Health-i-Award 2019 Das sind die besten Gesundheitsideen des Jahres

Das Handelsblatt und die Techniker-Krankenkasse haben Gründer ausgezeichnet, die das Gesundheitssystem revolutionieren könnten. Das sind die Gewinner.
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So sehen Sieger aus: Gruppenfoto aller Preisträger des diesjährigen Health-i-Awards mit ihren Laudatoren und Juroren. Mehr als 500 Schüler, Studierende, Forscher, Gründerinnen und gestandene Unternehmen haben sich in den vergangenen drei Jahren um die Auszeichnung beworben, die den besten Talenten eine Bühne bietet, um sich und ihre Ideen zu präsentieren. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Health-i-Award 2019

So sehen Sieger aus: Gruppenfoto aller Preisträger des diesjährigen Health-i-Awards mit ihren Laudatoren und Juroren. Mehr als 500 Schüler, Studierende, Forscher, Gründerinnen und gestandene Unternehmen haben sich in den vergangenen drei Jahren um die Auszeichnung beworben, die den besten Talenten eine Bühne bietet, um sich und ihre Ideen zu präsentieren.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

Berlin Die Höhle der Gesundheitslöwen befand sich in diesem Jahr im Berliner Kühlhaus. Wo zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts unzählige Schweinehälften von der Decke hingen, Fische und Kaviar bei frostigen Temperaturen gelagert wurden, stellten sich Ende vergangener Woche vielversprechende Start-ups aus der Gesundheitsbranche im Live-Pitch der Jury.

Bereits zum vierten Mal waren beim Health-i-Award, einer Initiative der Krankenkasse „Die Techniker“ und des Handelsblatts, innovative Lösungen für die Digitalisierung des Gesundheitswesens gesucht. Vergeben wird der Preis seit 2016 in den Kategorien „Junge Talente“, „Unternehmen“ und „Start-ups“ – in der letzten Kategorie durfte das geladene Publikum per Live-Voting entscheiden.

Kategorie „Junge Talente“

In der Kategorie „Junge Talente“ hat dieses Jahr Christina Roitzheim gewonnen, die gemeinsam mit ihrem Gründerteam Selkuc Aciner, Andrea Bedoya und Eleonore Filhol die Smartphone-App „Contenance“ entwickelt hat. Hinter dem Namen verbirgt sich ein mobiler Coach, der helfen soll, die rasant zunehmende Handysucht zu bekämpfen.

Auf die Frage, warum man ausgerechnet mit einem Smartphone seine Smartphonesucht bekämpfen sollte, erklärte Roitzheim: „Wir setzen auf eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Handy. Es ist wie beim Schwimmenlernen: Um in kritischen Momenten nicht abzusaufen, muss ich ins Wasser gehen.“ Mit „Contenance“ sollen Menschen die Möglichkeit bekommen, ihr problematisches Nutzungsverhalten zu erkennen und es mithilfe verhaltenstherapeutischer Übungen via App zu behandeln, so Roitzheim.

Kategorie „Unternehmen“

Auch Jungunternehmer Maximilian Greschke hat die Jury überzeugt, der es mit seinem Start-up „Recare“ in die Endauswahl geschafft hatte. „Recare“ ist eine digitale Entlassmanagement-Plattform, die Greschke Anfang 2017 gegründet hat. Mithilfe der Software können Krankenhäuser für pflegebedürftige Patienten nach der Entlassung unmittelbar eine geeignete Weiterversorgung organisieren.

