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Corporate Health Award Diese Unternehmen sorgen kreativ für mehr Fitness

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement zeigt sich immer vielseitiger. Ein Erfolgsfaktor: Unternehmen lassen verstärkt ihre Beschäftigten über Maßnahmen mitbestimmen.
09.01.2021 - 09:42 Uhr Kommentieren
Gesundheitsmanager sind gerade in der Krise wichtige Ansprechpartner. Quelle: dpa
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Gesundheitsmanager sind gerade in der Krise wichtige Ansprechpartner.

(Foto: dpa)

Köln Zu einer Zeit, in der es wenig zu essen gab, begründete das Familienunternehmen Bergader eine Tradition, die bis heute nachwirkt: „Meine Großmutter hat unmittelbar nach dem Krieg für alle 40 Mitarbeiter regelmäßig das Mittagessen gekocht. Das war bei uns der Beginn des Betrieblichen Gesundheitsmanagements“, sagte Beatrice Kress, die Chefin der Käserei im bayerischen Waging am See.

Gut 70 Jahre später nimmt die Gesundheit und auch die gute Verpflegung der Mitarbeiter weiterhin einen wichtigen Platz im Unternehmen ein. „Jeder soll gesund in Rente gehen“, umreißt Kress das Ziel. So ist die Kantine bei Bergader nur ein Baustein – und längst zur Selbstverständlichkeit geworden. „Gerechnet hat sie sich nie“, räumt Kress ein. Doch darum gehe es nicht.

Das Bemühen des Unternehmens um seine Mitarbeiter geht weit über subventionierte Verpflegung hinaus. Mit einem eigens entwickelten Modell sorgt sich Bergader um das Wohlergehen. Es sei niedrigschwellig angelegt, aber attraktiv, sagt Kress. Bergader bietet Mitarbeitern eine „individuelle Gesundheitsbetreuung wie im Spitzensport“, sagt die Chefin.

Dazu beauftragt die Käserei dauerhaft die Physiotherapie-Praxis Traunmed, in der sich auch Profis der Fußball-Bundesliga fithalten. Dort erhält jeder Bergader-Mitarbeiter auf Wunsch von seinem persönlichen Coach einen auf seine individuellen Bedürfnisse zugeschnittenen Trainingsplan. Abgearbeitet wird er in einer der drei Gesundheitslounges bei Bergader.

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    Jeder fünfte Mitarbeiter hat diese Trainingsräume mit Geräten für medizinische Fitness im vergangenen Jahr benutzt. „Das hält die Belegschaft fit“, sagt Kress. Was der Chefin aber das Wichtigste ist: „Schon oft haben unsere Therapeuten hinter vermeintlich kleinen Wehwehchen mehr vermutet und den Besuch eines Arztes empfohlen.“ Einige schwerwiegende Erkrankungen seien so früh erkannt worden, dass sie gut therapierbar waren.

    Die Strategien des Gesundheitsmanagements sind kreativer und flexibler geworden. Steffen Klink, EuPD Research

    Mit dem ungewöhnlichen Vorbild des Individualtrainings aus dem Spitzensport hat Bergader in diesem Jahr beim Corporate Health Award (CHA) den ersten Platz in der Kategorie „Konsumgüter – Mittelstand“ erreicht. Verliehen wurde der Preis für Engagement im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) vom Beratungs- und Marktforschungsunternehmen EuPD und dem Handelsblatt in 33 Kategorien.

    Ein Trend in diesem Jahr: „Betriebliches Gesundheitsmanagement ist kein einfaches Nice-to-have-Programm mehr. Es hat sich zum essenziellen Bestandteil der Unternehmensführung entwickelt“, sagt Steffen Klink, Direktor soziale Nachhaltigkeit und Leiter des Corporate Health Award bei EuPD Research. Dabei fällt auf: Immer mehr Unternehmen beziehen bei der Konzeption die eigenen Beschäftigten ein.

    Die Zahl der Wettbewerbsteilnehmer, die für das BGM regelmäßig Mitarbeiterbefragungen einsetzen, stieg gegenüber dem Vorjahr um sechs Prozentpunkte auf 68 Prozent. „Die Strategien und Maßnahmen des Gesundheitsmanagements sind durch die stärkere Einbindung von Mitarbeitern deutlich kreativer und flexibler geworden“, sagt Klink.

    Dass die Partizipation der Belegschaft groß geschrieben werde, lobte EuPD etwa bei der Deutschen Telekom. Der Award-Gewinner in der Kategorie Informations- und Kommunikationstechnik befragt Beschäftigte regelmäßig zur Gesundheit.

    In diesem Jahr hat der Konzern das Thema Achtsamkeit in den Fokus genommen und mit „My Health Journey“ ein ganzjähriges Programm entwickelt. Aktuell widmen sich die Bonner im Pilotprojekt „#Ausruhezeichen“ dem gesunden Schlaf.

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    Laut der Techniker Krankenkasse (TK) klagt fast jeder Zweite unter ständigen oder gelegentlichen Schlafstörungen. Die Folgen können beispielsweise eine geringere kognitive Leistung sein oder ein höheres Depressionsrisiko. Der Konzern produziert daher für seine Mitarbeiter unter anderem Podcasts mit Schlafexperten.

