Gesundheitsreport der Barmer Volksseuche Zahnfleischentzündung

Der neue Gesundheitsreport der Barmer Ersatzkasse belegt, dass Entzündungen des Zahnfleischs, in der Medizin Parodontitis genannt, in Deutschland oft viel zu spät und dann auch nicht konsequent genug behandelt werden.
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Nach dem neuesten Gesundheitsreport der Barmer Ersatzkasse leiden viele Deutsche unter Parodontitis. Deshalb seien die Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennung besonders wichtig. Quelle: dpa
Kind beim Zahnarzt

Nach dem neuesten Gesundheitsreport der Barmer Ersatzkasse leiden viele Deutsche unter Parodontitis. Deshalb seien die Vorsorgeuntersuchungen und Früherkennung besonders wichtig.

(Foto: dpa)

BerlinUm die Mundgesundheit vieler Menschen in Deutschland ist es nicht sehr gut bestellt. „Um es auf den Punkt zu bringen, die Verbreitung von Parodontitis hat erschreckende Ausmaße“ so der Vorstandschef der Barmer Ersatzkasse, Christoph Straub, bei der Vorstellung des aktuellen Zahnreports.

„Laut der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie leidet in Deutschland mehr als die Hälfte der Erwachsenen mittleren Alters, das sind mindestens fünf Millionen Frauen und Männer, an der Erkrankung des Zahnhalteapparats“, so Straub weiter. Bei den Senioren seien sogar nahezu zwei Drittel davon betroffen, was ebenfalls mehr als fünf Millionen Personen entspricht.

Eine Therapie könnte helfen, die meist chronisch verlaufende Entzündung  des Zahnfleisches in den Griff zu kriegen. Doch den meisten Patienten fehlt dazu der Durchhaltewille.

Die größten Irrtümer bei der Zahnpflege
Gründliches Schrubben reinigt die Zähne vollständig
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oDieses Gerücht ist falsch. "Starkes Schrubben schadet eher. Das Zahnfleisch schwindet und das Zahnbein wird zusätzlich abgetragen, was wiederum offene Kanälchen zur Folge hat", erklärt Jochen Schmidt, Zahnarzt am Caree Dental in Köln. Gleiches gilt für harte Borsten. Der Experte rät deshalb zu elektrischen Zahnbürsten mit Druckkontrolle. Wer beim Zähneputzen vorsichtig ist und sanfte, kreisförmige Bewegungen macht, kann laut dem Experten nicht viel falsch machen.

Bei Karies muss immer gebohrt werden
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Ob gebohrt werden muss, hängt vom Einzelfall ab. Die sogenannte Infiltrationsmethode stellt beispielsweise eine sanfte Alternative zum Bohren dar. Insbesondere Angstpatienten und Kindern wird die behutsame Methode von immer mehr Zahnärzten empfohlen. Schmidt erklärt: "Hierbei wird die kariöse Stelle mit einem Ätzgel aufgeraut, dann mit einem farblosen Kunststoff-Gel aufgefüllt und versiegelt. Geeignet ist dieses Verfahren jedoch nur bei leichter Karies.“

Parodontitis schadet nur den Zähnen
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Leider ist auch diese Behauptung nicht richtig. Eine regelmäßige Zahnpflege ist nicht nur für die Zähne unerlässlich. Vermehrte Bakterien im Mundraum können neben Zahnfleischentzündungen und Parodontose laut dem Experten auch Gefäßverkalkungen und Herzinfarkte hervorrufen. In diesen Fällen geraten die Keime aus dem Zahnfleisch in die Blutbahn.

Nach dem Essen sofort die Zähne putzen
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Diese Aussage ist nicht nur ein großer Irrtum – mit diesem Verhalten schaden wir unseren Zähnen sogar. "Vor allem nach dem Verzehr säurehaltiger Lebensmittel wie Obst und Limonaden ist es besser, 30 Minuten warten", sagt Schmidt. Der Grund: Die Säure greift den Zahnschmelz an. Bis der Zahnschmelz vom Speichel wieder mit einer Schutzschicht überzogen ist, dauert es etwa 30 Minuten. Danach kann wieder geschrubbt werden, was das Zeug hält.

Regelmäßiges Zähneputzen reicht aus
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Eine herkömmliche Zahnbürste kann nur etwa Dreiviertel der Zahnoberfläche reinigen. In den Zahnzwischenräumen, in denen Karies häufig entsteht, bleiben Essensrückstände. "Deshalb ist Zahnseide unverzichtbar. Und das nicht nur abends vor dem Schlafengehen, sondern am besten nach jeder Mahlzeit", sagt Schmidt.

Zähneknirschen ist harmlos
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Ein großer Irrtum. Beim Zähneknirschen ist der Druck auf Zähne und Kiefergelenke zehn Mal höher als beim alltäglichen Kauen. „Dieser enorme Druck schadet den Zähnen. Entzündungen der Kiefergelenke, Kopf- oder Nackenschmerzen sind mögliche Folgen", warnt Schmidt. Kunststoffschienen, die in der Nacht getragen werden, können nachhaltige Schäden verhindern. Die Bayerische Landesärztekammer (BLZK) empfiehlt, den Ursachen der Symptomatik zusätzlich auf den Grund zu gehen, um das Knirschen richtig zu behandeln. Nicht selten sind Depressionen oder Stress Auslöser für den ungewöhnlich hohen Druck auf die Zähne.

Um den Löffelabdruck kommen Patienten nicht herum
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Die erfreuliche Nachricht zuerst: Der von vielen Patienten gefürchtete Löffelabdruck lässt sich durch neuartige Oralscanner vermeiden, die digitale Aufnahmen anfertigen. Möglich ist dies allerdings nur, wenn es sich bei den betroffenen Zähnen nicht um Implantate oder Teilprothesen handelt. Ist letzteres der Fall, müssen Patienten laut Schmidt nach wie vor mit dem klassischen Abdruck Vorlieb nehmen, der häufig einen Würgereiz auslöst.

Laut dem Zahnreport lassen zwar etwa 50 Prozent der erwachsenen Versicherten, also 34 Millionen Personen, in einem Zeitraum von zwei Jahren eine Parodontitis-Untersuchung vornehmen. Im Jahr 2015 haben laut Zahnreport aber gerade einmal zwei Prozent und damit 1,2 Millionen Personen die daran anschließende Therapie auch durchlaufen.

„Sicherlich benötigt nicht jeder Patient mit erkranktem Zahnhalteapparat jedes Jahr eine Therapie. Allerdings gibt es doch eine deutliche Diskrepanz. Die Zahl der an Parodontitis Erkrankten ist enorm, während die Zahl der Behandelten sehr viel geringer ist“ sagt Studienautor Michael Walter, Direktor der Dresdener Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. Und die Zahl der abgeschlossenen Therapien sei noch einmal niedriger.

Früherkennung bei Zuckerkranken besonders wichtig
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