Debatte um Magensäureblocker „Zu viel, zu schnell und zu oft“

Millionen Deutsche nehmen regelmäßig Tabletten, die die Säureproduktion im Magen herunterregeln. Bei manchen Krankheiten sinnvoll, sind die massenhaft verschriebenen Präparate mittlerweile ins Gerede gekommen.
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Magensäureblocker regeln die Säureproduktion im Magen herunter. Quelle: dpa
Magensäureblocker

Magensäureblocker regeln die Säureproduktion im Magen herunter.

(Foto: dpa)

FrankfurtTabletten gegen Sodbrennen, Aufstoßen oder Magenschmerzen sind beliebt – zu beliebt, finden manche. Millionen Menschen nehmen sogenannte Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI), auch Magensäureblocker genannt. Die steigende Zahl der Verschreibungen und Berichte über Nebenwirkungen und ein Abhängigkeitsrisiko haben die Medikamentengruppe in die Diskussion gebracht.

PPIs hemmen die Bildung von Magensäure und helfen dem Magen, sich zu beruhigen. Laut Arzneimittelverordnungs-Report werden sie inzwischen drei Mal so häufig verordnet wie noch vor zehn Jahren. 2015 wurden dem Deutschen Apothekerverband zufolge rund 36 Millionen Packungen auf Rezept herausgegeben. Zusätzliche vier Millionen Packungen gingen in Apotheken als frei verkäufliche Produkte über den Ladentisch.

Das sind die wahren Kalorienbomben
Ketchup-Flaschen
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Ketchup

Sommerzeit heißt auch Grillsaison. Zu Steak, Pute und Grillwürstchen gibt es oft eine ordentliche Portion Ketchup. Zwar enthält die Soße so gut wie kein Fett, dafür aber ganze elf Stück Würfelzucker pro 100 Gramm – ein Figur-Killer.

Nürnberger Bratwürste
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Wurst

Der komplette Verzicht ist bestimmt nicht notwendig, aber wer etwas auf seine Ernährung achtet, sollte überlegen, zu welchem Fleisch er greift. Besonders Wurstprodukte können die Kalorienzahl eines Tages deutlich in die Höhe treiben. Als Beispiel: Eine Snackwurst, „Rucksackwurst“ oder auch Landjäger genannt, kommt bei 100 Gramm schon auf rund 457 Kalorien.

Gummi Bear Factory Boizenburg expandiert
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Gummibärchen

Lange Zeit hielt sich das Gerücht, Gummibärchen seien gar nicht so tückisch für die Figur. Dabei steckt eine Menge Zucker in den Bärchen. Und auch Zucker wird im Körper in Fett umgebaut und so in den unschönen Speckrollen gespeichert, wenn wir mehr Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen können.

Most von eigenen Äpfeln
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Fruchtsaft

Viel trinken ist gesund – aber nicht jedes Getränk hält schlank. Fruchtsäfte zum Beispiel: Ein Glas Apfelsaft enthält genau so viele Kalorien wie ein Glas Cola. Daher sollte man den Saft lieber mit Wasser mischen.

Jahres-PK Landesverband Milchwirtschaft
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Milch

Auch Vollmilch gilt durch den hohen Fettgehalt als flüssiger Dickmacher. Bei 3,5 Prozent Fettgehalt liegen 100 Milliliter bei 64 Kilokalorien. Gleichzeitig enthält das Getränk viel Kalzium und Eiweiß, das ist wichtig für Knochen und Muskelaufbau. Um darauf nicht verzichten zu müssen, können Diäthaltende die entrahmte Version oder Buttermilch trinken. Die entrahmte Milch hat nur noch 36 Kilokalorien auf 100 Milliliter. Dabei muss man aber bedenken: So nimmt man auch kaum noch fettlösliche Vitamine A, D und E auf.

Matjes-Delikatessen aus Emden
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Fisch

Fisch ist eigentlich auf jedem Diätplan enthalten. Die Meeresbewohner gelten als besonders fettarm und jodhaltig. Es gibt aber auch besonders fetthaltige Fische. Wer auf die Linie achten muss, sollte sich bei Thunfisch, Lachs, Matjes oder frittierten Calamares zurückhalten. Diese Speisen bestehen zu 13 bis 20 Prozent aus Fett. Deutlich kalorienärmer ist zum Beispiel eine Portion gegrillte Scampis.

THOMY SALAT CREME
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Salatdressing

Wer abnehmen will, greift in der Regel zu Salat und frischem Gemüse. Dabei wird aber immer wieder vergessen, dass die Dickmacher nicht im Salat, sondern im Dressing lauern. Statt einer Fertigmischung, die oft viel Zucker enthält, sollten Genießer ihr Dressing lieber selbst machen und dabei pro Person nicht mehr als einen Esslöffel Öl verwenden.

Die Krankenkassen sehen die Entwicklung mit Sorge. „Dass immer mehr Patienten Magensäureblocker verordnet bekommen, ist weder durch steigende Erkrankungsraten noch durch demografische Faktoren zu erklären“, kritisiert Barmer-Vorstandsvorsitzender Christoph Straub. Einer Barmer-Auswertung zufolge haben Mediziner in Deutschland zuletzt 13,4 Millionen Patienten solche Medikamente verordnet.

„In jüngster Zeit mehren sich Hinweise, dass eine langfristige Einnahme von PPI mehr Nebenwirkungen verursachen könnte als bislang bekannt“, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Vor allem ein höheres Risiko für Osteoporose wird genannt und Entzündungen wegen einer aus dem Lot geratenen Darmflora. Auch Nierenversagen, Demenz und Herzinfarkt werden erwähnt – wobei der mögliche Zusammenhang hier aus Sicht von Experten nicht bewiesen ist.

Die Studienlage sei „dürftig und teils auch widersprüchlich“, betont DGVS-Sprecher Christian Trautwein, Klinikdirektor in Aachen: „Dennoch müssen die aktuellen Hinweise Anlass dazu geben, die bislang recht unkritische Verschreibung und Einnahme von Protonenpumpen-Inhibitoren zu überdenken.“

Abgesehen von den möglichen Risiken könne „aus dem gelegentlichen Griff zu den PPIs schnell eine Dauereinnahme“ werden, gibt Matthias Ebert, Klinikdirektor am Universitätsklinikum Mannheim, zu bedenken. Die Medikamente unterdrücken die Produktion von Magensäure – setzt man sie abrupt ab, schießt die Säureproduktion erst recht in die Höhe und die Beschwerden kommen wieder, manchmal stärker als zuvor.

Inflationär eingesetzt
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