Ernährung Orthorexie: Wenn gesundes Essen zur Sucht wird

Kein Fett, kein Zucker, kein Mehl und ein Restaurant-Besuch wird zur Qual? Auch gesunde Ernährung kann schädlich sein – wenn sie zwanghaft wird und den Alltag dominiert. Was es mit der Orthorexie auf sich hat.
Antialkoholika ohne Genussreue gibt es nicht: Fruchtsaftgetränke enthalten rund 15 Gramm Kohlenhydrate. Cola und Fanta im Durchschnitt zehn Gramm. Kaffee (schwarz) fällt lediglich mit 0,5 Gramm ins Gewicht. Wer auf die alkoholfreies Bier setzt, sollte lieber ein alkoholfreies Pils (5,4 Gramm) anstelle eines Malzbieres (10,8 Gramm) trinken. Quelle: dpa
Nichtalkoholische Getränke

Antialkoholika ohne Genussreue gibt es nicht: Fruchtsaftgetränke enthalten rund 15 Gramm Kohlenhydrate. Cola und Fanta im Durchschnitt zehn Gramm. Kaffee (schwarz) fällt lediglich mit 0,5 Gramm ins Gewicht. Wer auf die alkoholfreies Bier setzt, sollte lieber ein alkoholfreies Pils (5,4 Gramm) anstelle eines Malzbieres (10,8 Gramm) trinken.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie einen schwören auf grüne Smoothies, die anderen auf Clean Eating ohne verarbeitete Lebensmittel, vegane Speisen oder die Paleo-Diät nach dem Vorbild der Steinzeit. Viele Menschen beschäftigen sich intensiv mit der Frage: Was ist das richtige Essen für mich? Doch ausgerechnet das kann krankhaft werden - wenn der Wunsch nach gesundem Essen zur Besessenheit wird. Fachleute sprechen dann von Orthorexie.

„Orthorexie ist eine Fixierung auf den Verzehr von ausschließlich gesunden Lebensmitteln“, erklärt Friederike Barthels vom Institut für experimentelle Psychologie der Universität Düsseldorf. Dabei gibt es allerdings ein Problem: „Die Definition, was gesund ist, ist individuell verschieden. Dadurch besteht die Gefahr, dass es eben nicht mehr gesund ist, sondern sehr einseitig und sehr extrem.“

Das sind die wahren Kalorienbomben
Ketchup-Flaschen
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Ketchup

Sommerzeit heißt auch Grillsaison. Zu Steak, Pute und Grillwürstchen gibt es oft eine ordentliche Portion Ketchup. Zwar enthält die Soße so gut wie kein Fett, dafür aber ganze elf Stück Würfelzucker pro 100 Gramm – ein Figur-Killer.

Nürnberger Bratwürste
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Wurst

Der komplette Verzicht ist bestimmt nicht notwendig, aber wer etwas auf seine Ernährung achtet, sollte überlegen, zu welchem Fleisch er greift. Besonders Wurstprodukte können die Kalorienzahl eines Tages deutlich in die Höhe treiben. Als Beispiel: Eine Snackwurst, „Rucksackwurst“ oder auch Landjäger genannt, kommt bei 100 Gramm schon auf rund 457 Kalorien.

Gummi Bear Factory Boizenburg expandiert
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Gummibärchen

Lange Zeit hielt sich das Gerücht, Gummibärchen seien gar nicht so tückisch für die Figur. Dabei steckt eine Menge Zucker in den Bärchen. Und auch Zucker wird im Körper in Fett umgebaut und so in den unschönen Speckrollen gespeichert, wenn wir mehr Kalorien zu uns nehmen, als wir verbrauchen können.

Most von eigenen Äpfeln
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Fruchtsaft

Viel trinken ist gesund – aber nicht jedes Getränk hält schlank. Fruchtsäfte zum Beispiel: Ein Glas Apfelsaft enthält genau so viele Kalorien wie ein Glas Cola. Daher sollte man den Saft lieber mit Wasser mischen.