Das sind die innovativsten Ideen aus der Gesundheitswelt
Health-i-Award 2019
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Mehr als 170 Bewerbungen gingen bei der diesjährigen Ausschreibung von Handelsblatt und der Techniker-Krankenkasse ein. Die Sieger wurden bei einem festlichen Event am Donnerstagabend in Berlin gekürt. Gesucht waren innovative Ideen für eine bessere Gesundheitsversorgung.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)
Blick auf das Kühlhaus in Berlin
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Die Eventlocation war einst der größte Kühlhauskomplex Europas, 1901 errichtet, um den wachsenden Bedarf der Bevölkerung nach gekühlten Lebensmitteln zu decken. Heute werden dort Feste gefeiert.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)
Eine Bühne für gute Ideen
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Neun smarte Konzepte und Geschäftsmodelle für eine bessere Versorgung von Patienten präsentierten die Finalisten den rund 200 Gästen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)
Die Jury
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Lauschten gespannt den Pitches und grillten die Gründer mit Nachfragen zum Geschäftsmodell (von links): Handelsblatt Chefredakteur Sven Afhüppe, Chef der Techniker-Krankenkasse Jens Baas, Shari Langemak, Ärztin und Digital-Health-Strategin sowie Cornelia Roeper, Gründerin der Social-Start-ups "Wefugees" und "Mitunsleben".

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)
Keynote und leidenschaftliches Plädoyer für digitale Versorgung
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Gottfried Ludewig, Leiter der Abteilung Digitalisierung und Innovation im Bundesministerium der Gesundheit, kam mit guten Nachrichten zur Verleihung des Health-i-Awards. Nur wenige Stunden zuvor wurde im Bundestag das "Digitale-Versorgung-Gesetz" verabschiedet. Ludewig: "Das Team im Gesundheitsministerium feiert heute Abend. (...) Apps sind keine Spielerei. Apps haben viele Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin. Und wir sind das erste Land auf der Welt, bei dem es Apps auf Rezept gibt."

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Was wurde eigentlich aus....?
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Mona Späth (rechts) und Hanna Jakob helfen mit ihrer App Patienten, nach einem Schlaganfall wieder sprechen zu lernen. Für diese digitale Innovation wurde ihr Unternehmen Neolexon vor zwei Jahren mit dem Health-i-Award ausgezeichnet. Auf der Bühne erzählten sie Sven Afhüppe und Jens Baas, wie sehr ihnen damals die Auszeichnung geholfen hat. Inzwischen ist ihre App bei mehr als 600 Logopäden im Einsatz, einige Krankenkassen erstatten das Angebot und ihr Start-up mit insgesamt sieben festen Mitarbeitern ist mittlerweile profitabel.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)
Live-Act
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Bevor es zur Preisverleihung ging, sorgte die Musikerin Toksï, die Soul in der Blutbahn hat, für die musikalische Unterhaltung. Toksï selbst bezeichnet ihre Musik als ‘Hip-Pop’: freshe Beats und eingängige Melodien.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

In den meisten Krankenhäusern ist das vielerorts noch ein sehr analoger und aufwendiger Prozess: Menschen telefonieren, verschicken Faxe, es dauert. Genau hier setzt die Plattform „Recare“ an mit einem intelligenten Vermittlungsalgorithmus.

„So sind die Patienten nach der Entlassung optimal versorgt, müssen nicht unnötig lange im Krankenhaus bleiben“, erklärt der 29-Jährige. „Recare“ verbindet bereits mehr als 130 Krankenhäuser mit gut 9000 Pflegenachsorgern. Greschke betont: „Das sind 40 Prozent aller Nachsorger, die es in Deutschland gibt.“ Laudatorin Brigitte Zypries (SPD), ehemalige Bundeswirtschaftsministerin, gratulierte anerkennend: „Glückwunsch, ich hoffe aber, dass ich Ihre App nie brauche.“

Kategorie „Start-ups“

Eine smarte Idee für das Gesundheitswesen stellte auch Frank Böhme vor, der mit seinem Unternehmen „Scanacs“ in der Kategorie „Start-up“ angetreten war. Hinter seiner Erfindung steckt eine Lösung mit großem ökonomischen Potenzial: 750 Millionen Rezepte, die Patienten für ihre Medikamente vom Arzt ausgestellt bekommen, werden jährlich von den Krankenkassen und Apotheken verarbeitet.

