Ebola in Westafrika Langzeitfolgen bereiten Experten Sorgen

„Wie in einem schlechten Film“: Vor mehr als einem Jahr brach Ebola in Westafrika aus. Experten hoffen, die Epidemie bald endgültig besiegen zu können. Sorgen machen ihnen allerdings die Langzeitfolgen der Krankheit.
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Immer noch Alltag in manchen Ecken Westafrikas: Medizinische Helfer bringen einen Mann, der im Verdacht steht, an Ebola zu leiden, in einen Krankenwagen in Sierra Leone. Quelle: ap
Ein Ebola-Opfer mit Helfern

Immer noch Alltag in manchen Ecken Westafrikas: Medizinische Helfer bringen einen Mann, der im Verdacht steht, an Ebola zu leiden, in einen Krankenwagen in Sierra Leone.

(Foto: ap)

San JoséDer Schock sitzt tief. „Wir dachten, so etwas könnte nur in einem schlechten Film passieren, nicht im wirklichen Leben“, sagt Iza Ciglenecki. „Aber es ist passiert.“ Die zierliche blonde Frau ist Projektleiterin bei der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen und hat vor Ort in Westafrika das ganze Ausmaß der Ebola-Epidemie mitangesehen.

Auf einer Diskussionsrunde bei der Konferenz des weltgrößten Wissenschaftsverbands AAAS (American Association for the Advancement of Science) erzählt sie von ihren dramatischen Erlebnissen. Und wie das Behandlungszentrum der Ärzte ohne Grenzen in der liberianischen Hauptstadt Monrovia irgendwann so überfüllt war, dass Menschen auf der Straße davor starben.

Mehr als ein Jahr ist seit dem Ausbruch der Epidemie vergangenen. Insgesamt sind in den am schlimmsten betroffenen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia seitdem nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 23 200 Menschen an Ebola erkrankt, mehr als 9300 von ihnen starben. Die drei westafrikanischen Staaten wollen die Seuche bis Mitte April besiegen.

Auf der AAAS-Konferenz im kalifornischen San Jose gab es nun eine Bestandsaufnahme: Wie konnte es zu dieser Epidemie kommen? Welche Zeichen wurden übersehen? Was kann man es künftig besser machen?

Bei einem sind sie sich alle einig: „Das war die bei weitem größte und schwierigste Ebola-Epidemie, die wir je beobachtet haben“, sagt der stellvertretende WHO-Generalsekretär Keiji Fukuda. Die betroffenen Länder waren geschwächt von jahrzehntelangen Konflikten und nicht angemessen vorbereitet.

Der Ausbruch blieb mehrere Monate unentdeckt. Unter anderem aufgrund der lokalen Begräbniskultur, bei der viele Menschen in Kontakt mit der Leiche kommen, und weil viele Menschen die Grenzen zwischen den betroffenen Ländern ständig überqueren, konnte sich die Krankheit rasch ausbreiten. Als sie einmal da war, kam eine extrem hohe Furcht auf allen Seiten dazu.

„Es war alles sehr ungewöhnlich“

„Wir waren nicht angemessen vorbereitet“, gibt Fukuda zu und seine Kollegen von anderen Organisationen sehen das ähnlich. „Die internationale Hilfe ist sehr spät angelaufen“, sagt Ciglenecki von Ärzte ohne Grenzen. Aber die Epidemie sei sehr speziell gewesen, betont der US-Immunbiologe Anthony Fauci.

„Die meisten Ausbrüche vorher waren sehr stark isoliert. Bevor klar war, dass es sich bei diesem um einen weitreichenden Ausbruch handelt, war er schon sehr weit vorangeschritten. Es war alles sehr ungewöhnlich.“

Eine umfassende Fehleranalyse stehe noch aus, sagt Fukuda. Aber eines sei klar geworden: „Die wichtigste Rolle spielen die Länder. Sie müssen die Fähigkeit haben, die Krankheit früh zu entdecken, und diese Information weiterzugeben. Derzeit besuchen wir alle Länder in Afrika, um ihre Fähigkeiten in dieser Hinsicht zu überprüfen, und stellen fest, dass sie vielerorts nicht so robust sind, wie wir gedacht hatten.“ Immunbiologe Fauci fordert, dass die Ebola-Helfer Afrika nicht verlassen dürften, ohne eine solide Infrastruktur vor Ort zu lassen. Auch an Impfstoffen müsse weiter gearbeitet werden.

