfektionen - erkauft werden muss.

    Weniger als ein Euro pro Tagesdosis

    Bei dem Wirkstoff Dexamethason handelt es sich um ein altbekanntes Kortisonpräparat, das schon seit fast 60 Jahren auf dem Markt ist und schon sehr lange bei diversen Entzündungskrankheiten, schweren Allergien und – in Kombination mit anderen Medikamenten – auch in der Krebsbehandlung eingesetzt wird, so insbesondere bei bestimmten Blutkrebserkrankungen.

    Das Mittel wird von zahlreichen Generikaherstellern produziert und in Deutschland zu Kosten von weniger als einem Euro pro Tagesdosis vertrieben. Nach Prednisolon ist es das am zweithäufigsten verordnete Kortisonpräparat in Deutschland.

    Die positiven Studienresultate für den Wirkstoff bestätigen die These, dass schwere Krankheitsverläufe bei Covid-19-Infektionen aus einer Überreaktion des Immunsystems resultieren, die zum Versagen der Lunge und anderer Organe führen kann. Seit längerem experimentieren Ärzte daher bereits mit entzündungshemmenden Substanzen in der Behandlung solcher Patienten.

    Allerdings gab es stets auch Zweifel, ob die Nutzenbilanz für diese Art von Medikamenten wirklich positiv ist. Denn im Prinzip ist ja eine starke Immunreaktion gegen das Coronavirus erwünscht. Das Immunsystem zu stark zu bremsen, so die Sorge, könnte daher auch kontraproduktiv sein. Die Studie der Uni Oxford spricht nun dafür, dass zumindest bei schwer kranken Covid-Patienten die Bilanz positiv ausfällt.

    Das wiederum dürfte auch die Hoffnung für andere entzündungshemmende Wirkstoffe stärken. Getestet werden unter anderem auch die Rheumamittel Actemra von Roche und Kevzara von Sanofi.

    Auch eine Reihe von Biotechfirmen prüfen neuartige entzündungshemmende Substanzen im Bereich Covid-19. Das deutsche Biotechunternehmen Inflarx etwa hat klinische Tests mit seinem Wirkstoffkandidaten IFX-1 gestartet, der ebenfalls gegen schwere Entzündungen eingesetzt werden soll, bisher aber noch keine Zulassung hat.

    Kostengünstig, verfügbar, sofort einsetzbar

    In der „Recovery“-Studie wird die Eignung verschiedener solcher schon länger zugelassener Medikamente als Mittel gegen Covid-19 geprüft. Der Dexamethason-Teil umfasste rund 2100 Patienten. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass bei der Behandlung mit Dexamethason im Mittel von je acht schwerkranken Covid-19-Patienten ein Todesfall verhindert werden könnte.

    „Dexamethason ist kostengünstig, verfügbar und kann sofort eingesetzt werden, um weltweit Leben zu retten“, erklärte Peter Horby, einer der Leiter der „Recovery“-Studie. Auch Vehreschild von der Goethe-Universität Frankfurt sagte, dass sie keine grundsätzlichen Hürden bei der Verabreichung und Verfügbarkeit sehe, da der Wirkstoff bereits zugelassen und die Applikation über die Vene oder als Tablette möglich sei.

    „Aus biologischer Sicht ist dieser Effekt nicht völlig überraschend, da insbesondere die schwer erkrankten Patienten unter einer überschießenden Immunreaktion leiden“, erklärte sie. Kortison sei ein klassischer Behandlungsansatz, um das Immunsystem zu unterdrücken. „Überraschend ist aber die Stärke des nachgewiesenen Effektes.“

    Dexamethason ist in vielen Medikamenten enthalten, die das Immunsystem unterdrücken, um allergische und entzündliche Prozesse zu stoppen. Der Wirkstoff wird in der Neurologie, der Onkologie, bei Atemwegserkrankungen und in vielen anderen Bereichen genutzt.

    Spannend werde sein, ob andere Interventionen gegen ein überschießendes Immunsystem wie der Einsatz von teuren Interleukin-1- oder Interleukin-6-Rezeptor-Blockern vergleichbare Effekte haben, erklärte Wendtner. „Angesichts des insgesamt nur kleinen, wenn auch signifikanten Herabsetzens der Sterblichkeitsrate durch Steroide bleibt die beste Medizin die Verhinderung der Covid-19-Erkrankung durch einen effizienten Impfstoff.“

    Mehr: Alles rund um die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise lesen Sie in unserem Newsblog.

    • shf
    • dpa
    Startseite
    Mehr zu: Coronakrise - WHO feiert Studienergebnisse zu Covid-19-Medikament als „Durchbruch“
    1 Kommentar zu "Coronakrise: WHO feiert Studienergebnisse zu Covid-19-Medikament als „Durchbruch“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Diese Welt-Wirtschafts-Krise hat den erfreulichen Vorteil, dass sich vermutlich kein Politiker mehr traut, bezüglich Forschung zu sparen und sich mit der Schwarzen Null zu brüsten. Auch sollten die forschenden Unis davon befreit werden, Drittmittel einwerben zu müssen. Grundlagen-Forschung muss wieder, wie schon in einigen früheren Perioden in Deutschland, absolute Priorität haben. Man kann sich sogar freuen darüber, dass nun einige alte Ideen, vor allem die Idee von der Schwäbischen Hausfrau, auf den Müllhaufen der Geschichte landen werden. Eine Familien muss nach dem Prinzip der Schwäbischen Hausfrau wirtschaften, macht dies ein Staat auch so, ausgenommen Fluchtgeld-Kleinstaaten wie die Schweiz, schadet dies einem Staat grausam. Eine Taschengeld-Milliarde für Virus-Forschung innerhalb der letzten 10 Jahre hätte wahrscheinlich vermieden, dass nun eine Billion, d.h. 1000 Milliarden aufgewendet werden müssen, die Ökonomie zu retten. Solchen Schaden schafft die Schwäbische Hausfrau, vielen, vielen herzlichen Dank :-((

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%