Während der Patient allerdings schon nach wenigen Minuten mit seinen Tabletten in der Hand die Apotheke wieder verlässt, erwacht im Hintergrund ein Bürokratiemonster zum Leben. Denn zwischen Arzneimittelabgabe und dem Abschluss der Rezeptprüfung durch die Krankenkasse können bis zu zwölf Monate vergehen. Allein 75 Millionen Rezepte müssen bei den Prüfern in den Krankenkassen erneut gecheckt werden – im gesamten Abrechnungsprozess wird ein Rezept mehr als zehnmal in die Hand genommen.

„Ein Prozess, der Zeit und Ressourcen verschlingt – beim Apotheker und der Krankenkasse“, sagt der Dresdner IT-Unternehmer Böhme. „Das ist teuer: Jährlich verursacht dieser Ablauf Prozesskosten in Höhe von 150 Millionen Euro.“ Mithilfe der „Scanacs“-Plattform werden nun aus mehreren Monaten wenige Sekunden – und die Apotheke erhält in Echtzeit einen Hinweis auf die Erstattungsfähigkeit des Arzneimittels.

Zusätzlich können Patienten dank der „Scanacs“-Lösung von der Aufgabe entlastet werden, ärztliche Verordnungen und Kostenvoranschläge zwischen ihrer Apotheke und der Krankenkasse im wahrsten Sinne des Wortes „zu Fuß“ austauschen zu müssen.

„Scanacs“ digitalisiert den kompletten Vorgang, sodass Patienten schneller an die für ihre Genesung notwendigen Leistungen kommen. Diesen innovativen Ansatz fanden die 200 Gäste auf der Health-i-Veranstaltung so überzeugend, dass sie „Scanacs“ zum Sieger in der Kategorie „Start-up“ wählten.

Frische Ideen für die Gesundheit

Mehr als 500 Schüler, Studenten, Forscher, Gründer und gestandene Unternehmer haben sich in den vergangenen drei Jahren um die Auszeichnung beworben, die den besten Talenten eine Bühne bietet, sich und ihre Ideen zu präsentieren.

Als wissenschaftlicher Partner dabei ist die Universitätsmedizin Essen unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden Jochen Alfred Werner. Er bewertet alle eingegangenen Bewerbungen anhand folgender Kriterien: Innovationsgrad, Marktattraktivität, Kompetenz, Alleinstellungsmerkmal, Finanzierungs- und Geschäftsmodell, Wettbewerbsintensität und Status des Unternehmensaufbaus.

„Wir haben uns mit dem Award vorgenommen, innovative Firmen im Gesundheitsmarkt sichtbar zu machen“, erklärte Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe. „Jungen Unternehmen, die etwas in der Welt verbessern wollen, möchten wir eine Plattform geben und helfen, sie groß zu machen.“ Ebenso begeistert ist auch Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, von der Initiative: „Start-ups und Krankenkassen passen vielleicht doch besser zusammen, als man denkt. Das zeigt der Abend hier.“

Die Health-i-Initiative steht unter der Schirmherrschaft von Gesundheitsminister Jens Spahn, dessen erklärtes Ziel es ist, „aus einer guten eine noch bessere Gesundheitsversorgung“ zu machen.

Nur wenige Stunden zuvor wurde im Bundestag das „Digitale-Versorgung-Gesetz“ verabschiedet, und so kam Gottfried Ludewig, Leiter der Abteilung Digitalisierung und Innovation des Ministeriums, mit guten Nachrichten zur Verleihung: „Das Team im Gesundheitsministerium feiert heute Abend.“ Apps seien keine Spielerei und hätten viele Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin. „Und wir sind das erste Land auf der Welt, bei dem es Apps auf Rezept gibt“, fügte er hinzu.

Mehr: Die Gewinner des Health-i-Award 2018

Die Gewinner des Health-i-Award 2017

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