Ebola-Epidemie in Westafrika „Sie haben solche Lügen verbreitet“

Tragen die Behörden Guineas und Liberias eine Mitschuld an der aktuellen Ebola-Epidemie in Westafrika? Mediziner und Bewohner der betroffenen Gebiete werfen ihnen Verharmlosung und mangelnde Aufklärung vor.
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Ein Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" beim Anlegen der Schutzkleidung. Nach Angaben der Organisation ist die Ebola-Epidemie in Westafrika außer Kontrolle geraten. Quelle: AFP

Ein Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen" beim Anlegen der Schutzkleidung. Nach Angaben der Organisation ist die Ebola-Epidemie in Westafrika außer Kontrolle geraten.

(Foto: AFP)

Conakry/MonroviaIm größten Krankenhaus von Conakry herrscht Empörung. „Sie haben solche Lügen verbreitet: Ebola sei unter Kontrolle, Ebola sei Vergangenheit“, sagt Alphadio, der als Arzt an der Donka-Klinik in der Hauptstadt des westafrikanischen Guinea arbeitet. Wegen solcher Äußerungen trügen Regierung und Behörden des Landes eine Mitschuld.

Nach am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO wurden in dem von Ebola am heftigsten betroffenen Guinea sowie im benachbarten Liberia und Sierra Leone seit Jahresbeginn 635 Fälle von hämorrhagischem Fieber registriert – 399 Menschen starben. Die WHO forderte „drastische Maßnahmen“ und berief für den 2. und 3. Juli eine Konferenz der elf Gesundheitsminister Westafrikas im ghanaischen Accra ein.

Die gefährlichsten Viren der Welt
EBOLA VIRUS
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Ebola-Virus

Das vorwiegend in Zentralafrika auftretende Ebola-Virus gehört zu den tödlichsten Krankheitserregern überhaupt. Bis zu 90 Prozent der Infizierten sterben innerhalb von einer Woche nach dem Auftreten der ersten Symptome.

Marburg-Virus
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Marburg-Virus

Mit einer Sterblichkeitsrate von bis zu 90 Prozent ist der Erreger des Marburg-Fiebers ähnlich gefährlich wie das Ebola-Virus. Vergleichbar sind auch Krankheitsverlauf und Übertragungsweg: Beide Erreger werden auf den Menschen durch Kontakt mit infizierten Personen oder Tieren übertragen.

Das Marburg-Virus wurde erstmals im Jahr 1967 bei Mitarbeitern eines Labors in Marburg festgestellt. Vermutlicher Ausgangspunkt der Erkrankung waren seinerzeit wohl infizierte Versuchstiere.

Lassavirus
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Lassa-Virus

Überträger des vor allem in Westafrika auftretenden Lassa-Virus ist ein Nagetier, die Natal-Vielzitzenmaus. Etwa 500.000 Menschen erkranken nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO am Lassa-Fieber, rund 5000 davon sterben. Gefährdet sind vor allem schwangere Frauen, da sich der Erreger gern in der Plazenta einnistet.

TigermückeTigermücke
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Dengue-Virus

Die Tigermücke ist einer der Erreger des durch Viren hervorgerufenen Dengue-Fiebers. Die Krankheit ähnelt meist einer schweren Grippe, kann aber auch in ein hämorrhagisches Denguefieber ausarten, bei dem schwere innere Blutungen schließlich zum Tod führen. Die WHO schätzt, dass bis zu 100 Millionen Menschen pro Jahr an Denguefieber erkranken, rund 20.000 davon sterben.

Hantaviren
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Hanta-Virus

Während des Koreakrieges erkrankten rund 3000 US-Soldaten im Gebiet des südkoreanischen Hantan-Flusses an einem bis dahin unbekannten Erreger, der Fieber und im schlimmsten Fall Nierenversagen verursachte. Heute zählen Hantaviren zu den am weitesten verbreiteten Krankheitserregern, sie sind praktisch weltweit zu finden. Die meisten Infektionen mit den durch Nagetiere übertragenen Viren verlaufen allerdings glimpflich.

Gelbfieber
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Gelbfieber-Virus

Obwohl es einen Impfstoff gibt, erkranken pro Jahr noch immer mehrere hunderttausend Menschen an Gelbfieber. Die Viren werden durch Stechmücken übertragen. In schweren Fällen kann es zu Leberschäden und Störungen der Blutgerinnung kommen. Die WHO schätzt, dass etwa 30.000 Menschen pro Jahr an Gelbfieber sterben.

„Durch Verschulden unserer Regierung, ob sie das wollen oder nicht, hat sich die Krankheit ins Innere des Landes ausgebreitet“, sagt Alphadio, der nur seinen Vornamen nennen will. „Sie haben solche Lügen verbreitet, dass unsere Partner und sogar die Bevölkerung irgendwann die Hände in den Schoß legten. Und das ist nun das Ergebnis, die Epidemie verbreitet sich überall im Land.“

Sein Kollege Kankou Marah pflichtet ihm bei: „Wir wissen alle heute, dass die Regierung ihre Interessen wahrt und vermeidet, der Bevölkerung die Wahrheit zu sagen, um die Investoren nicht zu vertreiben.“

Auch ein Religionsoberhaupt im muslimischen Guinea übt Kritik: Imam Thierno Ousmane Camara fordert „vom Präsidenten, diese Krankheit, die leider weiterhin Familien unglücklich macht, nicht zu verharmlosen“.

Anfang April hatte Guineas Präsident Alpha Condé am Sitz der WHO in Genf erklärt: „Im Moment ist die Situation unter Kontrolle und wir klopfen auf Holz, dass es keine neuen Fälle gibt.“ Bis dahin war die Zahl der Todesopfer im Land bei unter hundert.

Einige Tage später begrüßte Condé die Staatschefs der Region bei einem Treffen in Conakry mit den Worten, er sei dankbar für ihr Kommen „trotz des ganzen Lärms um Ebola“. Dieser „Lärm“ kommt vor allem von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (Médecins sans frontières, MSF), die seit Ausbruch der Epidemie in der Region aktiv ist.

Auch in Liberia empören sich die Bürger
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