Health-i-Award Das sind die besten Ideen für die Gesundheit von morgen

Das Handelsblatt und die Techniker-Krankenkasse zeichnen innovative Ideen aus, die unser Gesundheitssystem revolutionieren könnten. Das sind die Gewinner.
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Mehr als 160 Einreichungen gingen zum diesjährigen Wettbewerb ein. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
Health-i Award 2018

Mehr als 160 Einreichungen gingen zum diesjährigen Wettbewerb ein.

(Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

BerlinWeil seine Lehrerin an Multipler Sklerose erkrankt war, begann Tim Lorenz Depping vor zwei Jahren, eine App zu programmieren, mit der die MS-Patientin Daten über ihre Bewegungsfähigkeit erfassen und auswerten kann, um die individuelle Therapie zu verbessern.

Das ist eine von vielen bewegenden Geschichten, die hinter den mehr als 160 Bewerbungen zum diesjährigen Health-i-Award von Handelsblatt und der Krankenkasse „Die Techniker“ steht. Depping, der die App zusammen mit der Mitschülerin Lilian Jasmina Rieke am Gymnasium Papenburg entwickelte, wurde für dieses Projekt am Mittwoch in der Kategorie „Junge Talente“ mit dem Health-i-Award ausgezeichnet.

„Auf die Idee mit der App kamen wir, als mein Projektleiter, der Ehemann der erkrankten Lehrerin, und ich uns über die bestehenden Probleme der Therapie unterhielten“, sagt der heutige Informatikstudent. Gerade im ländlichen Raum sei die Versorgung sehr lückenhaft. Mit der App sollen Patienten die Möglichkeit zur Selbsteinschätzung der Krankheit bekommen, um die Therapie zu verbessern, sagt der heute 19-Jährige.

Digitalisierung der Gesundheit gewinnt an Fahrt

Es bewegt sich etwas in Deutschlands Gesundheitssystem, darüber waren sich die Experten bei der diesjährigen Award-Veranstaltung im Kühlhaus in Berlin einig. Nicht nur wegen der vielen innovativen Ideen für eine bessere Gesundheitsversorgung, die auf der Preisverleihung präsentiert wurden, sondern auch, weil das Thema Digitalisierung vom Gesundheitsministerium nun vorangetrieben wird.

Bis 2021 soll die elektronische Gesundheitsakte kommen, und „wir werden auch noch die Einführung des elektronischen Rezepts erleben“, versprach Gottfried Ludewig, Chef der Abteilung für Digitalisierung des Gesundheitswesens im Bundesministerium für Gesundheit, in seiner Keynote-Rede.

„Wir sind in der Phase der Beschleunigung“, findet auch Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, aber die Hürden seien noch hoch, weil viele im System ihre Interessen schützen wollten. „Die größte Herausforderung ist, einen gemeinsamen Datenpool zu schaffen“, sagte er mit Blick auf die Einführung der elektronischen Patientenakte.

„Es gibt in der Selbstverwaltung keinen Champion, der für Digitalisierung kämpft“, kritisierte Professor Erwin Böttinger vom Hasso-Plattner-Institut in der Expertenrunde auf dem Podium. Damit könne das Thema entscheidend vorangebracht werden.

Das sind die Gewinner des Health-i Awards 2018
Health-i-Award 2018
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Zum dritten Mal haben Handelsblatt und die Krankenkasse „Die Techniker“ innovative Ideen für eine bessere Gesundheitsversorgung gesucht und gefunden. Mehr als 160 Bewerbungen gingen bei der diesjährigen Ausschreibung ein. Die Sieger wurden bei einem festlichen Event am Mittwochabend in Berlin gekürt.

Blick auf das Kühlhaus in Berlin
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Die Eventlocation war einst der größte Kühlhauskomplex Europas, 1901 errichtet, um den wachsenden Bedarf der Bevölkerung nach gekühlten Lebensmitteln zu decken. Heute werden dort Feste gefeiert.

Eine Bühne für gute Ideen
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Zehn smarte Konzepte und Geschäftsmodelle für eine bessere Versorgung von Patienten präsentierten die Finalisten den rund 200 Gästen.

Abstimmung mit dem Smartphone
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Über den Sieger im Start-up-Wettbewerb stimmte das Publikum live vor Ort ab.

