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Dan Ariely im Interview Dieser Verhaltensökonom erklärt, warum die Angst vor Corona so groß ist

Der israelisch-amerikanische Universitätsprofessor Dan Ariely spricht über die Mechanismen menschlicher Angst und erklärt, wo das eigentliche Problem liegt.
05.03.2020 - 15:08 Uhr Kommentieren
Coronavirus breitet sich global aus: Muss ich Angst haben? Quelle: Dan Ariely
Verhaltensökonom Dan Ariely

„Wir müssen die Verbindung zur Realität behalten.“

(Foto: Dan Ariely)

Düsseldorf Als Professor für Psychologie und Verhaltensökonomik an der renommierten Duke University (USA) zählt Dan Ariely seit einigen Jahren zu den einflussreichsten Psychologen weltweit. Der 52-Jährige beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Phänomen menschlicher Irrationalität.

Zu den Reaktionen auf das Coronavirus sagt Ariely im Interview mit dem Handelsblatt: „Wir müssen die Verbindung zur Realität behalten.“ Die Angst vor Corona sei in gewisser Weise vergleichbar mit der Angst vor Terrorismus.

Lesen Sie hier das komplette Interview:

Herr Professor, sind die Reaktionen auf das Coronavirus übertrieben?
Wir wissen nicht, wer alles das Virus in sich trägt, ohne dass Symptome auftreten oder der Krankheitsverlauf dokumentiert ist. Diese Dunkelziffer macht die Krankheit derzeit zu einem Mysterium. Trotzdem sehe ich Anzeichen einer Panik.

Wo denn zum Beispiel?
Wenn Sie in einer Stadt leben, in der, sagen wir, zehn oder 20 Corona-Infizierte leben, müssen Sie nicht die ganze Stadt oder gar das Land abriegeln. Sie könnten sich genauso entschließen, den Leuten nicht mehr die Hand zu geben oder sich häufiger die Hände zu waschen.

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    All das passiert ja. Warum haben trotzdem so viele Angst vor dem Virus?
    Die Angst vor Corona ist in gewisser Weise vergleichbar mit der Angst vor Terrorismus. Auch wenn jeder Einzelfall schockierend und traurig sein mag, Fakt ist: Das Virus betrifft global gesehen derzeit noch sehr wenige Menschen. Trotzdem löst Corona Angst bei den Menschen aus. Wir haben das Gefühl, keine Kontrolle über die Gefahren zu haben, die von diesem neuen Virus ausgehen.

    Erklärt das auch, warum Messen abgesagt und Bilanzpressekonferenzen verschoben oder nur im Internet übertragen werden?
    Absolut. Als Menschen haben wir Angst davor, Dinge, die wir in der Gegenwart entscheiden, in der Zukunft zu bereuen. Dabei sehen wir oft nicht die Kosten unseres Handelns.

    Was meinen Sie damit?
    Es lässt sich schwer messen, was wir verlieren, wenn wir eine Veranstaltung absagen. Dafür sind die Konsequenzen ziemlich klar, wenn eine Messe stattfindet und anschließend mehrere Menschen mit einem neuartigen Virus infiziert sind und unter Umständen sogar daran sterben.

    Die Gefahr ist in unserer Vorstellung viel größer, als die Zahlen aktuell vermuten lassen.

    Und was ist daran unvernünftig?
    Wir müssen die Verbindung zur Realität behalten. Die Gefahr ist in unserer Vorstellung viel größer, als die Zahlen aktuell vermuten lassen. 2017 sind zum Beispiel 2,5 Millionen Menschen weltweit an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Das ist rational betrachtet ein viel größeres Problem.

    Hilft es wirklich, diese Zahlen gegeneinander aufzurechnen – oder führt das nicht dazu, dass man zu leichtsinnig wird?
    Natürlich ist es gut und vernünftig, wenn wir eine Lage nicht genau einschätzen können, erst einmal vorsichtig zu sein. Trotzdem hilft es niemandem, wenn wir in Panik geraten und uns übermäßig sorgen. Die Zahlen schaffen einen Vergleich, einen Kontext.

    Handelsblatt Morning Briefing - Corona Spezial

    Was sollte die Weltgemeinschaft tun?
    Die Regierungen sollten die aktuelle Situation zum Anlass nehmen, um darüber nachzudenken, wie wir unseren Planeten generell resistenter gegen Epidemien und Pandemien machen. Es wird nicht das letzte Virus sein, das sich so stark auf der Erde ausbreitet.

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