Jahres-PK Landesverband Milchwirtschaft
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Milch

Auch Vollmilch gilt durch den hohen Fettgehalt als flüssiger Dickmacher. Bei 3,5 Prozent Fettgehalt liegen 100 Milliliter bei 64 Kilokalorien. Gleichzeitig enthält das Getränk viel Kalzium und Eiweiß, das ist wichtig für Knochen und Muskelaufbau. Um darauf nicht verzichten zu müssen, können Diäthaltende die entrahmte Version oder Buttermilch trinken. Die entrahmte Milch hat nur noch 36 Kilokalorien auf 100 Milliliter. Dabei muss man aber bedenken: So nimmt man auch kaum noch fettlösliche Vitamine A, D und E auf.

Matjes-Delikatessen aus Emden
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Fisch

Fisch ist eigentlich auf jedem Diätplan enthalten. Die Meeresbewohner gelten als besonders fettarm und jodhaltig. Es gibt aber auch besonders fetthaltige Fische. Wer auf die Linie achten muss, sollte sich bei Thunfisch, Lachs, Matjes oder frittierten Calamares zurückhalten. Diese Speisen bestehen zu 13 bis 20 Prozent aus Fett. Deutlich kalorienärmer ist zum Beispiel eine Portion gegrillte Scampis.

THOMY SALAT CREME
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Salatdressing

Wer abnehmen will, greift in der Regel zu Salat und frischem Gemüse. Dabei wird aber immer wieder vergessen, dass die Dickmacher nicht im Salat, sondern im Dressing lauern. Statt einer Fertigmischung, die oft viel Zucker enthält, sollten Genießer ihr Dressing lieber selbst machen und dabei pro Person nicht mehr als einen Esslöffel Öl verwenden.

Die US-Bloggerin Jordan Younger etwa sorgte für Aufsehen, als sie ihre Essstörung öffentlich machte. Die junge blonde Frau schreibt im Internet über gesunde Ernährung und einen veganen Lebensstil. Doch der wurde für sie zum Problem: „Ich habe in einer Blase des Verzichts gelebt“, schreibt sie auf ihrem Blog, der inzwischen „The Balanced Blonde“ heißt. „Komplett vegan, ausschließlich pflanzlich, nur glutenfrei, ölfrei, zuckerfrei, mehlfrei, ohne Dressing oder Soße.“ Sie habe ihr Leben danach ausgerichtet, was sie essen kann - und was nicht.

„Betroffene verlieren oft die sozialen Kontakte, weil ein Restaurantbesuch mit Freunden und Familie für sie kaum noch möglich ist“, erklärt Helmut Schatz, früherer Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie, die sich mit Hormonen und Stoffwechsel beschäftigt. Orthorexie ist ihm zufolge zunächst einmal eine Essbesonderheit. „Stellt sich aber ein Zwang ein und leidet der Mensch darunter, dann wird es krankhaft.“

Bloggerin Younger konnte Freunde irgendwann nur noch auf einen frisch gepressten Saft treffen - und bekam Schwierigkeiten, wenn die Saftbar „ihre“ Sorte nicht vorrätig hatte. Inzwischen hat sie die Orthorexie nach eigenen Angaben überwunden und ein Buch über ihre Essprobleme veröffentlicht.

„Man spricht immer dann von einer psychischen Störung, wenn sie das Alltagsleben der Betroffenen dominiert“, sagt Cora Weber, Fachärztin für Psychosomatische Medizin an der Berliner Charité. Zu dem psychischen Aspekt kämen körperliche Probleme wie Untergewicht. „Sie lassen immer mehr Nahrung weg, was zu Mangelzuständen führen kann“, erklärt Weber. „Die Hormonsituation im Körper stellt sich um.“

Wunsch nach Kontrolle
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