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Digital Health „Der Arzt in der Hosentasche“: Avi Medical eröffnet hybride Hausarztpraxen

Das Start-up Avi Medical sammelt 28,5 Millionen Euro ein und eröffnet seine dritte Praxis. Daraus soll bald eine Kette in ganz Deutschland werden.
07.06.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Das Münchener Start-up will die Hausarzt-Landschaft in Deutschland revolutionieren. Quelle: Avi Medical
Avi Medical Praxis

Das Münchener Start-up will die Hausarzt-Landschaft in Deutschland revolutionieren.

(Foto: Avi Medical)

Düsseldorf Während der Corona-Pandemie stoßen manche Hausarztpraxen an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Platz im Wartezimmer ist begrenzt, weil Abstandsregeln gelten; alte und neue Patienten drängen auf einen Impftermin. „Eine stärkere Digitalisierung würde vielen helfen“, sagt Vlad Lata, Mitgründer von Avi Medical.

Das Münchener Start-up will die Hausarzt-Landschaft in Deutschland revolutionieren und eröffnet an diesem Montag bereits die dritte eigene Praxis in München. Daraus soll ein Praxisverbund mit Ablegern in ganz Deutschland werden. „Bald können es 50 bis 100 Praxen sein“, sagt Lata.

Das Unternehmen setzt auf ein hybrides Modell: Die Praxen werden mit modernster IT ausgerüstet. Die Patienten können einen Termin online buchen. Auch den Anamnesebogen sollen sie am besten schon zu Hause am Smartphone ausfüllen. Danach gibt es wahlweise und je nach gesundheitlichen Beschwerden einen Termin in der Praxis oder eine Videosprechstunde. „Wir sind der Arzt in der Hosentasche“, sagt Lata.

Mit ihrem Konzept konnten die Gründer internationale Investoren überzeugen: Die neue Serie-A-Finanzierungsrunde unter Führung des Berliner Health-Tech-Fonds Heal Capital und des New Yorker Investors Addition brachte nach Informationen des Handelsblatts 28,5 Millionen Euro ein. Mit dabei waren außerdem unter anderem Bestandsinvestor Picus Capital, Vorwerk Ventures, ID Invest, 3VC und Claret Capital Partners sowie Business-Angels.

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    Avi Medical will hausärztliche Grundversorgung neu gestalten

    Der IT-Spezialist Lata, der Betriebswirtschaftler Christoph Baumeister und der Mediziner Julian Kley gründeten Avi Medical erst im vergangenen Jahr. Der Anspruch ist hoch: „Wir wollen die hausärztliche Grundversorgung in Deutschland und Europa neu gestalten“, sagt Lata.

    Telemedizin ist in der Branche ein großes Thema. So kann das schwedische Start-up Kry auf drei Millionen durchgeführte Videosprechstunden in fünf Ländern verweisen, darunter auch Deutschland. In Großbritannien ist die Entwicklung schon weiter. Das Start-up Babylon Health sammelte schon vor zwei Jahren eine halbe Milliarde Dollar ein. Telemedizin soll dort zu einem zentralen Standbein ausgebaut werden.

    Von links: Julian Kley, Christoph Baumeister und Vlad Lata. Quelle: Avi Medical
    Avi-Medical-Gründer

    Von links: Julian Kley, Christoph Baumeister und Vlad Lata.

    (Foto: Avi Medical)

    In Deutschland ging die Entwicklung teilweise langsamer voran. Zu den Pionieren gehört TeleClinik. Das 2015 gegründete Unternehmen führte zum Beispiel als erstes rechtsgültige digitale Krankschreibungen ein und öffnete seine Online-Sprechstunden im vergangenen Jahr auch für Kassenpatienten.

    Das berufsrechtliche Fernbehandlungsverbot war bereits 2018 gelockert worden. Seither durften Ärzte im Einzelfall auch bei ihnen noch unbekannten Patienten eine Beratung oder Behandlung ausschließlich über Kommunikationsmedien vornehmen.

    Bei TeleClinic zum Beispiel müssen Patienten sich registrieren und ihr Anliegen übermitteln. Danach vermittelt TeleClinic ihnen einen Arzt, mit dem sie per Telefon oder Videokonferenz sprechen können.

    Viele Hausärzte bieten keinen digitalen Service an

    Doch insgesamt ist der Nachholbedarf groß. Laut einer McKinsey-Studie bieten 59 Prozent der niedergelassenen Ärzte ihren Patienten keinerlei digitale Services an. Elektronische Bereitstellung von Unterlagen oder Rezepterneuerung sind der Studie nach in 15 Prozent der Praxen verfügbar. Und nur etwas mehr als jede zehnte Praxis erinnert ihre Patienten etwa per E-Mail an Behandlungs- oder Vorsorgetermine oder stellt Medikationspläne in digitaler Form bereit.

    Zwar berichtet auch McKinsey von einem Schub durch die Corona-Pandemie. Doch befürchten immer noch 43 Prozent der Ärzte, dass die Arzt-Patienten-Beziehung unter einer stärkeren Digitalisierung leiden könnte. Nur etwa 15 Prozent der Ärzte wünschen sich daher Online- oder Videosprechstunden.

    Auf ein rein digitales Modell wollen sie bei Avi Medical nicht setzen. „Die Technologie soll dem Arzt das Leben erleichtern“, sagt Lata. Kern sei aber weiterhin der persönliche, direkte Kontakt mit dem Patienten. Der Praxisbesuch sei der Regelfall, die Videosprechstunde die Ausnahme.

    Grundsätzlich dürfen Ärzte in Deutschland ohnehin nur 20 Prozent ihrer Patienten online betreuen – die Regelung ist allerdings teilweise ausgesetzt, um auf die pandemische Notlage zu reagieren.

    Eine Chance für Orte mit Hausärztemangel

    Avi Medical übernimmt in der Regel bestehende Kassensitze und stellt Ärzte ein. „Für eine Medizinerin mit kleinem Kind kann es auch eine Chance sein, einen Teil der Sprechstunden per Video abzuhalten“, sagt der Unternehmensgründer. In vielen Regionen Deutschlands gebe es einen Hausärztemangel. Da sei das hybride System eine Chance, produktiver zu werden. Es könnten mehr Patienten betreut werden, ohne dass die medizinische Qualität leide.

    Die Investoren sind zuversichtlich, dass das Konzept aufgeht. „Es war an der Zeit, frischen Wind in die Hausarztpraxen zu bringen und digitale Lösungen holistisch in die Gesundheitsversorgung von Patienten einzubinden“, sagt Robin Godenrath, Partner beim Tech-Investor Picus Capital.

    Auch Eckhardt Weber, Partner bei Heal Capital, ist zuversichtlich: „Wir glauben fest daran, dass Technologie die Gesundheitsversorgung neu definiert und eine bessere, kostengünstigere und einfachere Patientenversorgung garantieren kann.“

    Lata hatte einst bereits den Internet-of-Things-Spezialisten Konux mitaufgebaut. „Da habe ich viel gelernt. Auch, was man falsch machen kann“, sagt er. Avi Medical wolle er nun gemeinsam mit den Partnern langfristig aufbauen. „Ich wollte etwas mit einem noch stärkeren gesellschaftlichen Impact machen.“

    Mehr: Wie Björn von Siemens mit Künstlicher Intelligenz Ärztefehler vermeiden will

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