Ernährung Kaffeetrinker leben länger

Lange Zeit galt Kaffee eher als gesundheitsschädlich, mittlerweile hat sich das Image des Heißgetränks aber deutlich gebessert. Zwei aktuelle Untersuchungen könnten diesen Trend nun weiter befeuern.
Kommentieren
Das Image des Heißgetränks ist in letzter Zeit besser geworden. Quelle: dpa
Kaffee

Das Image des Heißgetränks ist in letzter Zeit besser geworden.

(Foto: dpa)

Berlin„Also, ich würde jetzt nicht mit Kaffee anfangen.“ Britische Journalisten hatten den Glasgower Mediziner Naveed Sattar gefragt, was er von der neuesten Kaffeestudie halte. „Über Ursache und Wirkung sagt sie nichts“, meint Sattar. Aber was ist die Einschätzung eines Forschers wert, der von sich sagt, sein Leben lang passionierter Teetrinker zu sein?

Tatsächlich konnten Statistiker um Marc Gunter vom Imperial College London zeigen, dass länger lebt, wer mehr Kaffee trinkt – grob gesagt. Die Studie dazu haben sie in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht. Nur gibt sie keinen Anlass, jetzt auf Kaffee umzusteigen.

Deutschlands beliebteste Bohne
Woher stammt die Kaffeebohne?
1 von 10

Die drei größten Kaffeeproduzenten der Erde sind Brasilien, Vietnam und Kolumbien. Erst auf Platz 5 folgt Äthiopien und damit das Ursprungsland der Bohne. Die wilden Vorfahren der Arabica-Sorte stammen aus den Bergwäldern des Landes. Noch heute wachsen sie hier und liefern die Grundlage für einen besonderen Wildkaffee.

Wie kam der Kaffee zu uns?
2 von 10

Sicher belegt ist der Kaffeegenuss erst in den Erzählungen von Ahmed al-Ghaffar aus dem Jemen, der sie Mitte des 15. Jahrhunderts niederschrieb. Händler hatten die Bohnen von Äthiopien auf die Arabische Halbinsel gebracht; noch ist der genaue Weg allerdings nicht geklärt. Hier wurden sie erstmals geröstet und aufgebrüht.

Vom Jemen aus verbreitete sich der Kaffee im Vorderen und Mittleren Orient und in Nordafrika, 1670 wurden die ersten Bohnen nach Indien geschmuggelt. Europäischen Boden erreichte das Heißgetränk über die Handelsroute zwischen Ägypten und Venedig. Schon 1583 hatte der deutsche Arzt Leonhard Rauwolf über den Genuss und die Wirkung von Kaffee berichtet. Er war womöglich der erste Europäer, der davon trank.

Welcher Kaffee ist der exklusivste?
3 von 10

Wer Kopi Luwak genießen möchte, muss mindestens 30 Euro für ein 125 Gramm schweres Päckchen der Koffeinspezialität aus Indonesien investieren. Der hohe Preis liegt in der einzigartigen Entstehungsgeschichte des Kaffees begründet, denn die Bohnen müssen den Darm von Fleckenmusangs passieren. Die Verdauungssäfte dieser Schleichkatze sorgen für eine gewisse Fermentierung der unverdaulichen Kaffeebohnen: Es entstehen charakteristische Geschmacksnuancen mit einem besonders exquisiten Aroma.

Warum macht Zucker den Kaffee weniger bitter?
4 von 10

Viele Menschen schätzen Kaffee gerade wegen seines bitteren Geschmacks, andere bekommen ihn nur mit großen Mengen Zucker hinunter. Dabei übertüncht das Süßungsmittel nicht einfach nur die Bitterstoffe, es verändert das Getränk auch auf molekularer Ebene.

Wegen ihrer Polarität besitzen Zucker und Wasser eine hohe Affinität zueinander. Umgekehrt versuchen die Koffeinmoleküle die Zuckerlösung zu „meiden“, weshalb sie sich zusammenlagern. Dadurch verringert sich ihre Oberfläche, und sie bedecken in geringerem Maß die Bitterrezeptoren auf der Zunge: Der Kaffee verliert seine Bitterkeit.

Wer fliegt sonst noch auf Koffein?
5 von 10

Auch Bienen lieben Koffein: Haben sie die Wahl zwischen einer Blüte, die ihnen mit dem Nektar auch Koffein bietet, bevorzugen sie diese – und kehren häufiger zu ihr zurück. Und sie führen ihre Artgenossen öfter zu dieser Nahrungsquelle.

Auf viele andere Arten hat Koffein dagegen eine eher abschreckende Wirkung. Neben den Kaffeesträuchern produzieren auch andere Pflanzen Koffein, das sie unter anderem in ihren Blättern einlagern. Mit dem Bitterstoff wollen sie Pflanzenfresser abschrecken.