Mit Algorithmen gegen psychische Erkrankungen
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Das 2015 gegründete Unternehmen Mindpax siegt in der Kategorie Start-ups. CEO Pavel Nevicky erklärt, wie man mit vorausschauende Algorithmen schwere psychische Erkrankungen mittels Langzeitbeobachtungen erkennen kann.

Technik für Patienten
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Finalist Christian Schierholz und das Team von Amiko Digital Health haben ein appbasiertes System zur Überwachung von Inhalationen entwickelt. Denn viele Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegerkrankungen inhalieren falsch.

Neurologische Erkrankungen im Fokus
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Finalist Sebastian Mansow-Model, Managing und Technical Director der Firma Motognosis im Gespräch mit Moderatorin Johanna Klum. Das Start-up Team hat ein Überwachungssystem mit Tiefenkameras für Patienten mit neurologischen Krankheiten wie Parkinson, Multipler Sklerose oder Schlaganfällen entwickelt.

Für Stephanie Kaiser, Mitgründerin der Start-up-Schmiede Heartbeat Labs und Mitglied im Digitalrat der Bundesregierung, ist das Vorankommen der neuen Technologien stark davon abhängig, wie gut die Produkte vom Patienten und Konsumenten angenommen werden. „Wir denken manchmal zu groß. Produkte müssen einfach sein, damit sie auch genutzt werden“, so Kaiser.

Ganz wichtig für die Akzeptanz neuer Produkte und Lösungen bei den Patienten ist auch das Thema Vertrauen, findet Jens Eckstein, Arzt und Chief Medical Information Officer im Universitätsspital Basel. Diese Erfahrung hat er bei der Einführung der elektronischen Patientenakte gemacht. „Die Patienten wollen, dass ihre Daten sicher sind. Sie müssen uns vertrauen können“, sagt Eckstein.

Der Gesundheitsapp AdaHealth haben bereits viele Nutzer ihr Vertrauen geschenkt, wird sie doch von mehr als fünf Millionen Menschen genutzt. Das ist ein Grund, warum das Unternehmen von den rund 80 Mitgliedern des Health-i-Boards als Sieger in der Kategorie Unternehmen ausgewählt wurde.

Vincent Zimmer, Head of Strategic Partnership bei dem Unternehmen, nahm den Preis entgegen. „Wir wollen dazu beitragen, dass Menschen schneller und selbstbestimmter gesund werden“, sagt Zimmer. AdaHealth hat einen KI-gestützten Gesundheitsleitfaden entwickelt, der Menschen hilft, ihre Krankheitssymptome einzuschätzen und die passenden Schritte für die richtige Behandlung zu finden.

Im anschließenden Live-Pitch auf der Bühne traten drei Start-ups gegeneinander an: Die Amiko Digital Health GmbH hat ein sensorgestütztes Analysewerkzeug entwickelt, das bei marktüblichen Inhalationsgeräten misst, ob der Patient richtig inhaliert. Die junge Firma Motognosis analysiert mit Tiefenkameras die Motorik von Parkinson-, Schlaganfall- und Multiple-Sklerose-Patienten, damit deren Therapie optimiert werden kann.

Algorithmen zur Diagnose psychischer Krankheiten

Drittes Unternehmen in der Wettbewerbspräsentation war das Start-up Mindpax. Es entwirft vorausschauende Algorithmen mit dem Ziel, schwere psychische Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Dazu überwacht Mindpax über einen langen Zeitraum Schlafverhalten und körperliche Aktivität der Nutzer und befragt sie zu ihrem Befinden.

Diese Idee fanden die 200 Gäste auf der Health-i-Veranstaltung so überzeugend, dass sie Mindpax zum Sieger in der Kategorie Start-up wählten. Eine schöne Bestätigung für die Arbeit des Teams um CEO Pavel Nevicky, der mit dem 2015 gegründeten Start-up nichts Geringeres vorhat, als ein „Leader“ in der digitalen Therapie von Schizophrenie und bipolaren Störungen zu werden.

Klare Ziele und ehrgeizige Ambitionen zu haben ist eben auch wichtig, wenn man Dinge voranbringen will, das machte auch Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe klar. „Wir haben uns mit dem Health-i-Award vorgenommen, innovative Firmen im Gesundheitsmarkt zu suchen, und wollen helfen, sie groß zu machen.“

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