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Health-i-Initiative Das sind die Gesundheitspioniere des Jahres 2020

Die Health-i-Initiative zeichnet wegweisende Ideen für das Gesundheitssystem aus. In diesem Jahr geht es um Impfstoffe, Apps und Algorithmen.
02.11.2020 - 09:52 Uhr Kommentieren
Mit seiner Technologie leitet das Unternehmen den menschlichen Körper an, seine eigenen Abwehrmechanismen zu aktivieren. Quelle: dpa
Curevac

Mit seiner Technologie leitet das Unternehmen den menschlichen Körper an, seine eigenen Abwehrmechanismen zu aktivieren.

(Foto: dpa)

Frankfurt An Pionieren, die das deutsche Gesundheitswesen auch in der Corona-Zeit mit klugen und kreativen Ideen voranbringen, fehlt es nicht. Das zeigt der von der Techniker Krankenkasse und dem Handelsblatt im August gestartete Aufruf, die Health-i-Pioneers dieses Jahres zu finden. Binnen weniger Wochen gingen 178 Vorschläge ein.

Jetzt stehen die vier Sieger fest, die das rund 70-köpfige Expertenboard der Initiative gewählt hat: Es sind der Impfstoffhersteller Curevac, das Diagnostikunternehmen Noscendo, das Digital-Health-Start-up Tricode und die Arbeitsgruppe Neuropsychologie der Uniklinik Hamburg Eppendorf.

„Ich war begeistert, wie innovativ und anspruchsvoll die Projekte der vorgeschlagenen Kandidaten zum überwiegenden Teil waren“, sagt Professor Jochen A. Werner, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor der Universitätsmedizin Essen und wissenschaftlicher Partner der Initiative. „Natürlich stand vielfach das Thema Corona im Mittelpunkt, aber eben nicht nur.“

Das Biotechunternehmen Curevac aus Tübingen arbeitet mit einem neuartigen, vielversprechenden Ansatz an einem Impfstoff gegen das Coronavirus: Mit seiner Technologie leitet Curevac den menschlichen Körper an, seine eigenen Abwehrmechanismen zu aktivieren. Hierfür wird der natürliche Botenstoff Messenger RNA (mRNA) genutzt, der die Bauanleitung zur Proteinherstellung beinhaltet.

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    Dieser Botenstoff wird mit der Information über ein Protein des Coronavirus programmiert und in die menschlichen Zellen injiziert. Der Körper erkennt das von den Zellen produzierte Protein als etwas Fremdes und aktiviert seine Immunzellen, um Antikörper und T-Zellen herzustellen.

    Dass mRNA für die Entwicklung von Impfstoffen genutzt werden kann, hat der Biologe Ingmar Hoerr entdeckt. Er gründete 2000 mit Kollegen Curevac und entwickelt den Ansatz weiter. Bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs ist das Unternehmen in fortgeschrittenen klinischen Studien. Die Technologie hat aber ein sehr viel breiteres Einsatzpotenzial.

    Digitale Unterstützung für Blutspenden

    Ein neues Verfahren, um Krankheiterreger zu entdecken, hat der zweite ausgewählte Gesundheitspionier Noscendo entdeckt. Das Duisburger Start-up mit dem Gründerteam um CEO Philip Stevens hat ein auf Algorithmen und Software basiertes Verfahren entwickelt, mit dem Krankheitserreger schnell, spezifisch und hochempfindlich erkannt werden können. Dabei wird das Blut des Patienten auf 1500 Pathogene durchgecheckt, und zwar viel schneller, als es bisher möglich ist.

    „Neue Ansätze, Krankheitserreger zu erkennen, sind hochwillkommen. Sepsis, also Blutvergiftung, beispielsweise ist nach wie vor eine Riesenherausforderung für die Medizin. Die klinischen Studien von Noscendo haben gezeigt, dass mit dem neuen Verfahren substanziell mehr Erreger im Blut nachgewiesen werden konnten. Die frühzeitige Erkennung oder Vermeidung einer Sepsis erspart den Patienten viel Leid und dem System viel Geld“, sagt Professor Werner von der Universitätsmedizin Essen.

    Das Start-up Tricode vernetzt mit seiner App die Spendezentren der Kliniken mit den Freiwilligen. Quelle: dpa
    Blutspende

    Das Start-up Tricode vernetzt mit seiner App die Spendezentren der Kliniken mit den Freiwilligen.

    (Foto: dpa)

    Das wichtige Thema Blutspende digital zu unterstützen, hat sich das Start-up Tricode vorgenommen. Rund ein Drittel der Deutschen dürfte Blut spenden, aber nur drei Prozent tun es. Das wollen die vier Gründer von Tricode mit der App „Statusplus Blutspende“ ändern.

    Die vernetzt die Spendezentren der Kliniken mit den Freiwilligen: Der Spender bekommt beispielsweise das kleine Blutbild aufs Handy und eine Nachricht, wenn sein Blut eingesetzt worden ist, um Leben zu retten. Die Kliniken können bei Engpässen gezielt um neue Spenden einer bestimmten Blutgruppe bitten.

    Gerade in der Coronakrise gab es zeitweise Engpässe, weil viele Spender aus Angst vor einer Infektion zu Hause blieben. Denn laut dem Deutschen Roten Kreuz sind etwa 80 Prozent der Deutschen im Laufe ihres Lebens – direkt oder indirekt – einmal auf Spenderblut angewiesen. Das Team um Tricode-Geschäftsführer Jonas Reinhardt arbeitet an verschiedenen Softwarelösungen für die Medizin.

    App-Hilfe gegen Depression und Spielsucht

    Psychisch Erkrankte sind vielfach nicht gut versorgt. Und in der Coronakrise wächst die Zahl der Menschen mit emotionalen Problemen noch. Die Arbeitsgruppe Neuropsychologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf bietet zwei Apps als internetbasierte Interventionen für die Menschen an, die direkte und schnelle Hilfe für ihre psychischen Probleme benötigen. Dafür wurde auch das Team um die Psychologin Lara Bücker zum Health-i-Pioneer gewählt.

    Die Arbeitsgruppe hat zum einen die App „Neustart“ entwickelt, die bei Glücksspielsucht hilft. Bei Depression und Psychosen hilft die weiterentwickelte App „MKT & Mehr“, die auf einem metakognitiven Therapieansatz beruht. Jeden Tag bekommen die Nutzer eine Push-Nachricht mit einer kleinen Übung aufs Smartphone. „Die App ist wie eine tägliche Zahnbürste für die Seele“, erklärt Bücker.

    Die 2016 von Techniker Krankenkasse und Handelsblatt gestartete Health-i-Initiative will wegweisenden Projekten und klugen Köpfen eine starke Plattform und Community bieten. Sie zielt darauf ab, das Gesundheitswesen, ideenreiche Gründer und die digitale Szene enger zusammenzubringen.

    Die in diesem Jahr eingegangenen Vorschläge zur Wahl der diesjährigen Health-i-Pioneers wurden eingehend geprüft von der Techniker Krankenkasse und dem Handelsblatt, in enger Abstimmung mit dem wissenschaftlichen Partner, Professor Werner und seinem Team der Universitätsklinik Essen sowie Professor David Matusiewicz, Dekan an der FOM Hochschule.

    Erstellt wurde eine Shortlist aus zehn Kandidaten, aus denen die Branchenexperten im Health-i-Board per Online-Voting auswählten. Am Ende fiel das Votum knapp aus: Die zehn Kandidaten auf der Shortlist lagen sehr eng beieinander.

    Mehr: Das sind die besten Gesundheitsideen des Jahres 2019.

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