Hält Kaffee wach – oder macht er vielleicht sogar müde?
6 von 10

Die salomonische Antwort darauf lautet: Es kommt darauf an. Der morgendliche Kaffee gilt als Muntermacher, was auf den ersten Blick auch völlig zutrifft. Denn das Alkaloid Koffein bindet an Rezeptoren von Nervenzellen im Gehirn und verhindert, dass sich Adenosin dort anlagert. Dieses bremst wiederum die Aktivität der Neurone und macht dadurch müde.

Solange das Koffein das Adenosin behindert, regt der Kaffee das Gemüt also an. Allerdings tritt bei Dauerkonsumenten irgendwann ein Gewöhnungseffekt ein, denn ihr Hirn bildet mehr Rezeptoren aus, so dass auch das Adenosin zum Zug kommt. Gelegentliche Kaffeekonsumenten bemerken daher die stärkste Hallo-wach-Wirkung.

Kann Kaffee die Artenvielfalt erhalten?
7 von 10

Kaffee gehört zu den wichtigsten Exportgütern von Staaten aus den Tropen, sein Anbau gilt als eine der treibenden Kräfte für die Umwandlung von natürlichen Wäldern in Plantagen. Doch das müsste gar nicht sein, denn ursprünglich stammen die hochwertigsten Bohnen von Coffea arabica, einem Schattengewächs: Der Strauch gedeiht am besten im Unterwuchs von Bergwäldern. Bei der Wildform ist das noch heute der Fall.

Die Pflanze kann daher naturschonend angebaut werden, indem nur das Unterholz ausgelichtet und dort Kaffee gepflanzt wird, während die Schattenbäume stehen bleiben. Untersuchungen zeigen, dass derartige Kaffeewälder eine Artenvielfalt aufweisen, die der in ursprünglichen Bergregenwäldern kaum nachsteht.

Die Arbeit ist vielmehr ein Paradebeispiel dafür, wie eine statistische Korrelation zwischen zwei Dingen (hier: „Kaffeetrinken“ und „Sterben“) als Beweis dafür missverstanden werden kann, das eine sei die Ursache für das andere.

Was also besagt die Kaffeestudie? Nun, die Arbeit basiert auf der Auswertung von Gesundheitsdaten von mehr als einer halben Million Menschen aus zehn europäischen Ländern – beobachtet über mittlerweile gut 16 Jahre. Sie wurden im Rahmen der europäischen Langzeitstudie EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) erhoben.

Diesen Datensatz werteten die Forscher um Marc Gunter nun nach Kaffeetrinkern und Nicht-Kaffeetrinkern aus. Dies hätten die Forscher handwerklich sauber und sehr umfassend gemacht, sagen unabhängige Fachkollegen.

Drei Tassen am Tag sind vermutlich harmlos

Heraus kam unter anderem, dass Menschen, die mehr Kaffee konsumieren, ein geringeres Risiko bei allen Todesursachen haben, insbesondere was Kreislauferkrankungen und Krankheiten, die mit dem Verdauungstrakt zusammenhängen, angeht. So war zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit der untersuchten Männer mit sehr hohem Kaffeekonsum (in Deutschland mehr als 580 Milliliter am Tag), innerhalb des Beobachtungszeitraumes zu sterben, zwölf Prozent geringer als unter Nicht-Kaffeetrinkern. Unter den Frauen waren es sieben Prozent.

Um die gesundheitlichen Effekte von Kaffee isolierter betrachten zu können, rechneten die Forscher viele andere Einflüsse heraus, beispielsweise die Ernährung oder das Rauchen. Nur wäre es ein gefährlicher Trugschluss, zu glauben, damit sei eindeutig belegt, der Kaffee habe das Leben all dieser Menschen verlängert. Derartige epidemiologische Studien sind nämlich schon vom Ansatz her nicht geeignet, so etwas zu beweisen.

Deshalb warnt auch Hauptautor Marc Gunter vor zu voreiligen Schlüssen: „Aufgrund der Grenzen beobachtender Forschung sind wir nicht an einem Punkt, eine Empfehlung für mehr oder weniger Kaffeekonsum auszusprechen.“ Die Ergebnisse legten dennoch nahe, dass moderater Kaffeegenuss von etwa drei Tassen am Tag nicht schädlich für die Gesundheit sei, sondern das Getränk sogar Vorteile haben könnte.

Gunter Kuhnle von der britischen Universität Reading, der nicht an der Studie mitwirkte, bewertet die beobachteten Effekte als eher klein. Solche Studienergebnisse würden zudem gerne sensationalisiert, obwohl sie meist keine Aussagen zur Kausalität zuließen – also in diesem Fall zu der Frage, ob Kaffee wirklich die Ursache des Effekts war.

Das Image von Kaffee wird besser
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%