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Handytracking Corona-App soll kommen – Forscher wollen Mittwoch Details präsentieren

Am Mittwochvormittag werden wohl die Ergebnisse der Arbeit an einer Tracking-App vorgestellt. Datenschützer begrüßen die Funktionen des Programms.
31.03.2020 - 16:32 Uhr 2 Kommentare
Unter anderem wird die Distanz zwischen zwei Smartphones anhand der Stärke des Bluetooth-Signals gemessen. Quelle: Reuters
App „Trace Together“ aus Singapur

Unter anderem wird die Distanz zwischen zwei Smartphones anhand der Stärke des Bluetooth-Signals gemessen.

(Foto: Reuters)

Berlin, Düsseldorf Im Kampf gegen das Coronavirus ist seit Tagen der Einsatz einer Tracking-App im Gespräch. Nun will nach Handelsblatt-Informationen aus informierten Kreisen eine Arbeitsgruppe am Mittwochvormittag ihre Ergebnisse dazu vorstellen.

Die vom Heinrich-Herz-Institut (HHI) für Nachrichtentechnik in Berlin angeführte Gruppe arbeitet seit rund fünf Wochen unter der Federführung des Robert Koch-Instituts (RKI) an einer App, mit der die Infektionsketten des Virus unterbrochen werden sollen. Der Termin wurde allerdings schon zweimal verschoben.

Das RKI wollte sich dazu nicht äußern. Das HHI verwies auf ein Statement, es arbeite an einer Applikation, die es ermögliche, „in voller Übereinstimmung mit der Datenschutzgrundverordnung, vollständig anonym und ohne Ortserfassung (weder mit GPS noch anderen Quellen) die Nähe und die Dauer des Kontakts zwischen Personen in den vergangenen zwei Wochen auf dem Handy anonym abzuspeichern“.

Technisch wird die App offenbar jedem Nutzer eine Identifikationsnummer (ID) zuweisen, die per Bluetooth an andere Smartphones übermittelt wird, auf denen die App auch installiert ist. Diese ID kann keiner Person zugeordnet werden. Eine solche Lösung wurde bereits von mehreren Experten technisch und rechtlich befürwortet.

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Standort erkennen

    Lothar Wieler, Präsident des RKI, wich Fragen nach einer App bei der Pressekonferenz am Dienstag noch aus. „Jede technische Hilfe ist willkommen“, sagte er. Aber aufgrund der Datenschutzvorgaben sei eine „Ort-Zeit-Messung“ nicht möglich. Damit schließt er aber nur vor allem GPS-Tracking aus, bei dem der Standort und die Wege der Bürger gespeichert werden.

    Experten halten das ohnehin für wenig zielführend, weil GPS etwa in Hochhäusern wegen des Höhenunterschieds zu ungenau ist. Die Bluetooth-Lösung mit den vergebenen Identifikationsnummern hätte dieses Problem nicht, weil es nur Personen in der näheren Umgebung scannt und speichert.

    Matthias Bäcker, Professor für Datenschutzrecht an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz, würde eine solche Lösung, bei der die App eine Identifikationsnummer (ID) für den Benutzer erstellt und nur diese den Behörden und anderen Apps übermittelt wird, begrüßen: „Aus datenschutzrechtlicher Perspektive wäre das ein Musterbeispiel für Privacy by Design“, sagte er.

    Zwölf Institutionen beteiligt

    Laut Datenschutzgrundverordnung gelte das Prinzip der Datensparsamkeit und die sei dort gegeben. Vor allem, wenn die IDs von anderen auf dem Smartphone der App-Nutzer verschlüsselt gespeichert würden, nur der Arzt die Weitergabe an das Robert Koch-Institut freischalten kann und die Nutzung freiwillig ist.

    „Ich sehe Herausforderungen eher auf den vor- und nachgelagerten Ebenen“, so Bäcker weiter. Etwa, wie werden Personen benachrichtigt, die kein Smartphone haben? Das trifft vor allem auf ältere Menschen zu. Oder welche Pflichten entstehen bei der Nutzung? Müssen Corona-Infizierte die Daten in jedem Fall mit dem Robert Koch-Institut teilen?

    An der Entwicklung der App war ein Team aus zwölf verschiedenen Institutionen beteiligt. Vorbild waren ähnliche Anwendungen, etwa in Singapur: Dort bietet die Regierung die App „TraceTogether“ an.

    Sie speichert die Daten der begegneten Kontakte verschlüsselt auf dem Smartphone für 21 Tage. Die Nutzer geben nur ihre Mobilfunknummer zur Registrierung an, erlauben den Zugriff auf Bluetooth, die Speicherung der Daten und vom Ministerium kontaktiert zu werden. Unter anderem wird die Distanz zwischen zwei Smartphones anhand der Stärke des Bluetooth-Signals gemessen.

    Wird die Person positiv auf das Coronavirus getestet, müssen diese Daten an das Ministerium verschickt werden, das dann die Kontaktpersonen warnt. Die Software hinter der App bietet Singapur mittlerweile als Open Source an, andere Entwickler können also darauf zugreifen.

    In den vergangenen Tagen hatten deutsche Politiker und IT-Experten betont, sie würden eine solche App befürworten. Lediglich Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte am Sonntag in den ARD-Tagesthemen erklärt, sie halte wenig von der Handyortung im Kampf gegen die Pandemie, weil das ein „wirklich ein echt starker Eingriff“ sei.

    Allerdings ist es wahrscheinlich, dass sie sich damit auf Überlegungen aus dem Gesundheitsministerium von vor rund zwei Wochen bezog, die den staatlichen Zugriff auf Mobilfunkdaten von Nutzern ermöglichen sollten.

    Das hatte Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) scharf abgelehnt. Allerdings hält auch sie die Nutzung von Handydaten für möglich, wenn sie freiwillig und zeitlich begrenzt sind, sagte sie am Dienstagmorgen im Deutschlandfunk.

    Mehr: Datenschützer warnen vor Videochat-Software Zoom

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    2 Kommentare zu "Handytracking : Corona-App soll kommen – Forscher wollen Mittwoch Details präsentieren"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Gut dass man sein Handy abschalten kann. Noch mehr Schwachsinn braucht keiner.

    • Die eindringliche Bitte, diese App nicht mit der heißen Nadel gestrickt auf den Markt zu bringen. Sofern die Funktionalität nicht Menschen zwischen 10 und 80 Jahren erreicht, wird sich kein probater Kreis finden, welcher die App nutzt. Aus den Kommentaren bei Google Play in Bezug auf die Stopp Corona App in Österreich ist ersichtlich, dass die wenigen Nutzer bis dato nicht gerade von der Funktionalität überzeugt sind. Schade um die Entwickler-Ressourcen, die wir dafür in Beschlag nehmen um dann "Bananen-Software" auf den Markt zu bringen in dem Glauben es wird schon benutzt.

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