Aber auch wenn die Experten schon daran denken, wie weitere Epidemien verhindert oder zumindest schneller entdeckt werden können - die aktuelle Epidemie ist noch lange nicht vorbei. „Wenn wir auf null Neuansteckungen herunterkommen wollen, und das wollen wir, dann müssen wir das, was wir jetzt machen, weitermachen“, sagt Fukuda. Bis zu einem Ende der Epidemie sei es noch ein weiter Weg, warnt auch Ciglenecki. Eine Prognose, wann die Epidemie gestoppt sein könnte, wollen weder sie noch ihre Kollegen abgeben.

Zehn Krankheiten, die nicht auszurotten sind
Malaria
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Forscher warnen, dass der Klimawandel Einfluss auf die Verbreitung von Malaria haben könnte. Durch die Erderwärmung vermehren sich die als Malariaüberträger bekannten Mücken stärker als früher.

Pferdemetzger
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Die klassische Lebensmittelvergiftung, der sogenannte Botulismus, wird meist durch verdorbenes Fleisch und nicht fachgerecht eingekochtes Gemüse hervorgerufen. Botulismus ist nicht ansteckend und zeigt sich meist durch Sehstörungen sowie Probleme beim Sprechen und Schlucken. In schweren Fällen lähmt der Erreger Clostridium botulinum die inneren Organe, Erbrechen und Durchfall stellen sich ein. Betroffene sterben ohne Behandlung meist an Ersticken.

Bergmann der Zeche Lohberg/Osterfeld
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Eine zu Zeiten des Kohleabbaus im Ruhrgebiet weit verbreitete Krankheit ist die Staublunge. Trotz spezieller Filter und Schutzmasken, die die Lungen der Bergarbeiter schützen sollen, gibt es immer noch Krankheits- und Todesfälle durch die hohe Feinstaubbelastung. Jüngere Bergarbeiter sollen laut National Public Radio stärker betroffen sein, da die Krankheit bei ihnen schneller voranschreitet.

10.000 Menschen sterben täglich durch verschmutztes Wasser
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Die Durchfallerkrankung Cholera fordert jedes Jahr unzählige Todesopfer. Schuld ist verunreinigtes Wasser, deshalb verbreitet sich die Krankheit vor allem in den Armenvierteln dieser Welt. Das Erdbeben von Haiti rief vor vier Jahren eine große Cholera-Epidemie hervor. Seitdem sind laut Statistiken rund 8400 Menschen an Cholera gestorben.

Befund von Tuberkulose
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Trotz Impfmöglichkeiten und Antibiotika konnte die Tuberkulose bisher nicht besiegt werden. Ein Grund ist eine resistente Mutation des Erregers, die sich seit den Achtzigern verbreitet hat. Die Krankheit befällt meist die Atemwege, allerdings ist auch ein Befall des Nervensystems und der Organe möglich. Tuberkulose ist nach Aids der zweitgefährlichste Erreger, laut WHO starben 2010 1,4 Millionen Menschen an der Krankheit.

Schluckimpfung
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Polio war bereits einmal beinahe ausgerottet – ein Mangel an Impfungen führte seit der Jahrtausendwende allerdings zu zahlreichen Neuerkrankungen. Vor allem in Afrika ist die Krankheit wieder auf dem Vormarsch, die WHO will mithilfe von Impfprogrammen dagegen vorgehen. Da sich der Erreger seit jeher kaum verändert hat, ist eine Ausrottung der Krankheit mittelfristig nicht unwahrscheinlich, die nötige Schluckimpfung ist kostengünstig und einfach umzusetzen.

Penicillin gegen Syphilis
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Syphilis ist eine sexuell übertragbare Krankheit, die aktuell vor allem in Deutschland und Australien verbreitet ist. 2013 meldete das Robert-Koch-Institut 5017 Neuerkrankungen, das sind 600 mehr als im Jahr 2012. Syphilis ist durch die Gabe von Penicillin heilbar. Der deutsche Medizin-Wissenschaftler und Nobelpreisträger, Paul Ehrlich, (Foto) hatte das erste Mittel gegen die Volkskrankheit entwickelt.

Und Ciglenecki hat noch eine weitere große Sorge: Langzeitfolgen. „Bislang haben wir denen nicht viel Aufmerksamkeit geschenkt, weil wir zu überwältigt waren von den akuten Fällen. Aber frühere Ebola-Fälle haben gezeigt, dass zu den Langzeitfolgen unter anderem Gewichtsverlust, Schmerzen, Erblindung, Müdigkeit, Stigmatisierung und psychische Probleme gehören können. Und inzwischen kommen in den betroffenen Ländern auch schon Ebola-Überlebende zusammen und tauschen sich darüber aus.“

  • dpa
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