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Forschung Die Vermarktung des Gehirns

Mit der Entschlüsselung des Gehirns steht die Menschheit vor einer neuen Epoche: Gedanken beginnen, Maschinen zu steuern, Maschinen, Gedanken zu lesen. Das Marktpotenzial der Hirnforschung ist riesig.
29.05.2015 - 11:58 Uhr Kommentieren
Vielversprechende Projekte für unterschiedliche Märkte. Quelle: picture alliance / Ikon Images
Die Hirnforschung

Vielversprechende Projekte für unterschiedliche Märkte.

(Foto: picture alliance / Ikon Images)

Düsseldorf Aristoteles war ein großer Denker. Seine Lehren sollten die Basis für eine Jahrtausende währende Philosophietradition legen. 

Nur in einem war sein Irrtum ebenso vollkommen wie seine Erkenntnis. Aus seinen empirischen Studien, in diesem Fall der Sektion von geschlachteten Tieren, zog der griechische Philosoph den Schluss, das Gehirn sei das „blutloseste“ und zugleich „kälteste“ Organ des Menschen. Es diene vor allem der Kühlung des Körpers. Das „Denken“ und die „Seele“ verortete Aristoteles im Herzen.

Heute, gut 2300 Jahre später, ist die Wissenschaft – zumindest, was die Bedeutung der knapp drei Pfund schweren, weiß-gelblichen Masse angeht – entscheidende Schritte weiter. Es ist das bei weitem wichtigste und komplexeste Organ der Evolutionsgeschichte.

Die Enträtselung des Organs

Doch noch immer ist das menschliche Gehirn geheimnisumwoben. Während der letzte Berg längst bestiegen, die Tiefsee erforscht und das Sonnensystem in weiten Teilen erkundet ist, steht der Mensch immer noch staunend vor jenem Organ, das Gedanken und Gefühle hervorbringt. Jenem Organ, das das menschliche Bewusstsein und die Gefühlswelt beherbergt.

Doch das Gehirn wird nicht Terra incognita bleiben – so viel steht schon jetzt fest. Mit vereinten Kräften arbeiten Neurowissenschaftler, Biologen, Mediziner, Ingenieure und eben auch Philosophen an der Enträtselung des Gehirns, versuchen, den geheimnisvollen Prozessen in seinem Inneren auf den Grund zu gehen. Im Hintergrund lauern Konzerne auf mögliche Ergebnisse – voller Hoffnung, neue Produkte ließen sich entwickeln, die Umsätze in die Kasse bringen. Die Hirnforschung – sie ist ein mögliches Marktstimulanzprogramm.

Das europäische Human-Brain-Projekt (Budget 1,2 Milliarden Euro) hat es sich zum Ziel gesetzt, das Gehirn mit Hilfe von Hochleistungsrechnern künstlich zu simulieren. Im Frühjahr 2013 rief US-Präsident Barack Obama das amerikanische Pendant ins Leben. „Brain Activity Map“ heißt das Forschungsprojekt. Das Ziel: die Kartierung der kompletten neuronalen Aktivität. Zehn Jahr läuft das Programm und soll drei Milliarden Dollar kosten.

Alles ist „Neuro“

Kaum ein Wissenschaftsgebiet wird derart mit öffentlichen Geldern versorgt wie die Hirnforschung. Kaum ein Wissenschaftsgebiet wirkt derart über die eigenen akademischen Grenzen hinaus. Alles ist „Neuro“: Neuropädagogik, Neurotheologie, Neuroökonomie und sogar Neuroästhetik. Wissenschaftler wie der Bonner Hirnforscher Christian Elger schreiben Bücher über Neuroleadership. Sein Bremer Kollege Gerhard Roth bietet Unternehmen Beratung auf den Feldern „Verkaufstraining“ und „Neuromarketing“ an. Es scheint, als mache die Hirnforschung der Philosophie und den Sozialwissenschaften ihre traditionelle Rolle des Welterklärers streitig.

In der Tat gibt es beachtliche Fortschritte: Inzwischen können Neurowissenschaftler die biochemischen und elektrischen Prozesse, die im Gehirn ablaufen, beobachten und verorten. Sie entziffern Gehirnströme und wandeln sie in computerlesbare Daten um. „Neuroimaging“ heißt die Technik, die Prozesse im Gehirn sichtbar macht. Aktivierte Gehirnregionen werden in warmen Farben, also Rot oder Gelb, inaktive in Blau oder Grün dargestellt. Bilderreihen zeigen die Entwicklung des Denkprozesses.

Schnittstelle Mensch und Maschine
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