    Mit einem digitalen Schlafzimmer-Check sollen Schlafstörer aufgestöbert werden, etwa eine ausgelegene Matratze. Noch will das Unternehmen nichts zu den Ergebnissen des wissenschaftlich begleiteten Projekts sagen. Doch bei entsprechendem Erfolg soll es konzernweit etabliert werden.

    Von regelmäßigem Mitarbeiterfeedback profitiert auch das BGM der Stadt Wiesbaden. „Wir erhalten von dort viele Anregungen“, sagt Marcus Bittner, Leiter der Abteilung Soziale Angelegenheiten. Die
    Stadt wird mit dem Award in der Kategorie öffentliche Verwaltung ausgezeichnet.

    Hervorgehoben wurde als Begründung der integrierte Ansatz für die Mitarbeitergesundheit. „Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Betriebliches Gesundheitsmanagement finden bei uns unter einem Dach statt“, erläutert Bittner. Tatsächlich arbeiten fast alle beteiligten Mitarbeiter in Büros auf dem gleichen Flur. So würden Entscheidungswege kürzer, die Akzeptanz für die Maßnahmen steige.

    Mehr Nähe zu den eigenen Mitarbeitern, so lautet auch das Erfolgsrezept bei RWE. „Wir wollten die Zusammenarbeit der Menschen an den Standorten und dem zentralen BGM-Team intensivieren“, sagt BGM-Teamleiterin Julika Graß. In 30 Tagebauen und Kraftwerken warb die Abteilung strategische Partner für das BGM an.

    Seit 2017 stehen je eine Führungskraft und ein operativer Mitarbeiter in den Betrieben mit dem zentralen BGM-Team im ständigen Austausch. „Dies hat einen Kulturwandel hin zu großer Unterstützung des BGMs ausgelöst“, sagt Graß. Der Bedarf an BGM-Maßnahmen wird nun in Interviews mit den Mitarbeitern und in Abstimmung mit den strategischen Partnern ermittelt.

    „Mit dem Kopf bei der Sache“ heißt ein Pilotprojekt für Achtsamkeitstraining, das auch helfen soll, Unfälle zu verhindern. „In Kraftwerken und Tagebauen finden sich naturgemäß viele Stolperfallen. Aber wie die Wurzeln in einem Wald lassen sie sich nicht alle beseitigen. Also können wir nur dafür sorgen, dass diese Gefahren besser wahrgenommen werden“, erklärt Graß.

    So lernten Mitarbeiter in vier Kraftwerken im vergangenen Jahr in Workshops und Trainings zum Beispiel, Risiken besser zu erkennen, durch Bewegungstraining Gefahren besser zu umgehen
    und bei einem Sturz verletzungsfrei abzurollen.

    Das Programm war beliebt. „Wer als erwachsener Mann ein Gehtraining absolviert, wird zwar von den Kollegen erst einmal schräg angeguckt. Aber die ersten Teilnehmer haben sich bald als Pioniere gefühlt und die anderen angesteckt“, erzählt Graß. Per Telefon oder Fragebogen überprüfte das BGM-Team die Wirksamkeit der Maßnahme. Das Ergebnis: „Mit dem Kopf bei der Sache“ wird derzeit auf alle RWE-Betriebe ausgerollt.

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    Wie flexibel das BGM auf die Coronakrise regieren kann, zeigt indes Telefónica. Der Mobilfunker erhielt einen Sonderpreis für sein Pandemie-Management. Die CHA-Jury zeigte sich von der „schnellen Reaktionsfähigkeit“ beeindruckt. In kürzester Zeit wurden mit dem Ausbruch der Pandemie fast alle Angebote des Corporate Health Managements auf Online umgestellt. Dazu gehört
    auch der traditionelle Firmenlauf, der nun nicht mehr gemeinsam ausgetragen werden konnte.

    Stattdessen erhielten die Mitarbeiter eine App, über die sie kleine Laufteams organisieren konnten und in die sie die absolvierten Kilometer eintrugen. Das Konzept wurde gut angenommen. Rund 1500 Kollegen liefen innerhalb einer Woche in Summe eine Strecke von über 50.000 Kilometern.

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    Zwei Faktoren waren laut Telefónica ausschlaggebend für den Erfolg. „Unser Digitalisierungsgrad war auch schon vor der Krise hoch“, sagt Markus Frowein, Leiter des Datenschutzes und des Gesundheitsmanagements. Das habe die Umstellung etwa bei Pflegeseminaren oder Sportkursen erleichtert.

    Zudem setzt Telefónica auf eine gut sichtbare Kommunikation aller Gesundheitsthemen: Seit 2015 sind alle Aktivitäten des Arbeitsschutzes, der Arbeitsmedizin und des Betrieblichen Gesundheitsmanagements unter einer Wort- und Bildmarke gebündelt: „Feel Good“. „So kommunizieren wir die mitunter sperrigen Themen spielerischer und erreichen mehr Mitarbeiter. Die Marke ist mittlerweile positiv besetzt“, sagt Frowein.

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