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Gesundheitstracker Singapur entlohnt Apple-Watch-Nutzer für Fitness-Aktivitäten

Der südostasiatische Stadtstaat will finanzielle Anreize für mehr Bewegung bieten – und arbeitet dabei mit Apple zusammen. Datenschützer üben Kritik.
23.09.2020 - 10:20 Uhr Kommentieren
Apple Watch-Daten: Singapur entlohnt Apple-Watch-Nutzer für Fitness-Aktivitäten Quelle: imago images/ZUMA Wire
Joggen in Singapur

Für die Teilnahme an dem Programm mit dem Namen „Lumihealth“ ist sowohl der Besitz einer Apple Watch als auch eines iPhones Voraussetzung.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Bangkok Wer regelmäßig entlang der Promenaden Singapurs oder durch die Parks der südostasiatischen Metropole joggt, steigert in Zukunft damit nicht nur die eigene Fitness. Sport soll sich nach dem Willen der Regierung für die Einwohner künftig auch finanziell lohnen: Gemeinsam mit dem Elektronikhersteller Apple will der Stadtstaat im Oktober ein bisher einzigartiges Experiment starten: Gesundes Verhalten soll sich dann direkt im Portemonnaie der Bürger niederschlagen.

Die Initiative, die die lokalen Gesundheitsbehörden gemeinsam mit Apple entwickelt haben, ist zunächst für zwei Jahre angesetzt. Wer sich ausreichend bewegt, Impftermine wahrnimmt und sich mit gesunder Ernährung beschäftigt, wird dafür bezahlt – in Form von Einkaufsgutscheinen bei lokalen Supermarktketten und Restaurants im Wert von umgerechnet bis zu 240 Euro.

Die Kooperation in Singapur dürfte sich auch für den Konzern aus Cupertino lohnen: Für die Teilnahme an dem Programm mit dem Namen „Lumihealth“ ist sowohl der Besitz einer Apple Watch als auch eines iPhones Voraussetzung. „Singapur hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt“, sagte Jeff Williams bei der Vorstellung des Projekts. Er leitet Apples operatives Geschäft. „Wir sind begeistert, dass wir uns in deren ganzheitlichen Ansatz für das persönliche Wohlbefinden einbringen können.“

Für Singapurs Regierung ist die Zusammenarbeit mit Apple die bisher weitreichendste Partnerschaft mit einem ausländischen Technologiekonzern bei dem Versuch, digitalen Hilfsmitteln bei der Gesundheitsvorsorge zum Durchbruch zu verhelfen.

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    Sie sieht die Digitalisierung des Gesundheitssystems als zentralen Bestandteil ihrer „Smart Nation“-Kampagne und hat vor zwei Jahren die Privatwirtschaft aufgefordert, innovative Konzepte einzureichen. Die Partnerschaft mit Apple ging daraus hervor.

    Projekt enthält Gamification-Elemente

    Singapurs stellvertretender Regierungschef Heng Swee Keat, der als wahrscheinlicher Nachfolger des aktuellen Premiers Lee Hsien Loong gilt, hat hohe Erwartungen an das Projekt: „Auch wenn wir alle gerade mit den Herausforderungen durch Covid-19 beschäftigt sind, müssen wir weiter in unsere Zukunft investieren“, sagte er. „Und es gibt nichts Besseres als eine Investition in die persönliche Gesundheit.“

    Die Partnerschaft mit Apple werde nicht nur die Singapurer gesünder machen, sondern auch wertvolle Erkenntnisse darüber liefern, wie sich die Gesundheit von Menschen rund um den Globus verbessern lasse.

    Das Konzept von Lumihealth setzt dabei neben finanziellen Anreizen auf einen spielerischen Charakter, der die Teilnehmer zu gesundheitsförderndem Verhalten animieren soll: Die dazugehörige iPhone-App, die zunächst nur in Singapur verfügbar ist, präsentiert den Nutzern einen fiktiven Raumfahrer, dem sie mit der Abarbeitung von Gesundheitszielen dabei helfen können, zurück in seine Heimat zu gelangen. Dokumentiert werden die dafür nötigen Aktivitäten über die Sensoren der Apple Watch.

    Im Umgang mit mobilen Geräten bei Gesundheitsinitiativen hat Singapur bereits Erfahrung gesammelt: Die Behörden veranstalten regelmäßig einen Wettbewerb, bei dem Teilnehmer jeden Tag ein Los für ein Preisausschreiben bekommen, wenn ihr Smartphone-Schrittzähler mehr als 10.000 Schritte anzeigt.

    Im vergangenen Jahr schloss die Regierung eine Partnerschaft mit dem Fitnessarmbandhersteller Fitbit: Singapurer bekommen dabei die Armbänder umsonst, wenn sie sich für einen kostenpflichtigen Onlinedienst anmelden.

    Kritik von Datenschützern

    Die bisher größte Aufmerksamkeit für digitale Gesundheitstechnik bekam Singapur Anfang des Jahres, als der Stadtstaat als eines der ersten Länder der Welt eine App zur Kontaktnachverfolgung in der Coronakrise auf den Markt brachte, die für viele Staaten zum Vorbild wurde. Im Juni verteilten die Behörden zudem 10.000 Minigeräte mit gleichen Funktionen – vorwiegend an Senioren, die über keine Smartphones verfügen.

    Seit vergangener Woche bekommt die restliche Bevölkerung ebenfalls Zugang zu den Geräten – damit will die Regierung die bisherigen Lücken der Kontaktverfolgung schließen: Die Corona-App wurde nämlich von weniger als der Hälfte der Bürger heruntergeladen.

    Bei Datenschützern stießen die Initiativen auf erhebliche Kritik. Eine Onlinepetition, die mehr als 50.000 Unterschriften sammelte, warf Singapurs Behörden vor, mit der Corona-Technik die Grundlagen für einen Überwachungsstaat zu schaffen.

    Die Regierung wies das zurück – die Daten aus den Geräten würden nur im Fall einer Infektion ausgelesen und seien sonst nicht zugänglich. Eine Befürchtung der Datenschützer hat sich aber inzwischen bewahrheitet: Singapur plant, die Teilnahme an der Kontaktnachverfolgung an Orten mit hohem Ansteckungsrisiko zur Pflicht zu machen.

    Bei der Partnerschaft mit Apple geben sich die Verantwortlichen Mühe, Datenschutzbedenken von vornherein auszuräumen. Alle Nutzerdaten würden verschlüsselt und in einem hochsicheren System gespeichert, heißt es in einer Mitteilung.

    Ein gewisses Misstrauen dürfte es in der Bevölkerung aber aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit geben: Vor zwei Jahren wurde bekannt, dass sich Hacker Zugang zu Daten von 1,5 Millionen Patienten verschafft hatten. Sie konnten sogar auf die Liste der Medikamente zugreifen, die dem Premierminister verschrieben wurden.

    Mehr: Singapur zeigt die Schwächen von Corona-Apps.

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